Sieg für Zöggeler
Rodeln: Hackl feiert Silber wie Gold

Georg Hackl feierte Silber wie Gold. 14 Jahre nach dem zweiten Platz in Calgary hinter dem Oberhofer Jens Müller musste der dreifache Rodel-Olympiasieger am Montag in Salt Lake City mit Armin Zöggeler erstmals bei Olympia einem Ausländer den Vortritt lassen, und freute sich trotzdem wie ein Schneekönig.

dpa SALT LAKE CITY. "Zwei Mal Silber und drei Mal Gold bei Olympia, das ist großartig", jubelte der 35 Jahre alte Berchtesgadener. Der dreimalige Weltmeister Zöggeler setzte sich nach vier Läufen mit der Gesamtzeit von 2:57,941 Minuten vor Hackl (2:58,270) und dem Österreicher Markus Prock (2:58,283) durch.

Mit seiner Medaillenserie über fünf Winterspiele sei Hackl "auch international ein ganz herausragender Athlet", würdigte IOC - Vizepräsident Thomas Bach den überragenden Erfolg. "Der Schorsch hat Silber gewonnen, nicht Gold verloren. Wir haben vor einem Jahr gesagt, wenn wir hier Bronze gewinnen, dann haben wir gut gearbeitet", war auch Bundestrainer Thomas Schwab nach Feiern zumute. IOC-Präsident Jacques Rogge, der zu Ehren Hackls zum letzten Durchgang am Eiskanal im Utah Olympic Park erschienen war, sprach von einem "Kampf der Giganten. Es war ein großes Finale".

Auch wenn der Traum vom vierten Rodel-Gold nicht in Erfüllung ging, ist dem Deutschen zum Abschluss seiner olympischen Karriere der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde sicher: Als bisher einziger Sportler in der Geschichte der Winterspiele gewann der Feldwebel der Bundeswehr fünf Mal nacheinander in einem Einzel-Wettbewerb Edelmetall. Die beiden übrigen deutschen Starter blieben im Rahmen ihrer Möglichkeiten: Der Oberhofer Karsten Albert belegte in 2:59,046 Minuten den sechsten Rang, Denis Geppert aus Oberwiesenthal wurde in 2:59,154 Minuten Siebter.

"Der zweite Platz entspricht meinem Leistungsvermögen. Am Start war ich ein bisserl langsam", sagte Hackl, der nach der Zieldurchfahrt erleichtert die geballte Faust in den Himmel reckte. Silber sicherte sich der Bayer mit dem minimalen Vorsprung von 13/1000 Sekunden vor Prock, nachdem er durch seine einzige etwas schwächere Fahrt im dritten Lauf ("Der war total daneben") seine Siegchance eingebüßt hatte.

Danach gratulierte Hackl seinem langjährigen Rivalen Zöggeler neidlos zum Erfolg: "Der Armin ist hier das Maß aller Dinge. An ihm war hier schwer vorbeizukommen." Der Südtiroler sagte: "Es war ein langes Warten und ein langer Weg zu dieser Goldmedaille. Es hat mich ganz viel Kraft und Energie gekostet. Nun bin ich unglaublich glücklich."

Nachdem Hackl den Rückstand auf den von Beginn an führenden Südtiroler im zweiten Lauf auf 41/1000 Sekunden verkürzt hatte, schien er erneut in die Gold-Spur einbiegen zu können. Doch statt die Aufholjagd am zweiten Tag fortzusetzen, ging dem Rodel-"Oldie" der Turbo aus. Der im dritten Durchgang als erster gestartete Zöggeler legte Bahnrekord vor und setzte den Deutschen damit unter Druck. Der 35-Jährige büßte weitere 19/100 Sekunden ein. "Zöggelers Zeit war psychologisch ein Schlag", urteilte Bundestrainer Thomas Schwab, der dem Olympia-Zweiten von 1998 zudem bescheinigte, die bessere Schlittenabstimmung gefunden zu haben.

Ausgerechnet am Tag der Entscheidung schien der Tüftler Hackl einen Fehlgriff getätigt zu haben. Der 35-Jährige hatte sich wie an den Trainingstagen auf hartes Eis eingestellt, allerdings war es am Montag in der Olympia-Region mit Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt etwas wärmer als erwartet. Vor dem letzten Lauf musste der Deutsche sogar den Österreicher Prock fürchten, der den Bahnrekord auf 44,271 Sekunden verbesserte und ihm bis auf 14/1000 Sekunden auf den Pelz rückte.

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