Sieg über die Türkei
Volleyballerinnen qualifizieren sich für Athen

Die deutschen Volleyball-Frauen fahren zu den Olympischen Spielen nach Athen. Das Finale des Qualifikationsturniers gewannen sie in Weltklasse-Manier gegen die Türkei.

HB BERLIN. Der Weg zum Olymp ist hart und entbehrungsreich. Eine durchaus nicht neue Floskel ist das, und dennoch trifft sie immer noch zu. Wer sich vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage überzeugen möchte, darf sich gerne mal bei den deutschen Volleyballerinnen erkundigen. Vier Sätze gegen Aserbaidschan, fünf gegen Polen, fünf weitere gegen Russland, fünf dramatische Etappen gegen den Weltmeister aus Italien.

Und im Finale der europäischen Olympia-Qualifikation in Baku (Aserbaidschan) der letzte, überzeugende Schritt gegen den Vize-Europameister aus der Türkei. 3:0 (25:22, 25:16, 25:7), so lauten die nackten Zahlen, die den unbändigen Jubel und das Meer aus Freudentränen auf deutscher Seite nur unzureichend widerspiegeln.

Die deutschen Volleyballerinnen haben in den vergangenen fünf Tagen Großes vollbracht. Die Belohnung ist die Berechtigung, beim Saisonhöhepunkt unter den fünf Ringen aufschlagen zu dürfen. Ein wahrer Kraftakt der Mannschaft des koreanischen Bundestrainers Hee Wan Lee. Schon nach dem hart erkämpften Erfolg gegen die stärker eingestuften Russinnen wünschte sich Außenangreiferin Angelina Grün, «einfach nur Schlaf. Zum Feiern sind wir viel zu schlapp.»

Obwohl in den beiden Tagen darauf noch der geschichtsträchtige Erfolg gegen Italien mit der Abwehr von zwei Matchbällen und danach der finale Akt gegen die Türkei folgte, wird sich der Erschöpfungszustand nach dem Finale in Grenzen gehalten haben. Nachdem der letzte Schritt Richtung Athen getan war, gab es vor 7500 Zuschauern im Sport- und Kongresszentrum Baku nichts als Jubel.

Die deutschen Volleyballerinnen lieferten gegen die Türkei einen eindrucksvollen Nachweis neu erworbener Stärke ab. Von Beginn an agierte das Team um Zuspielerin Tanja Hart mutig und abgeklärt und kam im Gegensatz zu den aufwendigen Begegnungen zuvor zu einem souveränen Dreisatzerfolg. Stark im Aufschlag, zielstrebig im Angriff, entschlossen in der Feldabwehr, zupackend im Block - es war einer dieser Tage, an denen einfach alles funktioniert. «Diese Leistung», sagte Hee Wan Lee, «war unglaublich. Das konnte in dieser Form keiner erwarten.»

Spätestens, als die Münsteranerin Atika Bouagaa im zweiten Durchgang neun krachende Aufschlagpunkte in Folge gelangen, war klar, dass sich die deutschen Frauen nicht mehr von ihrem Weg nach Athen abbringen lassen würden. Am Ende wurde die Partie für die resignierenden Türkinnen zur Demontage. 18 Punkte Vorsprung in einem Satz, so etwas besitzt im Volleyball auf internationaler Plattform absoluten Seltenheitswert.

Als die überragende Bouagaa den Matchball verwandelt hatte, ging alles unter im Taumel des deutschen Teams. Hinter den hüpfenden und kreischenden Spielerinnen schritt Hee Wan Lee gemessenen Schrittes auf das orangene Parkett, um seine Elevinnen in die Arme zu schließen. Und irgendein Betreuer hatte eine Flasche Sekt parat und ein paar Plastikbecher, damit die erfolgreichen Baggerkünstlerinnen noch auf dem Spielfeld die Hände zusammenstecken konnten, um sich zuzuprosten. Spielführerin Angelina Grün sprach hernach von der «unglaublichen Moral, die wir hier gezeigt haben. Wir sind immer wieder aufgestanden», sagte der Italienprofi, «ich bin stolz, Kapitän dieser Mannschaft zu sein.»

Mit dem Triumph von Baku haben die deutschen Volleyballerinnen das verwirklicht, was eher den männlichen Kollegen in Leipzig zugetraut worden war. Doch während das Team von Stelian Moculescu beim 0:3 im Halbfinale gegen die Niederlande gewogen und zu leicht befunden wurde, haben Angelina Grün und Co. ihren Traum von Olympia wahr gemacht. Es ist die dritte Teilnahme in Folge, der Sieg gegen die Türkei wird nach dem zweimaligen «Wunder von Bremen» in den Jahren 1996 und 2000 als «Wunder von Baku» im Geschichtsbuch der deutschen Volleyballer Eingang finden.

Ein Erfolg, der auch Auswirkungen auf die Finanzen des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) hat. DVV-Präsident Werner von Moltke bezifferte das Scheitern beider Hallenteams und die damit verbundene Rückstufung in der Förderung durch den Bund mit einem Verlust von rund 100.000 Euro. Diese Etatlücke wird nun nicht entstehen, «und das», sagt von Moltke, «hilft uns enorm weiter». Nach dem Aus für die Männer durfte der temperamentvolle Graf in Leipzig vor dem Fernseher miterleben, wie die Frauen viele hundert Kilometer entfernt die Ehre der schmetternden Zunft unter dem Hallendach retteten. Ein Umstand, der den Chef sichtlich erleichterte: «Jetzt atmen wir erst einmal durch, und dann beginnen wir mit der Planung für Olympia.»

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