Sieg von Rot-Grün lässt Aktien aus dem Bereich Regenerative Energie zulegen
Wahlausgang sorgt für frischen Wind bei Umwelttiteln

Durch den Wahlsieg von Rot-Grün sind die Rahmenbedingungen für Anbieter alternativer Energien gesichert. Entsprechend euphorisch reagierte die Börse. Ob die hohen Wahlgewinne gehalten werden können, bleibt jedoch fraglich. Neue Energien bleiben daher eher eine langfristige Anlage.

DÜSSELDORF. Viele Politiker bezeichneten sich nach der Wahl als Gewinner. An der Börse fiel das Ergebnis eindeutiger aus: Umweltaktien profitierten mit hohen Kursgewinnen von der Wiederauflage von Rot-Grün. So gewannen die Papiere des Windparkbetreibers Plambeck über 20 Prozent auf 10,10 Euro. Die Aktie von Nordex stieg zwischenzeitlich über 30 Prozent.

"Die Erleichterung ist groß", fasst HSBC-Analyst Burkhard Sawazki die Stimmung am Markt zusammen. Äußerungen der Opposition über eine neue Energiepolitik hatten zu Spekulationen um das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geführt. Darin werden den Betreibern alternativer Energien feste Prämien zur Kostenerstattung garantiert - für die Branche eine wichtige Kalkulationsgrundlage.

Eine Verbesserung des Status Quo erscheint darüber hinaus jedoch nicht wahrscheinlich. Angesichts knapper Kassen werden kaum höhere Subventionen gezahlt werden, meint Sawazki. "Es gibt sogar Kräfte in der SPD, die für eine Senkung der Vergütungssätze für Windenergie plädieren", spekuliert er über eine mögliche Novellierung des EEG. Analyst Carsten Kunold von ING rechnet dagegen mit einer Beibehaltung des Gesetzes in der jetzigen Form und prognostiziert der Windenergie solide Wachstumsaussichten. Der Anteil von ca. 3 Prozent, den die Windenergie momentan am Gesamtmarkt hat, kann durchaus noch weiter gesteigert werden. Interessant seien sogenannte Offshore-Parks, d.h. ein Windrad-Park, der im Meer verankert sind.

Solarbranche: Von Subventionen abhängig

Noch ausgeprägter ist die Abhängigkeit vom EEG in der Solarindustrie. Da die Kosten der Stromerzeugung hier ungefähr achtmal so hoch wie bei der Windenergie sind, bleibt die Branche in weiten Teilen auf Subventionen angewiesen. Als der Wahlsieg von Rot-Grün endültig feststand, reagierten deshalb Aktien wie Solarworld oder Sunways mit zweistelligen Kursgewinnen.

Im Vergleich zur Windenergie gestaltet sich das Marktumfeld hier deutlich schwieriger, ist Patrick Hummel überzeugt: Solaranlagen würden momentan noch überwiegend in Privathaushalten eingesetzt. Hier hat die schwache Konjunktur zu einer spürbare Kaufzurückhaltung geführt. Die Branche würde in diesem Jahr rund 20 Prozent an Umsatz verlieren - trotz staatliche Förderungen wie dem 100 000-Dächer-Programm.

Auch bei Umweltaktien empfiehlt es sich daher nicht auf die Branche als solche zu setzen, sondern verstärkt nach aussichtsreichen Titeln zu suchen. Günstig bewertet scheint die Nordex-Aktie. 23 von 27 Analysten, die bei Bloomberg gelistet sind, empfehlen das Papier zum Kauf. "Das Unternehmen erzielt rund 40 Prozent des Umsatzes im Export und ist damit für künftige Wachstumsmärkte in Europa oder den USA gut aufgestellt", begründet Hummel seine Kaufempfehlung.

Neben Anlagenherstellern wie Nordex oder Repower, hat der Anleger natürlich noch die Möglichkeit auf alternative Stromerzeuger zu setzen. "Plambeck ist als Marktführer im Projektentwickler-Bereich sicher ein aussichtsreiche Wert", meint Henrik Lier von der WestLB Panmure. Das Unternehmen sei mit einem von 7 für 2002 und 6,5 für 2003 günstig bewertet und biete den psychologischen Vorteil, das es die selbstgesteckten Ziele bisher immer erfüllt habe.

Strittig bleibt jedoch, ob die gestrigen Kursgewinne nachhaltig bleiben. Während für Henrik Lier die gewonnene Planungssicherheit auch hohe Kursaufschläge rechtfertigt, sind andere skeptisch. "Wir glauben nicht, dass die Kursgewinne weiter so stark wachsen wie heute", denkt Marcus Rehm von Sal. Oppenheim. Sorgen um die US-Konjunktur und die Irak-Krise könnten die Wahlgewinne wieder aufzehren. Langfristig gibt es aber durchaus noch Phantasie - beispielsweise durch die geplanten Offshore-Projekte ab 2004/2005, meint Merck-Finck-Analyst Philip Bonhoeffer. Hier wie bei Solarwerten zeigt sich: Wer in nachhaltige Energien investiert, muss auch langfristig denken.

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