Sieg zur Saison-Rettung Pflicht
Rudis rosige Rechnung

Der Empfang bei der Landung auf den Färöer-Inseln war grau, kühl und windig - doch Rudi Völler malte die Aussichten der deutschen Fußball-Nationalspieler in rosigen Farben. Der Teamchef versprach 24 Stunden vor dem Duell gegen die Freizeit-Fußballer auf der atlantischen Inselgruppe einen versöhnlichen Saisonabschluss und zumindest eine Teil-Rehabilitation für das Gebolze gegen Schottland.

HB/dpa TORSHAVN. "Ich bin mehr als optimistisch, dass wir es gut erledigen", sagte der Teamchef. Mit einem Sieg beim Fußball-Zwerg wäre für Völler das gesamte Länderspiel-Jahr gerettet: "Dann haben wir unsere Hausaufgaben sicher erfüllt."

Jens Jeremies ließ gar keine Zweifel aufkommen, dass die Mannschaft dieser Forderung nachkommen wird: "Wir gewinnen klar", versprach der Mittelfeld-Rackerer für den Auftritt am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) im mit 6500 Zuschauern ausverkauften Stadion "Torsvöllur". Laut Wetterprognosen werden während der Partie, zu der auch rund 650 deutsche Schlachtenbummler angereist sind, reguläre Bedingungen herrschen. Bei der Ankunft am Dienstag prägte zwar eine dicke Wolkendecke das Bild, aber der gefürchtete Sturm entpuppte sich bei Temperaturen um zwölf Grad als steife Brise. Nach einem 75-minütigen Sonderflug von Glasgow nach Vagar und einer 50-Kilometer-Busfahrt über die malerische Hügellandschaft und durch einen Tunnel auf die Nachbarinsel Streymoy bezogen Völler & Co in der beschaulichen Hafenstadt Torshavn ihr Quartier - mit Blick auf das neue Stadion.

Für die Naturschönheiten hatte im DFB-Tross allerdings kaum jemand einen Blick. Völler ermahnte seine Spieler zudem bei der Mannschaftssitzung, sich nicht von den ungewohnten Rahmenbedingungen ablenken zu lassen. "Alle äußeren Dinge müssen wir wegstecken. Es darf nichts als Ausrede zählen", sagte der 43-Jährige.

Als Konsequenz aus dem ideenlosen 1:1 am Samstag in Glasgow plant Völler mindestens zwei personelle Änderungen, die das spielerische Element wiederbeleben sollen. Für den gesperrten Torsten Frings soll der dribbelstarke Bochumer Paul Freier auf der rechten Seite Druck machen. Im Angriff muss Miroslav Klose, dem in den letzten 13 Länderspielen nur ein Treffer gelungen war, seinen Platz vermutlich für den technisch versierteren Oliver Neuville räumen.

Während der Einsatz von Michael Ballack, dessen Wadenprobleme abgeklungen sind, gesichert ist, blieb bei Tobias Rau noch ein kleines Fragezeichen. Sollte der künftige Bayern-Profi, der sich gegen Schottland eine Knieprellung zugezogen hatte, ausfallen, wäre der Berliner Michael Hartmann erste Alternative. "Der qualitative Unterschied der einzelnen Spieler wird den Ausschlag geben", begründete Völler seine Zuversicht auf ein Erfolgserlebnis.

Doch ausgerechnet "Edel-Kritiker" Franz Beckenbauer stellte das Potenzial in den Reihen des Vize-Weltmeisters am Montag erneut in Frage. "Rennen und kämpfen können sie inzwischen überall - aber wir können nicht Fußball spielen, zumindest keinen hochklassigen", übermittelte der "Bild"-Kolumnist ins Mannschaftsquartier, wo Völler das "Kaiser-Urteil" als überzogen zurückwies: "Wir haben zwar eine gewisse Kritik verdient, aber Fakt ist auch, dass wir bei unserem schärfsten Rivalen Schottland gepunktet haben und Tabellenführer sind."

Bei einem Sieg geht die DFB-Auswahl mit einem Drei-Punkte- Vorsprung zur Elf des Ex-Bundestrainers Berti Vogts in die Sommerpause. "Wenn wir dieses Spiel gewinnen, machen wir einen Riesenschritt zur Qualifikation", meinte deshalb Kapitän Oliver Kahn, der in seinem 60. Länderspiel von seinen Vorderleuten einen selbstbewussten Auftritt einforderte: "Wir müssen unserer Stellung als Favorit gerecht werden. Da muss ich Profi genug sein, um damit umzugehen."

Damit hatte die DFB-Auswahl in den vergangenen Monaten jedoch erhebliche Probleme, so auch beim 2:1 im Hinspiel. Nur der Pfosten verhinderte in der Schlussphase eine Blamage gegen die Färöer. Auf den 18 Inseln zwischen Norwegen und Island leben nach der letzten offiziellen Zählung nur rund 47 000 Einwohner. Daraus aber hat der dänische Trainer Henrik Larsen eine Auswahl geformt, die die DFB - Spione vor allem durch ihr taktisches Geschick beeindruckt hat. "Ihre Stärke ist, dass sie die 4-4-2-Grundausrichtung perfekt beherrschen", sagte Völler.

Das Gros der Färöer-Nationalspieler gehört heimischen Vereinen an, die von Mai bis Oktober zwei bis drei Mal die Woche trainieren. Trotzdem seien sie sehr konditionsstark, urteilte Bundestrainer Michael Skibbe: "Man darf mit der Mär Schluss machen, dass der Gegner nach 60 Minuten körperlich abbaut."

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