Siegen oder fliegen
Favorit Argentinien fürchtet Frankreich-Schicksal

Die Angst im Nacken, das Schicksal Frankreichs vor Augen: Der Druck auf den großen WM-Favoriten Argentinien ist nach der 0:1-Niederlage gegen den Erzrivalen England so groß wie schon lange nicht mehr. Nur ein Sieg gegen Schweden am Mittwoch (8.30 Uhr MESZ/Premiere) in Miyagi bringt den Gauchos in der "Todesgruppe F" den so sicher geglaubten Einzug ins Achtelfinale.

dpa MIYAGI. Während im Land gezittert und gebetet wird, versucht Trainer Marcelo Bielsa seinen Schützlingen die Versagensangst zu nehmen. Statt harter Trainingseinheiten war in den vergangenen Tagen psychologische Arbeit gefragt, um Batistuta & Co. neues Selbstbewusstsein einzuimpfen.

Ungewohnt forsch kündigte der Coach im Hauptquartier J-Village ein Alles oder Nichts an: "Ich verschwende nicht einen einzigen Gedanken an eine Niederlage. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Argentinien weiter kommt", sagte Bielsa. "Wir haben das England-Spiel zu den Akten gelegt. Schweden ist ein Team, dass das ganze Feld besetzt und nicht mauert. So etwas liegt uns", begründete er seine Zuversicht. In der Abgeschiedenheit der Pazifikküste hatte der Coach bis zur letzten Sekunde mit der Abreise nach Miyagi gewartet. Das für den Abend vorgesehene Abschlusstraining strich er kurzfristig.

Doch so sicher, wie sich Bielsa gibt, ist er nicht. Das frühe WM- Aus des zweiten Top-Favoriten Frankreich hinterließ auch bei ihm Wirkung. Kurzzeitig ließ er sogar einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt zu: "Es ist das wichtigste Spiel meiner Trainerkarriere", entfuhr es dem 46-Jährigen. Auch sein Verwirrspiel um die Aufstellung verrät Unsicherheit. Wahrscheinlich ist er sich selbst noch nicht im Klaren, wer die entsprechende Siegermentalität in die Partie tragen kann. An Star-Kicker wie Juan Veron oder Diego Simeone scheint er indes nicht zu glauben. Im Training trug das Duo - wie auch der Leverkusener Diego Placente - schon das Leibchen der Reservisten.

Abzuwarten bleibt, in wieweit das vergebliche Warten auf Maradona die Stimmung beeinflusst. "Er ist eine Legende, er ist das größte Idol, was wir in Argentinien haben", hatte Pablo Aimar, der die Veron-Rolle übernehmen könnte, gesagt, als der WM-Champion von 1986 sein Kommen für das wichtige Spiel ankündigte. Doch die kurzfristige Absage des Superstars war der ohnehin angespannten Stimmung nicht zuträglich. Ob der in der Sportzeitung "Ole" veröffentlichte "Brief von Gott" über die Enttäuschung hinweg hilft, muss sich zeigen. Darin hatte Maradona getönt: "Ich bin bei Euch. Ich weiß, dass Ihr unsere blau-weiße Flagge hochhalten werdet wie ich es einst getan habe."

Die Schweden betrachten die Aktivitäten der Argentinier mit einem Lächeln. Die Außenseiter-Rolle in dieser Gruppe liegt ihnen. "Der Druck liegt auf Seiten des Kontrahenten. Von uns erwartet man nicht, dass wir weiterkommen. Aber jetzt, wo wir so dicht vor dem Achtelfinale stehen, wollen wir es natürlich auch perfekt machen. Aber wie immer das Spiel ausgeht: Wir haben bereits mehr erreicht, als man uns zugetraut hat", sagte Trainer Lars Lagerbäck.

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