Siegeszug der Digitalkameras zwingt zu neuen Angeboten
Preiskampf belastet Fotofachhandel

Drogerieketten haben im Bildermarkt einen heftigen Preiskampf entfacht. Händler reagieren und bieten Papierabzüge von digital geschossenen Bildern, um Digitalfotografen zu locken.

KÖLN. Preiswerte Dienstleistungen sollen Digitalfotografen hinter dem Computer hervorlocken und wieder zum Fotofachhändler führen.

Die Mehrzahl der Kunden ist unzufrieden mit den selber gemachten Ausdrucken ihrer Fotos. Die Qualität der Tintenstrahler sei zu schlecht und die richtige Einstellung von Drucker und Bildschirm zu umständlich, gaben die Fotoamateure bei einer von Kodak durchgeführten Befragung an. "Die Leute drücken zwar immer häufiger auf den Auslöser, aber im Schnitt kommen nur 20 % der Aufnahmen aufs Papier.", fasst Pierre Schaeffer, Kodak Vice President Digital & Applied Imaging, das ernüchternde Ergebnis zusammen.

Neben mangelnder Qualität verderben hohe Preise den Spaß am Selbermachen: Für gute Papierbilder benötigen die Digitalfotografen teure Spezialtinten und edles Fotopapier. Ein selbst gefertigter Ausdruck im Format 10 x 15 cm kostet im Schnitt stolze 0,50 Euro. Hingegen tobt im ohnehin krisengeplagten Einzelhandel ein heftiger Preiskampf um Papierabzüge. Führende Drogerie-Ketten werben in Sonderaktionen teilweise mit Schnäppchenpreisen von einem Cent pro Abzug, Nach Angaben des Bundesverbands Technik des Einzelhandels (BVT) in Köln entwickeln die Drogeriemärkte inzwischen 40 % aller Print-Abzüge. Die Fachhändler sind von knapp 30 auf 27 % zurückgefallen.

Händler und Fotolabore wittern nun trotz steigender Beliebtheit der digitalen Kameras ihre Chance auf das Geschäft mit den verloren geglaubten Kunden, die nur noch digital knipsen. Sie wollen den Digitalfotografen mit komfortablen Diensten, einwandfreier Druckqualität und günstigen Preisen wieder Lust aufs Papierbild machen: Statt eines Filmes trägt der Kunde seine Speicherkarte in den Fotoladen, wo der Händler die Daten auf eine CD-Rom oder auf den Server des Großlabors überspielt. Danach geht alles seinen gewohnten Gang: Das Labor fertigt die Abzüge und schickt sie an den Händler zurück. Die Ergebnisse sind mit knapp 20 Cent pro Abzug rund 60 % billiger als der Selbstdruck.

Mit einer Informationskampagne unter dem sperrigen Motto "Klasse-Photos-von-digital" wollen der Photoindustrie-Verband und der Bundesverband der Photo-Großlaboratorien die Nachfrage nach den Händlerdiensten ankurbeln. "Schon heute kann man bei über 2000 Händlern Abzüge von digitalen Schnappschüssen bestellen, bis zum kommenden Frühjahr erwarten wir bereits über 5000 Stellplätze in Deutschland, die einen Digitalservice anbieten," fasst Dieter Werkhausen, Vorsitzender des Photoindustrieverbands, die Erwartungen zusammen. Die Internetseite www.photos-von-digital.de unterstützt die Informationsoffensive mit einer Suchmaschine, die den nächstgelegenen Laden mit Digital-Service ermittelt.

Insgesamt erhoffen sich die Verbandsmanager bis zum Jahr 2005 eine Steigerung des Anteils der vom Fachhändler ausgedruckten Bilder von 10 auf 40 %.

Am Kuchen teilhaben wollen auch die Drogeriemärkte mit ihren konkurrenzlosen Billigangeboten. So installiert die Drogerie-Kette kd bereits die ersten Digitalstationen, die verschiedene Wechselspeicher auslesen können. Da sich die etablierten Fotounternehmen schon an diese mächtige Konkurrenz gewöhnt haben, beziehen sie diese in ihre Kampagne mit ein. "Letztendlich arbeiten alle Bildanbieter am selben Ziel wie wir: die digitale Fotografie einer möglichst breiten Zielgruppe zugänglich zu machen und das Bildergeschäft zu beleben," begründet Werkhausen die Umarmung.

Auch Michael Grütering, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Photo-Großlaboratorien, rechnet mit genügend Kunden für alle: "Die Nutzer von Digitalkameras drücken neuesten Umfragen zufolge vier Mal so oft auf den Auslöser wie die Nutzer analoger Kameras. Dies ist eine fantastische Basis für eine langfristige Sicherung des Bildermarktes in Deutschland." Denn im vergangenen Jahr betrug der Anteil der digitalen Fotos an den insgesamt 5,25 Milliarden angefertigten Abzügen nicht einmal 3 %.

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