Siegfried Weishaupt ist Chef und Mitinhaber der Max Weishaupt GmbH: Altmodisch und weltoffen

Siegfried Weishaupt ist Chef und Mitinhaber der Max Weishaupt GmbH
Altmodisch und weltoffen

Vieles macht er anders als andere. Er legt Wert auf alte Tugenden wie Verlässlichkeit. So führt Siegfreid Weishaupt seine Ölbrennerfirma ganz nach oben auf dem Weltmarkt - trotz Krise.

Ja, hier ist die Welt noch in Ordnung. Die Fabrikhallen sind so aufgeräumt und sauber, als würden gerade Fotos für eine Werbebroschüre produziert. Und den Schreibtisch des Chefs verschandelt kein Computermonitor, geschweige denn ein Notebook. "Wissen Sie, ich bin da etwas altmodisch, ich brauche das nicht", sagt Siegfried Weishaupt freundlich, aber bestimmt.

Der agile 64-Jährige, dem man sein Alter nicht ansieht, macht manches anders. So ist er dem Internet-Fieber nicht erlegen. "Ich bin Modewellen nie gefolgt", sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Max Weishaupt GmbH. Das glaubt man ihm sofort. Er ist der Typ Mittelständler, der unbeirrt und voller Energie seinen Weg geht.

Bislang mit Erfolg: Seit er vor 20 Jahren seinen Vater Max Weishaupt ablöste, hat er die kleine Firma aus Schwendi südlich von Ulm zu einem großen Hersteller von Öl-, Gasbrennern und Heizsystemen für Haushalte und Großfeuerungsanlagen gemacht und in die Spitzengruppe auf dem Weltmarkt geführt. Und das mit Eigenentwicklungen und fast ohne Übernahmen. Trotz Wirtschaftsflaute hält er die Firma weiter auf Wachstumskurs.

Und die Geschäftszahlen? "Da brauche ich meine Unterlagen, damit ich nichts Falsches sage." Der Chef schickt aber keine Sekretärin los, um das Zahlenwerk zu holen. Nein, er läuft selbst los und kehrt mit einem Ordner zurück: weltweit 3 000 Mitarbeiter, 342 Millionen Euro Umsatz. Den Gewinn nennt er nicht. "Das ist aber keine Geheimnistuerei", verteidigt sich der Familienunternehmer, der stets voll konzentriert und angespannt wirkt.

Von Kenngrößen wie Ebit und Ebitda hält Weishaupt nicht viel - der mit dem Autor nicht verwandt ist. Die seien nicht so aussagefähig wie der Cash-Flow, der über zehn Prozent liege, "etwas niedriger als üblich, weil wir viel investiert haben". Investiert hat er aber nicht etwa in Fernost. Da gibt es keine Weishaupt-Fabriken. Die liegen nur in Deutschland und der Schweiz, "um die hohe Qualität zu garantieren".

Außerdem lässt sich der rastlose Perfektionist, wie ihn ein Freund beschreibt, den Vertrieb einiges kosten. Die Auslandstöchter residieren nur in firmeneigenen Immobilien. "Wir wollen Sicherheit und Solidität vermitteln." Und während Konzerne auslagern, was sie auslagern können, leistet sich der Mittelständler einen eigenen Fuhrpark mit über 1 000 Autos. "Die Qualität und die Zuverlässigkeit unseres Service sind wichtig für unser Geschäft." Dafür sind die Produkte der 70 Jahre alten Firma nicht gerade billig.

Verlässlichkeit und Konsequenz ziehen sich durch sein Leben wie ein roter Faden: Er wusste früh, dass er den Familienbetrieb übernehmen würde. Also studiert er Maschinenbau und fängt gleich in der väterlichen Firma an. Klar, dass er in erster Ehe verheiratet ist, viele alte Freunde hat und seine Hobbys seit der Jugendzeit pflegt: das Klavierspiel und die Kunst.

Das Klavierspiel findet mehr im Verborgenen statt. Seiner Leidenschaft als Sammler moderner Kunst kann hingegen niemand entgehen, der die Zentrale in Schwendi besucht. Da kann sich der Unternehmer, der nicht unnahbar ist, aber immer auf Distanz achtet, regelrecht begeistern. Der Besuchertisch in seinem Büro ist voll mit Bildbänden und Museumskatalogen. Dort, in den Fluren und in einer Ausstellungshalle - überall hängen Originale von Künstlern wie Günter Uecker, Andy Warhol oder Mark Rothko.

Siegfried Weishaupt ist zwar weltoffen und modern, aber auch bodenständig und der Tradition verpflichtet. So erhält er einen alten Kinosaal in Schwendi und kümmert sich ehrenamtlich um die Geschichte und Kultur Oberschwabens. Andererseits hat er den New Yorker Stararchitekten Richard Meier ein Schulungszentrum bauen lassen. Und mit Frau, zwei Söhnen und einer Tochter wohnt er nicht etwa in einer gutbürgerlichen Villa, sondern in einer sachlich eingerichteten Penthouse-Wohnung.

Was hält er von modernen Führungsprinzipien? "Ich höre schon auf meine Mitarbeiter", sagt er und fügt hinzu, "aber, ich muss entscheiden, klar". Er delegiere auch viel Arbeit, sagt er. Das relativiert jedoch ein alter Freund. Der Firmenchef kümmere sich gerne auch um Details, sagt Hubert Locher. "In der Hauszeitschrift ging das sogar bis zur Bildunterschrift."

An Ruhestand denkt Weishaupt noch nicht, der die Mehrheit der Firmenanteile hält; die anderen gehören zwei weiteren Familienstämmen. Einen Plan für die Nachfolge gebe es nicht. "Ich habe die Absicht, die Firma noch einige Jahre zu lenken", sagt er - und niemand widerspricht. Wer sollte auch? Ja, in Schwendi ist die Welt noch in Ordnung.

Quelle: Handelsblatt

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