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Siegreiche Bayern haben Kritik satt

Der FC Bayern München hat es gründlich satt, der Prügelknabe der deutschen Fußball-Nation zu sein.

dpa BOCHUM. Der FC Bayern München hat es gründlich satt, der Prügelknabe der deutschen Fußball-Nation zu sein.

"Wir müssen jedes Spiel super nach vorne spielen, schön spielen und 100 Tore schießen", reagierte Bayern-Chefcoach Felix Magath verärgert auf die Kritik nach dem nicht berauschenden 3:1-Erfolg beim VfL Bochum. "Sie verlangen immer das Maximale. Das tut mir leid, das kann auch der FC Bayern nicht liefern."

Immerhin sei man in der Bundesliga als Tabellen-Zweiter, in der Champions League und als Viertelfinalist des DFB-Pokals vorne dabei. "Solche Spiele zeichnet ein Spitzenteam aus. Wir können nicht immer 90 Minuten auf Teufel komm 'raus auf Sieg spielen", meinte Magath.

Im Gegensatz zum angefressenen, aber moderaten Magath hatte Manager Uli Hoeneß im Live-Interview mit dem TV-Sender "Premiere" völlig die Contenance verloren. "Wenn wir jetzt schon so weit sind, dass wir 3:1-Siege auswärts rechtfertigen müssen, dann müssen wir aufhören", schimpfte Hoeneß und fuhr völlig außer sich fort: "Wir sind kurz vor der Tabellenspitze. Der nächste Schritt ist, dass wir vorne sind, und dann wollen wir endlich mal zufrieden sein, auch Sie."

Das Bayern-Imperium schlug zwar zurück, war aber im mit 32 645 Zuschauern ausverkauften Ruhrstadion 70 Minuten lang alles andere als eine große Fußball-Macht. Erst nach dem Führungstreffer der Bochumer durch Vratislav Lokvenc (65.) brachte der erst 20 Jahre alte Peruaner José Paolo Guerrero mit seinem zwei Treffern (77./81.) die Wende, die durch das Eigentor von Christoph Preuß (82.) zum 1:3 komplettiert wurde. Es war allerdings ein durch Fortuna begünstigter Umschwung: Guerreros erstes Tor wurde abgefälscht, das zweite erzielte er aus Abseitsposition.

"Die Saison ist wie verhext", sagte VfL-Kapitän Dariusz Wosz zu dieser unglücklichen Serie von Gegentoren, schöpfte aber Zuversicht für den weiteren Abstiegskampf des Bundesliga-16.: "An unserem Spiel heute konnte man erkennen, dass wir trotz der Tabellensituation nicht den Kopf verloren haben." Für Trainer Peter Neururer war es eine "zukunftsorientierende Leistung", die er mit "ordentlich bis gut" benotete: "Die Spielleistung der Mannschaft sollte ausreichen, um in Mainz wieder in die Erfolgsspur zu kommen."

Während der VfL Bochum nur drei Punkte vom Tabellenende entfernt ist, trennt den FC Bayern nur noch ein Zähler von Spitzenreiter VfL Wolfsburg und vom Comeback auf Platz 1. Dort standen die Münchner zuletzt am 24. Mai 2003, als sie zum 18. Mal Meister wurden. Für Hoeneß ist es nun keine Frage mehr, dass der 19. Titel wieder an die Isar geholt wird: "Wir haben gute Aussichten. Wenn wir es nicht schaffen, müssen wir uns einseifen lassen."

Auf den Weg dahin könnte das neue Bayern-Talent Guerrero, der erst zum dritten Mal in der Bundesliga zum Einsatz kam, dazu einiges beitragen. "Er hat sich mit seinen beiden Toren und der Art und Weise, wie er gespielt hat, für weitere Einsätze empfohlen", sagte Magath über den Newcomer. In der vergangenen Saison spielte er noch in der Amateurmannschaft und ist erst im September von einen Innenbandriss genesen. "Ich habe zwei Tore gemacht und bin zufrieden. Jetzt muss ich aber weiter arbeiten", meinte Guerrero bescheiden.

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