Siegried Hofreiter über Argrarinvestitionen
„Der Preistrend nach oben setzt sich fort“

Siegfried Hofreiter ist Vorstandschef der auf Flächenbewirtschaftung spezialisierten KTG Agrar AG, die rund 17 000 Hektar Land verwaltet. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er unter anderem über die Konkurrenz der Finanzwirtschaft, darüber welche Preistrends er in Deutschland erwartet und wie sich der Markt im Ausland entwickelt hat.

Herr Hofreiter, landwirtschaftliche Großbetriebe wie KTG Agrar stoßen beim Kauf von Agrarland inzwischen verstärkt auf die Konkurrenz der Finanzwirtschaft. Welche Auswirkungen hat das für Sie?

In der Tat investiert inzwischen nicht nur die Landwirtschaft in agrarische Nutzflächen. Die branchenfremde Nachfrage der Finanzwirtschaft treibt die in Deutschland jahrzehntelang im Abwärtstrend befindlichen Preise seit Kurzem kräftig in die Höhe.

Was aber fangen Finanzinstitute mit Farmland an?

Viele Banken und Fondsgesellschaften sehen darin ein inflationssicheres Investment. Wer sich eine landwirtschaftlich nutzbare Fläche zu einem Preis von angenommen 8 000 Euro je Hektar kauft und sie dann an einen Agrarbetrieb für 320 Euro je Hektar vermietet, erwirtschaftet damit eine sichere Rendite von vier Prozent. Das scheint für viele Finanzinstitute im aktuellen Niedrigzins-Umfeld interessant zu sein.

Was sind die größten Herausforderungen beim Erwerb von Farmland?

Ich glaube, die Banken haben inzwischen erkannt, dass das Feld für sie gar nicht so einfach zu bestellen ist. Wenn man nicht die Sprache der Leute auf dem Lande spricht, gelingt es einem nur schwer, für Bodenfonds Flächen zu akquirieren. Wir sprechen in diesem Zusammenhang immer davon, dass Landwirtschaft Heimat braucht.

Warum dies?

Es kann nicht nur um die heroische Aufgabe gehen, Geld einzusammeln und damit Agrarland zu kaufen. Wesentlich wichtiger ist die Nutzung. Gerade im Osten unserer Republik wird immer stärker auch darauf geachtet, dass die Agrarflächen letztlich auch vernünftig bewirtschaftet werden.

Wie haben sich die Preise in den vergangenen Jahren entwickelt?

Nach dem starken Rückgang über viele Jahre haben die Preise in den Jahren 2005 und 2006 einen Boden gefunden. Im vergangenen Jahr kam es vor allem in Ostdeutschland zu einem starken Anstieg.

Welchen Preistrend erwarten Sie in Deutschland?

In Westdeutschland stagnieren die Preise auf hohem Niveau zwischen 17 500 und 20 000 Euro je nach Region. Für Ostdeutschland erwarte ich, dass es im Zeitraum von 2005 bis 2010 zu einer Verdoppelung der Preise kommen wird. Das bedeutet allerdings, dass die Preise im Osten auch dann noch unter dem Westniveau liegen werden.

Sie sind auch im Ausland aktiv. Wie hat sich der Markt dort entwickelt?

Ich kann über Litauen sprechen, wo wir vor drei Jahren mit dem Kauf von Flächen und dem Anbau von Feldfrüchten begonnen haben und inzwischen der größte ausländische Farmlandbesitzer sind. Hier haben wir im Jahr 2004 rund 1 000 Euro, im Jahr 2006 dann 1 500 Euro und im vergangenen Jahr bereits 2 500 Euro pro Hektar bezahlt. Dieser Preistrend dürfte sich fortsetzen.

Wie sieht es in den anderen Ländern Osteuropas aus?

Dort ist es meist sehr schwierig, als Ausländer landwirtschaftliche Nutzflächen zu erwerben. Die Regierungen wollen sich offensichtlich vor einem Ausverkauf schützen. Interessant dürfte Polen sein, wo es vor drei Jahren eine erste Lockerung der Beschränkungen gab. Auch die Ukraine ist wegen der klimatischen Bedingungen interessant.

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