Siemens äußert sich bisher nicht
Adtranz bestätigt Schadenersatzgespräche mit Bahn

vwd BERLIN/MÜNCHEN. Die DaimlerChrysler Rail Systems GmbH (Adtranz), Berlin, hat bestätigt, dass es Gespräche mit der Deutschen Bahn AG, Bonn, über Schadenersatz für nicht qualitätsgerecht ausgelieferte Produkte gibt. Dagegegen wollte die Siemens AG, München, entsprechende Presseberichte am Mittwoch weder bestätigen noch dementieren. Bei Adtranz wurde die kursierende Höhe der Forderungen von 200 Mill. DM von einem Sprecher jedoch als reine Spekulation bezeichnet. "Adtranz und andere Hersteller sind permanent in Gesprächen über diese technischen, rechtlichen und finanziellen Probleme", sagte Hans-Christian Maaß, Leiter Public Relations bei Adtranz, in Berlin.

Allerdings seien diese Gespräche noch nicht abgeschlossen, so dass über die höhe eines möglichen Schadenersatzes noch keine Angaben gemacht werden könnten. Die "Frankfurter Rundschau" hatte in ihrer Mittwochausgabe berichtet, die Bahn fordere von Adtranz, Bombardier/DWA und Siemens insgesamt 500 Mill. DM, wovon alleine auf ADtranz 200 Mill. DM für die Pannen beim Einsatz des Neigezuges VT 611 entfielen. Bombardier lehnte einen Kommentar ebenfalls ab. Ein Siemens-Sprecher sagte, die Gespräche mit der Bahn bezögen sich auf Lieferungen aus der Umbruchphase von Deutscher Bahn AG und Bahnindustrie in den Jahren 1995 und 1996.

In dieser Phase hat Adtranz nach Angaben ihres Sprechers die neue Herausforderung unterschätzt, ein Produkt selbständig und nicht wie bisher ausschließlich nach den Vorgaben der Bundesbahn zu entwickeln. Zudem seien die neuen Züge aus wirtschaftlichen Gründen sofort in Betrieb gesetzt und nicht, wie bis dahin üblich, von der Bahn einem Langzeittest unterzogen worden. Die Erprobung durch den Kunden sei eine schmerzliche Erfahrung für das Unternehmen gewesen. Unterdessen hat sich in der Bahnindustrie nach Aussage des Adtranz-Sprechers diesbezüglich ein Wandel vollzogen. Manche Tests könnten inzwischen vom Computer simuliert werden.

Für den am Mittwoch auf der Fachmesse Innotrans vorgestellten neuen Regionalzug INTINO habe Adtranz zwei schwedische Testkunden (launching customer) gefunden, die die Züge 2002 zu Sonderkonditionen in Betrieb nehmen werden. Für gewisse Irritationen zwischen der Deutschen Bahn AG und ihren Zulieferern hatten vor Eröffnung der Innotrans Äußerungen des Vorsitzenden des Verbandes der Bahnindustrie gesorgt, der die Bahn zu einer größeren Kontinuität bei den Bestellungen aufgefordert hatte. Gerade klein- und mittelständische Unternehmen könnten keine Auftrags-"Achterbahn" gebrauchen. Von einem Quasi-Monopolisten wie der DB AG sei etwas mehr Berechenbarkeit zu erwarten.

Ein Sprecher der Siemens Verkehrstechnik in München sagte auf vwd-Anfrage, er werde die Aussagen "unseres Kunden Deutsche Bahn nicht dementieren". Er könne lediglich bestätigen, dass es in letzter Zeit immer wieder Gespräche mit der Bahn AG zum Thema Verbesserungen in Bezug auf einige neue Fahrzeugfamilien der Industriekonsortien gegeben habe. Es sei aber ganz natürlich, mit dem Kunden über Verbesserungen zu sprechen. Ob es bei den Gesprächen nur um das Thema Schadensersatz ging, könne er nicht sagen. Er habe weder davon, noch von konkreten Zahlen über Schadensersatzforderungen Kenntnis.

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