Siemens an Zukäufen interessiert
Siemens rüstet sich mit Milliarden-Anleihe für Zukäufe

Mit einer unerwarteten Milliarden-Anleihe rüstet sich der Siemens-Konzern für mögliche Zukäufe. Konkrete Pläne für eine Übernahme gebe es aber nicht. "Der Erlös aus der Emission wird für allgemeine Unternehmenszwecke genutzt und zur Stärkung der finanziellen Flexibilität von Siemens verwendet", teilte der Münchner Industriekonzern am Donnerstag mit.

Reuters MÜNCHEN. Marktspekulationen über mögliche konkrete Übernahmeprojekte trat Siemens entgegen. "Wenn hier Spekulationen angestellt werden, kann ich sagen: Nein, es gibt keinen aktuellen Bezug", sagte ein Sprecher. Der Konzern erklärte, mit der Wandelanleihe über 2,5 Mrd. Euro wolle er von den derzeit niedrigen Zinsen und der hohen Volatilität an den Kapitalmärkten profitieren. Beides ist günstig für den Emittenten einer Wandelanleihe, bei der Schulden in Aktien zurückgezahlt werden können.

Hinter der Transaktion stecke kein konkreter Übernahmeplan, hieß es auch in Branchenkreisen. Siemens nutze vielmehr die günstigen Marktbedingungen. Allerdings könnten sich in den sieben Jahren Laufzeit der Anleihe verschiedene Chancen ergeben. Die Siemens-Aktie kam an der Frankfurter Börse unter Druck und verlor bis zum Nachmittag 2,4 Prozent auf 38,47 Euro. Händler begründeten den Kursrückgang mit der erwarteten Gewinnverwässerung durch die Ausgabe junger Aktien zur Rückzahlung der Anleihe.

Morgan Stanley und UBS betreuen die Emission

Betreut werde die Emission von Morgan Stanley und UBS, teilte das Unternehmen mit. Zielgruppe seien institutionelle Investoren außerhalb der USA. Das Papier werde von einer niederländischen Finanztochter von Siemens begeben und vom Konzern selbst garantiert. Die Anleihe sei wandelbar in rund 45 Millionen Siemens-Aktien aus genehmigten Kapital. Dies entspricht rund fünf Prozent der aktuellen Aktienzahl des Konzerns. Der Kupon der zu 100 Prozent (Par) ausgegebenen Anleihe wurde am Nachmittag mit 1,375 Prozent festgesetzt, die Wandelprämie soll 46 Prozent betragen.

Moody's gibt der Anleihe ihre viertbeste Note

Die Ratingagentur Moody's gab der Anleihe ihre viertbeste Note "AA3" mit einem negativen Ausblick für das Rating.In der Einstufung spiegelten sich die großen, diversifizierten Geschäftsfelder des Konzerns mit der Marktführerschaft in zahlreichen Bereichen wider, teilte Moody's in London mit. Die Ratingagentur erwarte eine verstärkte Konzentration von Siemens auf Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit bei den Kosten. Auch gehe Moody's davon aus, dass das Management sich einer soliden Bilanzierung und einer starken Liquiditätsposition verpflichtet fühle.

Analysten halten Emissionszeitpunkt für nachvollziehbar

Analysten sagten, der Zeitpunkt der Emission sei angesichts der günstigen Marktbedingungen nachvollziehbar. Allerdings sei die Erläuterung "für allgemeine Unternehmenszwecke" ein bisschen dünn, sagte Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck: "Ich weiß nicht, ob das dem Markt ausreicht." Andererseits sei es ziemlich eindeutig, dass Siemens mit der Anleihe die günstigen Marktbedingungen ausnütze. Auch Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz sprach von einem ganz normalen Geschäft. "Rückschlüsse auf den Zweck lässt dies nicht zu".

Siemens an Zukäufen interessiert

Erst bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Ende April hatte Siemens bestätigt, offen für günstige Kaufgelegenheiten zu sein. "Wir schauen uns alles an, was zum Verkauf gestellt wird, ob es bei uns reinpasst", hatte Konzernchef Heinrich von Pierer gesagt. Dafür sei sicher noch Spielraum in der Bilanz. Siemens ist für solche Zwecke gut mit Barmitteln ausgestattet, während Konkurrenten wie die französische Alstom oder kleinere Technologieunternehmen der New Economy ihre Bilanzen mit Verkäufen sanieren müssen. Zuletzt hatte Siemens im April den Kauf einer Turbinentochter von Alstom bekannt gegeben. Presseberichte, auch über die Bahnsparte von Alstom gebe es Kaufverhandlungen, hatte Siemens in der vergangenen Woche dementiert. Analysten sagten, Alstom habe noch andere für Siemens interessante Sparten, etwa die Stromübertragung.

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