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Siemens-Einigung: Möglicher Pilotcharakter kostenloser Mehrarbeit umstrittenDPA-Datum: 2004-06-27 14:36:46

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der mögliche Pilotcharakter der kostenlosen Mehrarbeit beim Siemens-Konzern < SIE.ETR > für andere Unternehmen ist umstritten. Nach der Einigung mit Siemens auf längere Arbeitszeit bei gleichem Lohn für mehr als 4.000 Beschäftigte in Bocholt und Kamp- Lintfort wolle die IG Metall einen Dammbruch vermeiden, sagte der Siemens-Beauftragte der IG Metall, Wolfgang Müller der dpa. "Natürlich weckt das Begehrlichkeiten bei anderen Unternehmen." Die IG Metall werde sich dagegen aber sperren.

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der mögliche Pilotcharakter der kostenlosen Mehrarbeit beim Siemens-Konzern < SIE.ETR > für andere Unternehmen ist umstritten. Nach der Einigung mit Siemens auf längere Arbeitszeit bei gleichem Lohn für mehr als 4.000 Beschäftigte in Bocholt und Kamp- Lintfort wolle die IG Metall einen Dammbruch vermeiden, sagte der Siemens-Beauftragte der IG Metall, Wolfgang Müller der dpa. "Natürlich weckt das Begehrlichkeiten bei anderen Unternehmen." Die IG Metall werde sich dagegen aber sperren.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte dagegen, die Deutschen müssten bereit sein, nach dem Beispiel von Siemens auch ohne zusätzlichen Lohn mehr zu arbeiten. "Flexible Lösungen für eine gewisse Mehrarbeit sind eines der wirksamsten Mittel, um die Abwanderung von tausend Arbeitsplätzen täglich aus Deutschland zu stoppen."

Im Rahmen der Einigung für die Telefon-Fertigung in Bocholt und Kamp-Lintfort verzichtet Siemens vorerst auf die Verlagerung von 2000 Arbeitsplätzen ins Ausland. Die Beschäftigten müssen dafür ohne mehr Lohn länger arbeiten und möglicherweise auf Zuschläge verzichten. "Uns war klar, dass wir eine bittere Pille schlucken müssen", sagte Müller. Die Situation bei der Telefonfertigung sei aber nicht mit anderen Siemens-Bereichen oder mit anderen Unternehmen vergleichbar. Siemens verdiene mit der Handy-Fertigung kein Geld. Zudem finde die Massenfertigung von elektronischen Artikeln ansonsten kaum noch in Deutschland statt. Daher sei man zu Zugeständnissen verpflichtet gewesen. "Bei dem Erpressungspotenzial ging nichts anderes." In der Autoindustrie sähen die Kräfteverhältnis schon anders aus.

RISIKO EINGEHEN

Der Siemens-Beauftragte der Gewerkschaft sieht die Gefahr, dass der Konzern die Zugeständnisse durchgesetzt hat, aber in zwei Jahren die Fertigung trotzdem nach Ungarn verlagert. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Beschäftigten, die jetzt verzichten, am Ende als Deppen da stehen." Dieses Risiko müsse man aber eingehen.

Stoiber kündigte in einem dpa-Gespräch an, die Union werde im Fall eines Sieges bei der Bundestagswahl 2006 das Tarifvertragsgesetz so ändern, dass es eine klare Grundlage für betriebliche Bündnisse für Arbeit schafft. Die Vereinbarung zwischen Siemens und IG Metall sei ein "positives Signal für ganz Deutschland". Der CSU-Chef appellierte an die deutsche Wirtschaft, dem Beispiel von Siemens zu folgen. "Leider gehen viel zu viele Unternehmer den leichteren Weg und verlagern Arbeitsplätze ins Ausland, weil sie die Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften scheuen."

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