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Siemens erwägt Zukäufe für Netzwerk-Sparte

Wachstumschancen sieht Vorstandsmitglied Jung vor allem auf dem Gebiet des Breitbandzuganges, auf dem Siemens innerhalb der nächsten drei Jahre unter die drei größten Anbieter kommen will.

Reuters MÜNCHEN. Der Technologie-Konzern Siemens erwägt Zukäufe für seine Netzwerk-Sparte Information and Communication Networks (ICN). "Im Bereich Breitbandzugang gibt es die Möglichkeit, dass wir etwas zukaufen, bei optischen Netzen ist das auch möglich", sagte Vorstandsmitglied Volker Jung am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei seien vor allem amerikanische und israelische Unternehmen interessant. "ICN hat einige Unternehmen in der Pipeline", sagte Jung, ohne weitere Details zu nennen. Siemens werde seine US-Tochter Unisphere (IP-Routing) in der ersten Hälfte 2001 an die Börse bringen. Bei der Tochter Optisphere (optische Netzwerke) sei eine Entscheidung über ein Listing dagegen noch nicht gefallen.

Wachstumschancen sieht Jung vor allem auf dem Gebiet Breitbandzugang, auf dem Siemens innerhalb der nächsten drei Jahr unter die drei größten Anbieter kommen will. "Hier steckt das Volumen, aber wir brauchen auch die Technologie der optischen Netzwerke", sagte Jung. Optisphere habe seine Umsätze im Geschäftsjahr 1999/2000 (zum 30. September) auf 250 Mill. Euro versechsfacht. Der Markt wachse dagegen jährlich rund 35 %. Beim Breitbandzugang hat Siemens 99/00 den Angaben zufolge rund 120 000 ADSL-Leitungen verkauft, zwanzigmal mehr als im Vorjahr. Der Markt wachse dagegen jährlich um 30 %.



Zukäufe könne Siemens nicht bezahlen

Ob die Netzwerk-Tochter, wie Unisphere, in den USA an die Börse gebracht werde, sei noch nicht entschieden, sagte Jung. Als Akquisitionswährung brauche Siemens die Aktien jedenfalls nicht. Mögliche Zukäufe könne Siemens bei der momentanen Marktlage auch in bar bezahlen.

Bei Netzen für den GSM-Mobilfunkstandard ist Siemens nach eigenen Angaben weltweit drittgrößter Anbieter und will diesen Rang auch beim Aufbau der UMTS-Netze für den Mobilfunkstandard der nächsten Generation halten. Marktführer ist die schwedische Ericsson mit einem Anteil 35 %.



Vorfinanzierung durch Lieferantenkredite steht für den Konzern außer Frage

Aufträge für den Bau von UMTS-Netzen, mit denen die Übertragung von Internet-Anwendungen wie Bilder und Musik auf Mobiltelefone möglich wird, werde Siemens aber nicht um jeden Preis zu akquirieren versuchen, sagte Jung. Eine Vorfinanzierung durch Lieferantenkredite, durch die Telefongesellschaften teure Bankdarlehen umgehen wollten, käme für Siemens nur unter bestimmten Voraussetzungen in Frage. Andere Technologiekonzerne seien da aggressiver und gingen solche Vereinbarungen ein, um Aufträge zu gewinnen. Vor allem US-Netzanbieter würden Finanzierungen von bis zu 300 % des Auftragsvolumens anbieten.

"Die Amerikaner haben entdeckt, dass sie in Europa sein wollen und kaufen Aufträge", sagte Jung. "Wir wollen lieber wenige Aufträge, aber von Betreibern, die uns nicht dazu zwingen, das auch noch zu finanzieren."

Die erheblichen Kosten für den Erwerb einer UMTS-Lizenz durch Versteigerungen wie in Großbritannien und Deutschland würden die Mobilfunkbetreiber außerdem erheblich belasten, fügte er hinzu. Vor allem kleinere Telefongesellschaften könnten die finanziellen Belastungen vielleicht nicht verkraften. "Manche von diesen Betreibern werden nicht überleben." In Deutschland haben die Mobilfunkbetreiber acht Mrd. Euro für eine UMTS-Lizenz bezahlt. Der Aufbau eines kompletten UMTS-Netzes in Deutschland kostet Schätzungen zufolge noch einmal vier Mrd. Euro.

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