Siemens-Familie legt an der Börse wieder zu
Siemens-Familie stoppt Talfahrt

Die Aktien von Siemens, Infineon und Epcos haben in den vergangenen Tagen wieder zugelegt - trotz der schlechten Zahlen, welche die Siemens-Familie in der vergangenen Woche präsentiert hat. Analysten zeigen sich noch skeptisch, ob schon der Boden für einer andauernde Kurserholung gelegt ist.

FRANKFURT/M. Der Familienausflug ins Kurstal des Dax ist vorerst beendet - mit den Aktienkursen des Technologiekonzerns Siemens, des Chipherstellers Infineon und des Bauelemente-Produzenten Epcos geht es wieder aufwärts. Seit Jahresbeginn hatten die Papiere von Siemens fast 40 %, die von Infineon über 30 % und der Epcos-Kurs um rund 45 % verloren. Dazu kamen in der vergangenen Woche schlechte Zahlen: Unerwartet meldete Vorstandschef Heinrich von Pierer am Mittwoch einen operativen Verlust für das dritte Quartal. Am Montag hatte Tochter Infineon bereits einen Quartalsverlust von knapp 600 Mill. Euro bekannt gegeben. Und am Donnerstag setzte Epcos noch eins drauf, und meldete ein gegenüber dem Vorjahresquartal um 63 % gesunkenes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit).

Doch nun sind die Kurse der Siemens-Familie wieder obenauf. Nach seinem Jahrestief von 56,90 ? am 24. Juli steht Siemens nun bei rund 63 ?, Infineon notiert bei rund 29 ? nach dem Tief von 24,70 ? am 10. Juli. Und Epcos hat von 48,60 ? am 26. Juli auf rund 53 ? zugelegt. Wie lassen sich diese Kursgewinne angesichts der schlechten Zahlen erklären?

Das Schlimmste ist überstanden

"Grundsätzlich hat sich bei Anlegern wohl die Ansicht verbreitet, dass die Unternehmen nun das Schlimmste überstanden haben", sagt Theo Kitz von Merck Finck. Viele Investoren sähen die Kurse nun trotz der schlechten Zahlen als Schnäppchen. Für Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim basieren die Kursgewinne auf der Hoffnung, dass sich die Halbleiterindustrie im 4. Quartal erholen wird.

Bei Siemens sei "positiv zu werten, dass das Management nun schnell agiert", sagt Holger Schmidt von ING Barings. Nach der Präsentation der schlechten Zahlen hat Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer den für den Bereich Netzwerke zuständigen Vorstand Roland Koch entlassen und harte Sanierungsmaßnahmen angekündigt. ING Barings hat die Aktie auf "halten" gestuft. "Wir sehen kein großes Abwärtspotenzial mehr", sagt Schmidt. Langfristig orientierte Anleger könnten nun anfangen, bei Siemens Positionen aufzubauen.

Siemens hat Rückstand auf die Konkurrenz

Kitz hingegen ist weniger optimistisch. Im Bereich Netzwerke (ICN) habe Siemens einen großen Rückstand auf die Konkurrenz. Laut Kitz kann dieser nur mit Hilfe einer großen Übernahme aufgeholt werden - doch dies wolle Vorstandschef von Pierer wohl nicht. Außerdem dauere es wohl Monate, bis das neue ICN-Management unter Thomas Ganswindt eine Strategie ausgearbeitet habe, sagt Kitz. Er hat die Aktie auf "Underperformer" gestuft, ein Kursziel nennt er nicht.

Auch könne das Siemens-Ergebnis weiter durch schlechte Infineon-Zahlen belastet werden, sagt Kitz. Der Konzern hält noch knapp über 50 % der Anteile an dem Chiphersteller. Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher will nun die Kosten senken und 5 000 von weltweit 34 600 Arbeitsplätzen streichen. "Die Entlassungen kommen etwas spät", sagt Kitz. Nun bestehe durchaus das Risiko, dass sich der Halbleitermarkt wieder erhole - und der Konzern Leute entlasse, "die er im 2. Halbjahr 2002 schon wieder brauchen könnte". Die Aktie stuft er als neutral ein. Auch Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim geht davon aus, dass sich das Infineon-Papier "stabil" entwickelt". Das Kursziel gibt er auf Sicht von 6 Monaten mit 30 ? an. Seiner Ansicht hat die Aktie bessere Aussichten als das Papier von Epcos, für das er ein Kursziel von 48 ? ausgibt. Auch ING-Experte Schmidt ist für diese Aktie nicht zuversichtlich. Epcos habe große Probleme mit dem Preisdruck, der von seinen Hauptkunden Siemens und Nokia ausgehe. Diese versuchten, beim Einkauf Geld zu sparen. Ein weiteres großes Problem sei die niedrige Kapazitätsauslastung, die z.B. im Bereich Oberflächenwellenfilter auf 40 % zurückgegangen sei. Es könne noch gut ein Jahr dauern, bis diese wieder auf einem "normalen" Niveau von 80 % liege. Waren die Kursgewinne der Siemens-Familie also nur ein Strohfeuer? So weit wollen die Analysten nicht gehen. Trotz seiner kritischen Haltung sei er "immer wachsam", sagt Kitz. Im schnelllebigen Technologiesektor "könnten die Kursgewinne auch der Anfang einer längeren Erholung sein."

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