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Siemens investiert kräftig in Internet-Vernetzung

Der Münchener Siemens-Konzern will mit Investitionen von zunächst rund einer Milliarde Euro die Internet-Vernetzung des Konzerns vorantreiben.

Reuters/dpa MÜNCHEN. Vom Einkauf bis zur Vermarktung, Entwicklung und Controlling würden künftig alle Prozesse elektronisch ablaufen, erläuterte Siemenschef Heinrich von Pierer am Dienstag in München. Alle 440 000 Siemens-Mitarbeiter sollten einen Zugang zum Internet erhalten. Die Kosten würden sich durch die Internet-Investitionen ebenfalls um mindestens 1 Mrd. Euro verbessern. Dadurch ergäben sich auch Potenziale für eine bessere Marge, sagte von Pierer.



Produktionsschub erwartet

"E-Business macht Siemens zu einem anderen Unternehmen. Wir stellen unser gesamtes Geschäft auf eine neue Grundlage", sagte der Siemens-Chef. Er erwarte einen beachtlichen Produktivitätsschub sowie eine höhere Reichweite des Angebots und damit zusätzliches Wachstum. In den nächsten ein bis zwei Jahren rechne Siemens mit einer Kosteneinsparung in Höhe von 1 bis 2 % des Umsatzes, mittelfristig von sogar von drei bis 5 %.

Für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 1999/2000 erwarten Analysten einen Konzernumsatz von 75 Mrd. Euro und einen Gewinn nach Steuern von gut 3 Mrd. Euro, was 4 % des Umsatzes entspricht.

Die Investitionen von 1 Mrd. Euro sollen nach den Worten von von Pierer für rund 18 Monate reichen. "Das ist erst der Anfang", sagte er. Vordringliches Ziel sei zunächst die Ausweitung des elektronischen Einkaufs. Bei einem Gesamtvolumen im Einkauf von rund 35 Mrd. Euro solle der voll elektronisch abgewickelte Anteil in den nächsten zwei bis drei Jahren auf über 50 % von heute 10 % gesteigert werden. Durch das Projekt würden "einige tausend" neue Arbeitsplätze entstehen, sagte von Pierer.



IBM und i2 helfen bei der Neuausrichtung

Federführend bei der Umstellung der Geschäftsprozesse ist der Siemens-Bereich Siemens Business Services (SBS). Die Sparte habe sich mit den US-Unternehmen IBM und i2 Technologies Inc allerdings prominente Partner mit ins Boot geholt, hieß es. Deren E-Business-Lösungen würden als technische Plattform eingesetzt, teilte der Konzern mit. SBS-Chef Friedrich Fröschl sagte, der Bereich werde den Anteil des E-Business am Umsatz im laufenden Geschäftsjahr auf mehr als 30 % von derzeit 20 % steigern. Das SBS-Geschäftsvolumen bezifferte Fröschl mit 5,5 Mrd. Euro.

Von dem Vorhaben erhofft sich von Pierer auch Impulse für den Aktienkurs, der in den vergangenen Wochen unter der allgemeinen Schwäche der Technologietitel gelitten hatte. "Die Aktionäre werden sehen, dass das E-Business für Siemens eine einzigartige Chance ist", sagte er.

Eine Ausgründung des Internetprojekts in eine eigenständige Gesellschaft sei jedenfalls nicht geplant. Der Autokonzern Daimler-Chrysler hatte am Vortag angekündigt, seine Internet-Aktivitäten in eine Tochter DCX Net auszugliedern.

Von dem Vorhaben erhofft sich von Pierer auch Impulse für den Aktienkurs, der in den vergangenen Wochen unter der allgemeinen Schwäche der Technologietitel gelitten hat. "Die Aktionäre werden sehen, dass das E-Business für Siemens eine einzigartige Chance ist", sagte er.

Hier der Verlauf der Siemens-Aktie am Dienstag

Im März hatten die Titel noch ein Jahreshoch von 195,40 Euro erreicht.

Analysten bewerteten die Siemens-Internet-Initiative positiv. "Ich glaube nicht, dass das die große tolle Nachricht ist, aber vom Trend her ist das schon positiv", sagte Merck-Finck-Analyst Theo Kitz. Die Investitionen würden zunächst belasten, in den kommenden Jahren werde sich die Initiative aber Kosten sparend auswirken.

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