Siemens ist unbeliebt
Autotitel sind die Favoriten der Profis

Marktbeobachter erwarten eine Seitwärtsbewegung des Dax. Einzeltitel können den Markt jedoch schlagen. Zwölf vom Handelsblatt befragte Fondsmanager nennen aber ganz unterschiedliche Favoriten.

FRANKFURT/M. Von den Tiefständen der vergangenen Woche scheint sich der Deutsche Aktienindex (Dax) vorerst erholt zu haben. Aus dem Schneider sind die deutschen Standardwerte aber noch nicht. Viele Experten erwarten für die kommenden Wochen eine Seitwärtsbewegung des Marktes. Ein Ausbrechen der Kurse nach oben scheint nicht wahrscheinlich. Doch auch in der Konsolidierung lässt sich am Markt Geld verdienen. Anleger können dies entweder tun, indem sie statt in Aktien in Aktienanleihen oder Discount-Zertifikate investieren, oder indem sie sich im "Stock-Picking" versuchen, also der gezielten Auswahl viel versprechender Einzeltitel.

Das Handelsblatt hat zwölf Fondsmanager nach ihren Lieblingswerten im Dax gefragt. Das Ergebnis zeigt, dass die unsichere Börsenlage bei den Anlageprofis Spuren hinterlässt. Klare Favoriten gibt es nur wenige, deutliche Ausreißer nach unten auch kaum: Werte, die von einem als Gewinner gehandelt werden, führen andere am Ende ihrer Empfehlungsliste.

"Es ist sehr schwer, im Moment Favoriten zu finden", klagt Carsten Hilck, Fondsmanager bei Union Investment. Das meiste Potenzial trauen die zwölf Fondsmanager zurzeit den Autowerten VW und BMW zu. Sechs von ihnen zählen Volkswagen, fünf BMW zu ihren Top-Werten. Während bei den Münchenern auf eine Fortsetzung des kontinuierlichen Wachstumspfades gesetzt wird, hoffen die Fondsmanager bei VW auf die neue Modellpalette: "Mit dem neuen Golf, dem Passat und dem Audi A3 kommt nächstes Jahr eine Reihe von attraktiven Modellen auf den Markt, die erfolgreich laufen sollten", erwartet Trudbert Merkel, Leiter der Aktiengruppe Deutschland bei Deka Investment. Außerdem sei VW im Vergleich zur Konkurrenz sehr günstig bewertet, meint Stefan Müller, Fondsmanager bei Activest. So hat die Aktie der Wolfsburger auch in diesem Jahr mehr als zehn Prozent an Wert verloren, während BMW auf dem gleichen Niveau notiert wie zu Jahresbeginn.

Im Gegensatz zu den Autowerten, die überwiegend positiv gesehen werden, gibt es für andere Branchen sehr unterschiedliche Ansichten. Die Meinungen der Fondsmanager spalten sich danach, wie sie die Zukunftsaussichten, insbesondere die Konjunktur, bewerten: Pessimisten bevorzugen weiterhin Werte mit Defensiv-Qualitäten. Mit jeweils drei Stimmen werden aus diesem Bereich Henkel und Schering am häufigsten genannt.

Optimistischer ist Lorenzo Carcano von Metzler Investment und setzt auf eine Wende bei Technologie- und Luftfahrtunternehmen: "Wir rechnen mit einem moderaten Konjunkturaufschwung, der eine Erholung an den Aktienmärkten auslöst. Außerdem werden sich die Sparprogramme der Unternehmen positiv auf die Gewinne auswirken", begründet Carcano seine Sicht.

Optimisten setzen auf Technologie und Versicherungen

Zu den Favoriten zählt er zyklische Werte wie Lufthansa oder Versicherungstitel. Bei letzteren würde er aber der Münchener Rück den Vorzug vor der Allianz geben. Das sieht Jürgen Meyer vom Bankhaus Julius Bär genauso: "Die Münchener Rück war in den letzten dreißig Jahren die erfolgreichste Aktie im Dax. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie das in Zukunft bleibt." An der Allianz-Aktie scheiden sich indes die Geister. Insgesamt vier Fondsmanager sehen sie als "Outperformer", auf der anderen Seite erwarten aber auch drei Experten, dass sie in den kommenden Monaten schlechter laufen wird als der Dax. Als Vorzug der Allianz-Aktie werten die Befürworter die gute Marktstellung und steigende Prämien im Versicherungsgeschäft. Auf der anderen Seite werden die massiven Probleme bei der Dresdner Bank als Hauptmangel angeführt.

Als spekulatives Investment empfehlen einige Fondsmanager inzwischen die Aktien von SAP und Infineon. "Mit den jüngsten Gewinnschätzungen im Rücken und einem für 2003 erwarteten KGV von 25 ist SAP inzwischen wieder attraktiv bewertet", glaubt etwa dit-Fondsmanager Christoph Niesel. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Stimmen, die von einem Engagement bei Technologie- und Chipwerten weiter abraten.

Zu den unbeliebten Technologieaktien zählt vor allem Dax-Schwergewicht Siemens: Gleich fünf Experten sehen den Wert derzeit als "Underperformer". Weniger Zuspruch erhält nur der mögliche Dax-Absteiger Epcos.

Quelle: Handelsblatt

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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