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Siemens und Motorola planen ein Joint Venture

Der weltweit zweitgrößte Handyhersteller Motorola und die Siemens AG sprechen einem Zeitungsbericht zufolge über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens im Mobilfunkgeschäft.

Reuters MÜNCHEN. Überlegt werde die Schaffung eines Joint Ventures in der Netzwerk- oder in der Handysparte oder auch in beiden Bereichen, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag unter Berufung auf informierte Kreise. Siemens lehnte einen Kommentar dazu ab. Branchenkenner hielten es für wahrscheinlich, dass Siemens wegen des schwachen Marktes und des wachsenden Konsolidierungsdrucks eine Lösung für seine angeschlagenen Mobilfunksparten sucht und dabei mit mehreren Konkurrenten die Möglichkeit einer Zusammenarbeit auslotet.

Obwohl die Gespräche von Motorola und Siemens bereits seit Anfang des Sommers liefen, befänden sie sich immer noch in einer heiklen Phase und könnten noch scheitern, berichtete die Zeitung weiter. Eine Ankündigung stehe daher nicht unmittelbar bevor. Falls es zur Gründung zweier Gemeinschaftsunternehmen komme, würde es wahrscheinlich zu einer Aufteilung der Kontrolle kommen, so dass Siemens das eine und Motorola das andere leiten werde. Es sei aber nicht klar, welches Unternehmen Siemens und welches Motorola dann kontrollieren werde. "Wir kommentieren Marktgerüchte nicht", hieß es dazu bei Siemens.

Schwache Nachfrage

Handy-Hersteller und Anbieter von Mobilfunk-Netzen leiden nach dem Boomjahr 2000 unter einer schwachen Entwicklung der Nachfrage. Siemens hatte für seine Mobilfunksparten bereits die Streichung von weltweit mehreren tausend Arbeitsplätzen und ein rigoroses Sparprogramm angekündigt. Für die Zukunft hatte sich der Konzern hingegen vorsichtig optimistisch gezeigt und auf die Restrukturierung im Konzern verwiesen sowie auf Signale aus dem Markt, dass die Lagerbestände abgebaut würden. Motorola hatte zuletzt seine Umsatzerwartungen für das dritte Quartal gesenkt und die Streichung weiterer Stellen bekannt gegeben.

Siemens und Motorola kämen bei einer Zusammenlegung der Handy-Sparten nach den Daten des US-Marktforschungsinstituts Dataquest zum zweiten Quartal 2001 auf einen Marktanteil von knapp 23 % und blieben damit immer noch hinter Marktführer Nokia (34,8 %) zurück. Erklärtes Ziel des Münchener Konzerns ist es, von jetzt Platz vier unter die drei größten Handyhersteller zu kommen. Durch die Kooperation von Ericsson und Sony in der Handyproduktion hat sich der Vorsprung des schwedischen Wettbewerbers auf Siemens noch vergrößert und damit den Druck auf Siemens erhöht. Der Chef der Siemens-Handysparte ICM, Rudi Lamprecht, hatte zuletzt stets betont, dass sich die Branche in einer Phase der Konsolidierung befinde und angedeutet, dass Siemens dabei eine aktive Rolle spielen will.

"Mehr Fragen als Antworten"

"Der Druck zur Konsolidierung ist da. Jedes Unternehmen überlegt sich, was man mit dem Mobilfunkgeschäft macht. Da ist es eine naheliegende Sache, dass auch über Kooperationen nachgedacht wird", sagte Thorsten Barnstedt, Analyst bei M.M. Warbung. Dass Siemens und Motorola miteinander sprechen, sei durchaus denkbar. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich einer der beiden Konzerne komplett aus dem Netzwerk- oder dem Handygeschäft zurückzieht", fügte er hinzu. "Im Moment gibt es mehr Fragen als Antworten", sagte WestLB-Analyst Thomas Langer. Eine Gemeinschaftsfirma mit Motorola würde Siemens zwar den US-Markt öffnen, Fragen blieben aber über Marken, technische Standards und die Entwicklung neuer Produkte.

Die Analysten von ABN Amro sahen zwar positive Aspekte bei einer möglichen Verbindung Siemens/Motorola wie die Verstärkung der Marktposition bei Mobiltelefonen, die geographische Erweiterung bei dem Geschäft mit mobiler Infrastruktur und Kostensynergien. "Wir sind aber skeptisch, ob Siemens seine Probleme mit einer Fusion lösen kann", hieß es in einem Kurzkommentar. Auch Mark Davies-Jones von Schroder Salomon Smith Barney gab sich wenig optimistisch, dass die Überlegungen umgesetzt werden könnten: "Es gibt kein erfolgreiches Joint Venture in der Branche. Jeder, der es versucht hat, ist gescheitert", sagte er. "Das Beste ist, man wartet, bis ein Deal da ist, Gespräche heißen noch lange nichts", fügte er hinzu.

Aktie kann zulegen

In der Vergangenheit hatte es auch Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit von Siemens und Toshiba gegeben. Die beiden Konzerne arbeiten schon bei der Entwicklung einer neuen Generation von Mobiltelefonen zusammen. Nach Ansicht von Branchenkennern könnten die Partner auch an einer Vertiefung der Kooperation interessiert sein.

Die Siemens-Aktien legten am Montag in einem insgesamt schwachen Börsenumfeld rund 0,4 % auf 42,08 Euro zu und gehörte damit zu den wenigen Gewinnern im Dax.

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