Siemens unter Druck
Dax nach Jahreshoch weiter in Verlustzone

Nach einem euphorischen Start bremsten die Nokia-Zahlen den Standardwerte-Index aus.

Reuters FRANKFURT. Der Deutsche Aktienmarkt hat sich am Dienstag leichter präsentiert, was Händler unter anderem auf die Bekanntgabe eines negativen Geschäftsausblicks des finnischen Handyherstellers Nokia zurückführten. "Nach einem euphorischen Start heute Morgen, kam Nokia und mit den Technologiewerten ging's bergab", sagte Michael Foeller, Aktienhändler bei Concord Effekten. Der Deutsche Aktienindex (Dax), der am Vormittag bis auf ein Jahreshoch von 6792 Punkten gestiegen war, notierte am späten Nachmittag mit 6721 Zählern 0,44 % schwächer. Am Neuen Markt verlor der Blue-Chip-Index der Wachstumswerte Nemax 50 rund ein Prozent auf 2822 Zähler, der alle Werte des Segments umfassende Nemax-All-Share gab 0,7 % auf 2818 Punkte ab.

Die Investoren hätten sich im Vorfeld der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed abwartend gezeigt, beschrieb ein weiterer Händler die Stimmung. Die Umsätze an beiden Marktsegmenten seien nicht sehr hoch, hieß es.

Die US-Notenbank Fed beginnt ihr zweitägiges geldpolitisches Treffen am Dienstagnachmittag (MEZ), eine Zinsentscheidung wird für Mittwochabend erwartet. Besonders nach den Äußerungen von Fed-Präsident Alan Greenspan in der vergangenen Woche über ein mögliches Null-Wachstum in den USA rechnen Analysten nahezu einstimmig mit einer kräftigen Leitzinssenkung um 50 Basispunkte.

Unter Druck geriet die Siemens-Aktie, nachdem Nokia einen negativen Geschäftsausblick gegeben hatte. Das Siemens-Papier fiel um 1,8 % auf 151 Euro. Der finnische Mobiltelefon-Hersteller hatte zwar mitgeteilt, im vierten Quartal seinen Gewinn stärker als von Analysten erwartet gesteigert zu haben. Gleichzeitig senkte das Unternehmen aber seine Absatzprognose für das laufende Jahr, was von Händlern als negativ bewertet wurde. "Das wird jetzt eine Menge Herunterstufungen auslösen", sagte ein Londoner Telekomanalyst. Kursabschläge von 1,7 % auf 89,39 Euro mussten auch die Titel von Epcos hinnehmen.

Nach der Ankündigung eines umfassenden Stellenabbaus bei ihrer US-Tochter Chrysler am Montag stand die Aktie von DaimlerChrysler auch am Dienstag unter Druck. Finanzexperten begründeten dies vor allem mit Gewinnmitnahmen. Die Aktie des Stuttgarter Konzerns notierte 3,8 % tiefer auf 49,65 Euro und gehörte damit zu den größten Verlierern im Dax.

Der Essener Energiekonzerns RWE musste einen Abschlag von 2,9 % auf 42,55 Euro hinnehmen. Händler sagten, das Übernahmeangebot, das RWE für die spanische Cantabrico vorzulegen gedenke, sei zu teuer. "Die überlegen sich jetzt ein höheres Angebot und könnten damit zu viel für Cantabrico bezahlen", sagte ein Händler. Deutschlands größter Energiekonzern hatte zuvor mitgeteilt, ein Gegenangebot für den viertgrößten spanischen Energiekonzern Hidroelectrica del Cantabrico zu prüfen.

Auf der Gewinnerseite im Dax standen mehrheitlich defensive Werte, wie MAN, die um über vier Prozent zulegten, ThyssenKrupp, die sich um 2,5 % verteuerten und Linde, die knapp zwei Prozent gewannen.

Größter Gewinner waren die Titel von Adidas, die um knapp fünf Prozent auf 78 Euro anzogen. Händler begründeten dies unter anderem damit, dass die Titel günstiger als die des US-Konkurrenten Nike bewertet seien. Zudem habe die Aktie einen charttechnischen Widerstand bei 75,50 Euro durchbrochen. Einem Börsianer zufolge munkelt man am Markt, es gäbe zusätzliche Kauforders, um den Wert im Dax zu halten. Die Aktie der Deutschen Post wird voraussichtlich ab Mitte Februar Adidas im Dax ersetzen.

Die Titel der Deutsche Telekom waren am Morgen deutlich fester in den Handel gestartet. Die Aktie verbuchte am Nachmittag ein Plus von 0,9 % auf 36,16 Euro.

Der MDax verlor 0,3 % auf 4759 Punkte.



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