Siemens VDO und Harman Becker profitieren
Blaupunkt hat sich mit Navigation verfahren

Blaupunkt sucht immer noch nach einer neuen Strategie für Navigationsgeräte. Der Autozulieferer hat wichtige Aufträge verloren. Auf die Blaupunkt-Mutter Bosch kommen neue Belastungen zu.

HB STUTTGART. Die Bosch-Tochter Blaupunkt will jetzt im Herbst endlich entscheiden, welche Richtung sie bei Navigationsgeräten einschlagen wird. Die Ingenieure des Hildesheimer Konzerns arbeiten mit Hochdruck an einem neuen Konzept für ein anspruchsvolles Navigationsgerät. Dieses Konzept soll den Autoherstellern Daimler-Chrysler und Volkswagen vorgestellt werden. Für Blaupunkt wird es entscheidend sein, beide Autohersteller als Kunden zurückzugewinnen.

Noch immer kämpft Blaupunkt mit der Blamage, bei teuren Navigationsgeräten Daimler-Chrysler und VW verloren zu haben. Mercedes-Benz hat im vergangenen Herbst Blaupunkt die Verträge gekündigt, als die Hildesheimer mit der Entwicklung einer neuen Gerätegeneration in Verzug kamen. Damit gingen Aufträge über 400 Mill. Euro verloren. Das Gleiche passierte im März dieses Jahres bei VW. Der Auftragsverlust betrug 100 Mill. Euro. Für die 2700 Beschäftigten von Blaupunkt, die im vergangenen Jahr eine Mrd. Euro Umsatz erwirtschafteten, eine schwierige Situation.

Blaupunkt hat für lange Zeit diese Kunden verloren. Ein Fahrzeugmodell wird immerhin sechs bis acht Jahre lang gebaut. Die neue Mercedes E-Klasse beliefert jetzt der Konkurrent Harman Becker mit Navigationsgeräten, die runderneuerte S-Klasse Siemens VDO. Im VW-Konzern darf Becker den Audi A8 ausrüsten. Der japanische Hersteller Aisin wird in der neuen Passat-Generation vertreten sein, die 2004 auf den Markt kommen soll.

Die Ursachenforschung hat Blaupunkt inzwischen abgeschlossen. Dem Unternehmen, im Handelsgeschäft Zuhause, fehlte die Erfahrung, komplexe Erstausrüstungsaufträge zu managen. An einen ähnlichen Fehlschlag können sich bei Bosch selbst langjährige Manager nicht erinnern. Der für Blaupunkt verantwortliche Konzerngeschäftsführer Stephan Rojahn musste gehen. In Hildesheim gibt es seit Mai mit Wolfgang Malchow einen neuen Chef, der auch der Sprecher ist. Bisher waren die vier Geschäftsführer gleichrangig.

Doch Insider vermissen nach neun Monaten noch immer eine klare Strategie. Bisher wurde nur festgelegt, eine Plattform für ein Navigationsgerät zu entwickeln, die künftig an die Bedürfnisse verschiedener Hersteller angepasst wird. Auch Konkurrent Siemens VDO schlägt diesen Weg ein, um die teuren Sonderentwicklungen für einzelne Hersteller zu vermeiden und die Ergebnisse zu verbessern. "Keiner im Markt erreicht die gewünschten Rendite", klagt ein Sprecher von Siemens VDO. Doch vieles läuft bei Blaupunkt nach wie vor chaotisch ab, heißt es im Konzern. Selbst in der obersten Bosch-Etage in Stuttgart ist man sich offensichtlich nicht einig, mit welchem Tempo Blaupunkt sich um neue Aufträge bemühen soll. Der neue zuständige Geschäftsführer Siegfried Dais geht offensiv voran. Mit Unterstützung der Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften hat er in Niedersachsen Kontakt mit der Landespolitik aufgenommen. Die Politik soll bei VW ein gutes Wort für Blaupunkt einlegen und den Weg für neue Aufträge ebnen. Der Navigationshersteller ist in Hildesheim wichtigster Arbeitgeber.

Andere Bosch-Geschäftsführer mahnen dagegen zur Vorsicht und verweisen darauf, dass Blaupunkt seit vergangenen Herbst wichtige Ingenieure an die Konkurrenz verloren habe. Sie könnten bei neuen Aufträgen fehlen.

Die Hildesheimer stehen auf jeden Fall vor einer Durststrecke. "Wir versuchen jetzt Aufträge für die Modelljahre 2004 und 2005 zu bekommen", sagt ein Blaupunkt-Sprecher. Auch wenn das Geschäft mit Autoradios und den einfachen Navigationsgeräten nicht betroffen ist, vor 2005 gibt es für das Unternehmen keine Wachstumschance. Für den Bosch-Konzern heißt das: Blaupunkt, mit wenigen Unterbrechungen seit vielen Jahren ein Verlustbringer, wird zur noch größeren Belastung.

Inzwischen gibt es Pläne, wie der Auftragsverlust überbrückt werden kann. Für 100 Mitarbeiter in der Fabrik, die demnächst keine Arbeit mehr haben, sollen Aufträge von Portugal nach Hildesheim verlagert werden. Die Beschäftigten müssen allerdings große Zugeständnisse machen, da die Portugiesen 40 % billiger produzieren. Doch dieser Plan hat nur eine Chance, wenn neue Aufträge für 2004 absehbar sind.

Eines gilt in der Branche als sicher: Die Marktanteile werden sich kräftig verschieben. Siemens VDO rechnet damit, dass sich der Markt für Navigationsgeräte in Europa bis 2006 mehr als verdoppeln wird. Der Marktführer Blaupunkt werde von derzeit 17 % auf 5 % zurückfallen. Der große Aufsteiger wird Harman Becker sein. Kräftig zulegen könnte auch der Japaner Aisin. Er will seinen Marktanteil bis dahin auf 15 % verdoppeln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%