Siemens will mit neuem Verfahren Glasfaserkapazität erhöhen
Der Datenturbo kommt aus Ostwestfalen

Wissenschaftlern der Universität Paderborn ist es gelungen, die Übertragungskapazität von Glasfasern zu verdoppeln. Internet-Surfen und Telefonieren könnten so dank besserer Netznutzung billiger werden.

PADERBORN. "Eigentlich ist es ganz einfach", erzählt Reinhard Noé, Leiter der Arbeitsgruppe "Optische Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik" der Universität Paderborn. "Wir senden zwei mit Daten modulierende Lichtsignale, deren Polarisationsrichtungen aufeinander senkrecht stehen. . ." Techniker-Latein, das auf der europäischen Tagung zur optischen Nachrichtentechnik in Amsterdam jedoch für Aufsehen sorgte. Den Paderborner Wissenschaftlern ist es nämlich gelungen, mit einem neuen Verfahren die Übertragungskapazität bei herkömmlichen Glasfaserkabeln zu verdoppeln. Die Technik sei praxistauglich, betont Noé.

Glasfasern sind das Rückgrat des Internets und der Telefonnetze. Über die dünnen Fasern werden Sprach- und Informationssignale in Form von moduliertem Licht übertragen. Der große Vorteil im Vergleich zu früher gebräuchlichen Kupferkabeln: Glasfasern sind gegenüber elektromagnetischen Störungen unempfindlich. Sie gelten als abhörsicher und lassen sich in großen Mengen herstellen.

Gerade auf großen Übertragungsstrecken bekamen Glasfasern jedoch ein kleines Problem: Die verschickten Signale weichen auf langen Wegen geringfügig ab, so dass Sender wie Empfänger dies kompensieren müssen. Dieser Effekt verbreitert den übertragenen Impuls und begrenzt deshalb bisher die maximal zulässige Datenrate.

Die Paderborner Wissenschaftler haben es nun erstmals geschafft, mit einer Technik namens "Polarisationsmultiplex" diese Abweichungen direkt bei der Entstehung zu kompensieren. Auf einer Teststrecke von 212 km steigerten sie damit die Datenrate je Lichtsignal von 40 Gbit/s auf 80 Gbit/s.

Die Ausrüster von Glasfasernetzen kennen das Problem der Lichtwellenzerstreuung seit Jahren. In verschiedenen Versuchen wurden die Paderborner Spitzenwerte auch schon übertroffen. Allerdings mussten die Einstellungen dabei individuell von Hand vorgenommen werden. Die Hochgeschwindigkeits-Übertragung funktionierte auch nur mit ausgewählten Glasfasern. "Bei uns klappt das automatisch und mit ganz normalen Glasfasern", betont Noé den Unterschied. "Was immer man an Datenmengen übertragen will, auch im Terabit-Bereich, ließe sich jetzt verdoppeln."

Entwickelt wurde das Verfahren in Zusammenarbeit mit der Sparte Information & Communication Network der Siemens AG. Gemeinsam arbeite man nun an der Markteinführung, sagt Noé. Was Details angeht, halten sich die Beteiligten bedeckt. Siemens habe die Rechte an den Bauteilen, die es mitfinanziert hat. "Aber alle wichtigen Patente habe ich", betont Noé.

Wenn sich die Paderborner Technik durchsetzt, würde man Datenmengen aus dem Internet in Zukunft noch schneller herunterladen und preisgünstiger telefonieren können, so die Hoffnung der Forscher. Schließlich wäre es billiger, vorhandene Glasfasern doppelt so gut auszunutzen, anstatt neue zu verlegen. Insofern sind die Paderborner Ergebnisse weitere schlechte Nachrichten für Firmen wie Lucent, Nortel und Alcatel, die bisherigen Marktführer in der schwächelnden Glasfaserindustrie. Der weltweite Umsatz dieser Produkte sank im zweiten Quartal 2001 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent auf vier Milliarden Dollar.

Diese Flaute wird nach Einschätzung des IT-Marktanalysten RHK weiter andauern. In Nordamerika habe die Belastung der Telekom-Gesellschaften die optische Datenübertragungsindustrie voll erfasst. Telefonkonzerne leasen dort zunehmend ungenutzte Kapazitäten anderer Anbieter, anstatt noch eigene Netze aufzubauen.

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