Signal für andere Kandidaten
„Hallo Europa!“ - Litauen stimmt mit Riesenmehrheit für EU-Beitritt

Mit der Riesenmehrheit von 89,9 Prozent haben sich die litauischen Wähler für den EU-Beitritt ihres Landes zum 1. Mai 2004 entschieden. Das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Volksabstimmung übertraf selbst kühne Prognosen der EU-Befürworter. "Hallo Europa!", sagte Staatsoberhaupt Rolandas Paksas in Sektlaune am frühen Montagmorgen in der Hauptstadt Vilnius.

HB/dpa DÜSSELDORF/VILNIUS. "Für Litauen beginnt jetzt ein neuer Abschnitt der Geschichte: Wir können einen florierenden Staat innerhalb der EU-Familie entwickeln", sagte Paksas. Erst 1991 hatte die ehemalige Sowjetrepublik Litauen ihre Unabhängigkeit wiedererlangt. Obwohl sich danach die wechselnden Regierungen außenpolitisch stets auf den Integrationskurs in die EU und NATO festlegten, hatten doch nur ausgesprochene Optimisten mit einer solch schnellen Verwirklichung der Pläne gerechnet.

Als der Volksentscheid am Samstag schleppend anlief, drohte das politisch bindende Referendum an einer zu niedrigen Wahlbeteiligung zu scheitern. Am Sonntag aber konnte die Wahlkommission in Vilnius Entwarnung geben: Zum Schluss stimmten 63,3 Prozent der knapp 2,7 Millionen Wahlberechtigten ab, deutlich mehr als bei den Wahlen der vergangenen Jahre in dem baltischen Staat. Nur 8,9 Prozent der Wähler votierten gegen den EU-Beitritt.

Gut zwei Jahre hatte Litauen mit Brüssel über die Modalitäten der EU-Mitgliedschaft verhandelt. Als Stolpersteine erwiesen sich dabei besonders die Abschaltung des umstrittenen Atomkraftwerks Ignalina und die Transitfrage zwischen dem Kaliningrader Gebiet und Kern- Russland. In beiden Fällen musste sich Vilnius den Wünschen der EU fügen. Die Bürger bekamen einen ersten Eindruck davon, wie künftig über viele Aspekte ihres Lebens in Brüssel entschieden wird.

Mit der EU verbinden die Litauer - so zeigen Umfragen - vor allem Begriffe wie Wohlstand, Sicherheit und Fortschritt. Ökonomisch ist Litauen bereits eng mit der EU verknüpft. Etwa 75 Prozent des Außenhandels werden mit EU-Mitgliedstaaten abgewickelt, die nationale Währung Litas ist starr an den Euro gekoppelt. Alternativen zur EU- Mitgliedschaft hatten die Wirtschaftsvertreter des kleinen Ostseestaats deshalb auch nie gesehen.

"Ein zuverlässiger und aktiver Partner" wolle man künftig in der EU sein, beschrieb Präsident Paksas die zukünftige Rolle Litauens. Westliche Diplomaten glauben, der baltische Staat könne sich auch durch seine Beziehungen zu den Nachbarstaaten Weißrussland und Russland politisch profilieren. In Vilnius gingen am Montag Glückwünsche von Staats- und Regierungschefs aus ganz Europa ein. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach von einem wichtigen Signal für den Erweiterungsprozess der EU.

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