Signalwirkung für andere Investmentbanken
Anlagen in Mitteleuropa sind im Kommen

Nach der Ratingagentur Moody's signalisiert nun auch die US-Investmentbank Goldman Sachs: Anlagen in Mitteleuropa sind im Kommen. In ihrer globalen Risiko-Analyse nach den jüngsten Terroranschlägen sieht Goldman Sachs "innerhalb der Emerging Markets Mitteleuropa relativ gut vor Risiken geschützt". Die Türkei und Israel seien dagegen relativ hohem Risiko ausgesetzt.

jow PRAG. Aufgrund der Signalwirkung, die Goldman Sachs für andere Investmentbanken haben kann, könnte diese Einschätzung zu einer Umschichtung von Fondsmitteln zugunsten Mitteleuropas führen. Andererseits sehen in der Region verankerte Banken die Anlagechancen weit kritischer. Die Chefökonomin der Bank Austria Creditanstalt, Marianne Kager, erwartet, dass internationale Investoren sich eher zurückhalten. Sie sieht auch die Zeitpläne für einige der ausstehenden Großprivatisierungen in der Region in Gefahr.

Goldman Sachs zufolge werden die Turbulenzen der Weltwirtschaft die Mitteleuropäer nur indirekt erfassen, und zwar über die Exportnachfrage Westeuropas. Polen, Tschechien und Ungarn führen zwischen 65 und 75 % ihrer Exporte nach Europa aus. Für jeden Prozentpunkt weniger Wachstum in den USA nimmt die Investmentbank ein Minus von 0,5 % in Europas Wachstum an. Dies wiederum mindere in 2002 das Wachstumspotential in Ungarn um 0,3 Prozentpunkte auf 5,2 %, in Tschechien um 0,25 Prozentpunkte auf 3,3 % und in Polen um 0,2 Prozentpunkte auf 3,5 %, so Goldmann Sachs.

Ende der polnischen Budgetkrise zeichnet sich ab

Die US-Analysten heben besonders hervor, dass sich in Polen eine Beilegung der Budgetkrise abzeichne. Die Investmentbank korrigiert deswegen ihre Zinsprognose und empfiehlt polnische Anleihen wegen der Chance "deutlicher Zinssenkungen in den kommenden sechs Monaten". Darüber besteht indes bisher kein Konsens. Die österreichische Bank RZB etwa teilt diese Auffasung bisher nicht: Zumindest kurzfristig bleibe der Zinssatz in Polen konstant.

Für Tschechien nimmt die Investmentbank ein Anziehen der Geldpolitik an. Eine Zinsanhebung erwartet die Bank aber erst in frühestens einem Monat. Im Falle Tschechiens geht Goldman Sachs nicht auf die Probleme mit dem Budget für 2002 ein. Gerade dies ist für die österreichische RZB aber ein kritischer Punkt: Der bisherige Budgetentwurf der Minderheitsregierung Zeman weise ein Defizit in Höhe von 6,5% des Bruttoinlandsprodukts auf und habe im Par-lament "eine Chance von nahe Null".

In Ungarn sieht die Investmentbank positive Trends: Das Exportwachstum habe im July im Jahresvergleich bei 21,1 % gelegen. Zwar sei dies so kaum durchzuhalten. Wohl aber werde die Leistungsbilanz entlastet. Dadurch sinke der Druck auf die Geldpolitik. Die Notenbank werde die Zinsen in diesem Jahr vermutlich um 0,25 Prozentpunkte senken können.

Anders als die sonstigen Investmentbanken äußert sich Goldmann Sachs auch zu Bulgarien. Dort würden die Wirtschaftsturbulenzen das Wachstum 2002 um 0,4 Prozentpunkte auf 4,9 % drücken, so die Bank. Entscheidend werde sein, ob sich die neue Regierung um König Simeon mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf eine neues Kreditprogramm einige. Vermutlich werde die Regierung anbieten, die Privatisierung und Umstrukturierung der Wirtschaft zu beschleunigen, wenn der IWF dafür zulässt, dass Sofia die bisherige Budgetdisziplin lockert. Die vor allem in den USA verbreiteten Brady Bonds (Anleihen im Zuge der Umschuldung der bulgarischen Auslandsschulden) wertet Goldman Sachs aber nur mit "neutral".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%