Sihler räumt auf
Rekordverlust der Telekom

Mit Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe und einem weiteren Stellenabbau will Telekom-Interims-Chef Helmut Sihler das angeschlagene Unternehmen wieder auf Kurs bringen. Im ersten Halbjahr 2002 hatte Europas größter Telekommunikation-Konzern, bedingt durch hohe Abschreibungen, einen Rekordverlust von 3,9 Milliarden Euro eingefahren.

HB/dpa BONN. Im ersten Halbjahr machte der Konzern damit 0,4 Milliarden Euro mehr Verlust, als im kompletten Vorjahr. Sihler kündigte an, die Strategie des Vorstands auf den Prüfstand zu stellen. Wichtigstes Ziel sei dabei, die Schulden um über zehn auf 50 Milliarden Euro bis Ende 2003 zu verringern.

Die Lage bei der Telekom sei ernst, aber das Unternehmen "ist kein Sanierungsfall", unterstrich der 72-Jährige Manager, der Mitte Juli überraschend die Nachfolge von Ron Sommer angetreten hatte. Bis Ende dieses Jahres will er gemeinsam mit Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkaus einen neuen Vorstandsvorsitzenden präsentieren. Der künftige Vorstandsvorsitzende müsse Gewähr dafür bieten, dass die Telekom auf Kurs bleibe. Die T-Aktie zog bis zum frühen Nachmittag um 0,93 Prozent auf 11,97 Euro an.

Keine Kurzschluss-Reaktionen

Kurzfristige Maßnahmen und Notverkäufe zum Schuldenabbau werde es nicht geben, betonte Sihler. In den vergangenen Wochen wurde in Medien spekuliert, dass sich die Telekom unter anderem von ihrer US- Tochter VoiceStream trennen könnte. Die Gesellschaft mit 8 Millionen Kunden habe sich im ersten Halbjahr gut entwickelt, hieß es dagegen in Bonn. "Wir stellen Überlegungen an und sind in Gesprächen", sagte Sihler mit Blick auf die künftige Strategie von VoiceStream. Details nannte er nicht.

Um das Schuldenziel zu erreichen muss die Telekom neben den bereits genannten Maßnahmen weitere Mittel in einer Größenordnung von 4 Milliarden bis 7 Milliarden Euro mobilisieren. Dies sei auch ein Grund, warum der Vorstand die Strategie überprüfe, sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick.

Ende Juni stand der Bonner Riese bei seinen Geldgebern mit rund 64 Milliarden Euro in der Kreide. Fest eingeplant beim Abbau der hohen Verschuldung hat das Unternehmen 2,5 Milliarden Euro bei den Sachkosten, aus Stellenstreichungen und Kürzungen bei Investitionen. Darüber hinaus sollen weitere Mittel aus dem Verkauf von Immobilien und dem TV-Kabelnetz erzielt werden. Den geplanten und immer wieder verschobenen Börsengang von T-Mobile hat die Telekom nicht mehr auf dieser Rechnung.

Telekom muss kürzer treten

Bei den sechs zum Verkauf anstehenden Kabelgesellschaften müssen die Bonner inzwischen kürzer treten: So rechnet der Vorstand nur noch mit Einnahmen zwischen 2 Milliarden und 4 Milliarden Euro. Das wäre deutlich weniger als die 5,5 Milliarden Euro, die die Telekom bereits mit dem US-Medienkonzern Liberty Media ausgehandelt hatte. Der bereits sicher geglaubte Verkauf war Anfang des Jahres am Einspruch des Bundeskartellamt gescheitert.

Weitere Einzelheiten zur künftigen Strategie wollte Sihler nicht nennen. Dies soll Ende November dieses Jahres geschehen, wenn die Telekom die Geschäftszahlen für das dritte Quartal vorlegt. Die Telekom müsse ihre finanzielle Handlungsfähigkeit wiedergewinnen, unterstrich Sihler. "Wir werden die Strategie überprüfen, und es mag Änderungen geben". Dabei müsse das Unternehmen zu Entscheidungen kommen, die auf lange Sicht halten.

Umsatzsteigerung um 15 Prozent

Im ersten Halbjahr 2002 steigerte die Telekom mit 254 000 Beschäftigten den Umsatz um fast 15 Prozent auf 25,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um gut 7 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Trotz des hohen Fehlbetrages durch Abschreibungen aus den neukonsolidierten Gesellschaften, nannte Sihler die Ergebnisse zufriedenstellend.

Wachstumsträger des Konzerns war einmal mehr die T-Mobile-Gruppe. Ende Juni telefonierten 71,5 Millionen Kunden in den Netzen der Mobilfunktöchter und-beteiligungen der Telekom. Das waren 22 Prozent mehr als 2001.

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