Silber und Bronze - Björndalen und Pylewa gewinnen Verfolgungsrennen-Premieren
Wilhelm und Gross befeuern Medaillen-Express

Die Biathleten Kati Wilhelm und Ricco Gross haben den deutschen Medaillen-Express auf Kurs gehalten, der überragende Ole Einar Björndalen stieg in Soldier Hollow zum olympischen Rekordhalter auf. Als erstem Skijäger der Geschichte gelang dem Norweger durch den Erfolg bei der Olympia-Premiere des Jagdrennens ein olympischer Gold-Hattrick.

HB/sid/dpa SOLDIER HOLLOW. Sprint-Olympiasiegerin Wilhelm mit Silber und Ricco Gross mit Bronze erhöhten die Anzahl der deutschen Medaillen auf sieben. Damit wurde das bisher beste Olympia-Ergebnis einer deutschen Biathlon-Auswahl (1992) bereits vor den abschließenden Staffelrennen eingestellt.

"Nach meiner Goldmedaille hatte ich keinen Druck und konnte mich trotz der drei Fehler beim ersten Schießen wieder ran kämpfen. Am Schluss war ich einfach platt. Pylewa war stärker, aber ich bin glücklich", erklärte Wilhelm, die nach 10 km nur 5,3 Sekunden hinter Olga Pylewa das Ziel erreichte. Während sich die Russin als erste Olympiasiegerin im Jagdrennen feiern ließ, erkämpfte Irina Nikultschina im Zielspurt gegen Weltmeisterin Liv Grete Poiree (Norwegen) Bronze für Bulgarien.

Kati Wilhelm schoss sich mit drei Fehlern beim ersten Liegend-Anschlag zunächst von der Spitze. Von den danach folgenden 15 Schüssen trafen 14 das Ziel. Die Sportsoldatin ging knapp hinter Spitzenreiterin Pylewa auf die Schlussrunde, konnte der ehemaligen Weltklasse-Langläuferin aber nicht mehr folgen. Mit insgesamt sieben Fehlschüssen vergab Uschi Disl eine große Medaillenchance und wurde am Ende nur Neunte. Karin Apel aus Oberhof wurde Siebte, 15-km-Olympiasiegerin Andrea Henkel schoss zwar nur einmal daneben, kam aber nicht über Platz 13 hinaus.

Mit hoch erhobenen Armen quittierte Gross die sechste Olympia-Medaille seiner Karriere, als er nach 12,5 km 56 Sekunden hinter Björndalen die Ziellinie überquerte. Der Norweger, der Weltcup-Titelverteidiger Raphael Poiree mit 43 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei verwies, ist nun mit insgesamt viermal Gold und einmal Silber neben Alexander Tichonow (UdSSR/1968-1980) erfolgreichster Biathlet in der Olympia-Geschichte. "Ich hatte mit vorgenommen, das Rennen zu genießen. Ich schieße perfekt, die Laufform stimmt, der Kopf ist klar, das Material in Ordnung", sagte Björndalen.

"Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Auf die letzte Rille habe ich doch noch die Medaille geschafft", sagte der Ruhpoldinger Ricco Gross, der in den beiden ersten Olympia-Rennen jeweils Vierter geworden war. "Noch einmal Vierter - das hätte ich nicht verkraftet. Da wäre ich lieber freiwillig vor dem Ziel noch zurückgefallen." Er habe sich das Rennen gut eingeteilt. "Bisher konnte ich mir die Medaillen-Zeremonie nur im Fernsehen ansehen. Diesmal bin ich selbst dabei", sagte Gross glücklich.

"Für Ricco ist das ganz toll, dass er endlich die Medaille hat. Das wird die Mannschaft beflügeln", sagte Bundestrainer Frank Ullrich. Gross erweiterte seine Medaillensammlung bei Olympischen Winterspielen auf drei Mal Gold, zwei Mal Silber und ein Mal Bronze. Mit einem Staffel-Erfolg könnte der Familienvater sogar Tichonow und Björndalen in der ewigen Statistik überflügeln.

"Björndalen kämpft derzeit auf einem anderen Stern. Mit ihm wird auch Norwegens Staffel schwer zu schlagen sein", meinte Bundestrainer Frank Ullrich. "Ich freue mich für Ricco. Nun hat er endlich seine Medaille. Das wird in zusätzlich beflügeln." Nach zweimal Silber durch die Oberhofer Frank Luck (20 km) und Sven Fischer (10 km) sicherte Groß bereits das dritte Edelmetall für die Herren-Auswahl des Deutschen Skiverbandes (DSV), die in Nagano vor vier Jahren in den Einzel-Entscheidungen noch komplett leer ausgegangen war.

Beim Damenrennen begann das erwartete Favoriten-Duell zwischen Forsberg und Poiree nach dem dritten Schießen, als Wilhelm und Disl bereits jeweils vier Strafrunden gedreht hatten. Die beiden seit Jahren weltbesten Biathletinnen sowie die überraschend gut mithaltende Nikultschina begannen zeitgleich ihr letztes Schießen. Alle drei trafen dabei zwei Scheiben nicht und ermöglichten dem Duo Pylewa/Wilhelm die Plätze eins uns zwei.

"Bei mir klappt einfach derzeit alles. Ich hatte das Rennen immer im Griff", sagte Ausnahemathlet Ole Einar Björndalen, der zuvor bereits über 20 km und über 10 km souverän die Konkurrenz beherrscht hatte. Entsprechend des Resultates des 10-km-Sprints gingen die starken Schützen Fischer und Gross mit 29 sowie 53 Sekunden Rückstand zu Björndalen auf die Strecke und mussten auf Patzer des überragenden norwegischen Läufers am Schießstand hoffen. Dieser tat ihnen zwar gleich zweimal den Gefallen, aber auch das deutsche Duo schoss bei den vier Schießübungen jeweils Fahrkarten.

Die Entscheidung fiel beim letzten Stehendanschlag. Der sonstige "Wackelschütze" Björndalen, der bei Jagdrennen zuvor meist mindestens vier Strafrunden drehen musste, schoss mit dem Selbstvertrauen eines Olympiasiegers und ließ die Klappscheiben im Schnelldurchgang fallen. Sein Vorsprung auf Poiree betrug am Ende 43,0 Sekunden. Dagegen bekam Gross beim letzten Schießen das große Flattern, verfehlte zwei Scheiben und fiel so noch um eine Position zurück. Fischer musste insgesamt vier Strafrunden laufen und rutschte aus den Medaillenrängen auf Position zwölf ab noch hinter Luck, der sich von Rang 29 auf den 11. Platz vorarbeitete. Michael Greis (Nesselwang) wurde 16.

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