Silvio Berlusconi meldet sich zurück
Der angeschlagene Löwe

Aus allen Teilen Italiens sind am Samstag rund eine Million Menschen in die Hauptstadt gepilgert, um gegen die Regierung von Romano Prodi zu demonstrieren. Unumstrittener Hauptdarsteller an diesem Tag: Ex-Premier Silvio Berlusconi. Für ihn ist die Demonstration doppelt wichtig.

ROM. Die Piazza San Giovanni im Zentrum Roms ist gerammelt voll. Während sich der Himmel an diesem klaren Wintertag langsam verdunkelt erleuchten die Straßenlaternen ein buntes Flaggenmeer: Auf der Piazza, auf der jedes Jahr die 1.- Mai-Demos stattfinden, wehen an diesem Samstag keine roten Fahnen, sondern blau-weiße der Alleanza Nazionale, rot-grüne von Berlusconis Forza Italia, und grün-weiße der Lega Nord.

"Prodi, zieh uns nicht bis auf die Unterhosen aus", steht auf dem Schild einer von den Steuererhöhungen enttäuschten Prodi-Wählerin. Andere tragen T-Shirts mit der Aufschrift: "Il diavolo veste Prodi" (Der Teufel trägt Prodi) in Anspielung auf einen aktuellen Hollywood-Streifen. "Gegen das Regime - für die Freiheit" steht in großen weißen Lettern auf der Bühne.

Sie sind gekommen um ihre drei Anführer zu hören: Silvio Berlusconi, der Gründer der Forza Italia, Gianfranco Fini von Alleanza Nazionale und Umberto Bossi von der Lega Nord. Doch der unumstrittene Hauptdarsteller ist Berlusconi. Nur sechs Tage nachdem er vor laufender Kamera einen Schwächeanfall erlitten hat, der ihn für drei Tage ins Krankenhaus brachte, steht er kerzengrade, perfekt in dunklem Anzug und Krawatte gekleidet, auf der Bühne und strahlt in die Menge. "Ich grüße Euch alle und alle jene, die die Freiheit lieben", ruft er seinen Anhängern zu. "Silvio, Silvio, Silvio" schallt es ihm von unten entgegen.

Von Schwäche keine Spur. "Ich wollte und musste hier sein", zeigt sich der Ex-Premier kampflustig. Berlusconi hat die Anti-Prodi-Demo zum Plebiszit für sich selbst verwandelt. "Der Cavalliere hat seinen Führungsanspruch zementiert. Heute sind Berlusconi und das Mitterechts-Bündnis deckungsgleich", sagt auch sein ehemaliger Bündnispartner Marco Follini, der mit seiner damaligen Partei UDC 2004 Berlusconi zum Rücktritt und zur Bildung einer neuen Regierung zwang.

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