Simitis: Politik muss in Gentechnik-Debatte schnell entscheiden
Ethikrat ringt um Empfehlungen zu Stammzellen-Import

In der Gentechnik-Debatte hat der Vorsitzende des nationalen Ethikrats, Spiros Simitis, schnelle Entscheidungen der Politik und und eine internationale Zusammenarbeit angemahnt. Simitis sagte am Donnerstag vor der Bekanntgabe der Empfehlungen des Rates zum Import embryonaler Stammzellen, das gelungene Klon-Experiment in den USA habe gezeigt, dass der Gesetzgeber sich nicht mehr zurückhalten könne.

afp BERLIN. Seiner Ansicht nach bleiben jedoch alle Entscheidungen Deutschlands "zahnlos", wenn es keinen internationalen Konsens gebe. Der Ethikrat war im Mai von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einberufen worden; am 30. Januar soll der Bundestag über das Thema beraten.

Die 25 Mitglieder des Ethikrates, zu denen Politiker, Kirchenvertreter und Mediziner gehören, kamen am Donnerstagmorgen in Berlin zusammen. Der Evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, sprach sich vor der Sitzung für ein Einfuhrverbot embryonaler Stammzellen aus. Dem menschlichen Leben gebühre Schutz von Anfang an, sagte er im DeutschlandRadio. Es dürfe nie als bloßes Mittel zum Zweck dienen.

Simitis sah trotz des Klon-Experiments in den USA keinen Anlass für völlig neue Überlegungen des Ethikrates. Der Rat müsse aber "noch deutlicher und noch schärfer" hervorheben, dass es einheitliche Regeln für den Forschungsbereich mit öffentlicher Förderung etwa in Universitäten und für die Stammzellen-Forschung im privaten Bereich geben müsse, sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Jede Diskussion über die embryonale Stammzellenforschung sei mit der Debatte über das therapeutische Klonen verknüpft. Im DeutschlandRadio warnte er aber vor übertriebenen Hoffnungen durch das Klonen für die Therapie bei schweren Krankheiten.

Der stellvertretende Vorsitzende der Enquetekommission des Bundestags, Hubert Hüppe (CDU), rechnete mit einer Empfehlung des Ethikrates für den Import von Stammzellen und kritisierte die Zusammensetzung dieses Gremiums. Die Mehrheiten seien von vorneherein klar gewesen, sagte der CDU-Politiker im WDR. Die Enquete-Kommission hatte sich für ein Verbot des Imports ausgesprochen.

Der frühere CDU-Generalsekretär Peter Hintze rechnet innerhalb der Union mit einer Mehrheit für den Import embryonaler Stammzellen. Als Voraussetzung nannte er, "dass nur auf bereits vorhandene Stammzellen zurückgegriffen wird" und klare Auflagen formuliert würden, sagte er der "Berliner Zeitung" vom Donnerstag.

Die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) hatte bereits mehrfach aus Rücksicht auf die Politik ihre Entscheidung zum Import embryonaler Stammzellen verschoben. Sie soll vom Ergebnis der Bundestagsentscheidung abhängig gemacht werden. Die Bonner Forscher Oliver Brüstle und Otmar Wiestler wollen menschliche Nervenzellen aus embryonalen Zellen herstellen.

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