Simonin will Modehersteller vorzeitig verlassen
Turbulenzen im Vorstand von Escada

Luftfahrtkrise und Konsumflaute machen der Luxusgüterbranche immer mehr zu schaffen. Die Unternehmen sind gezwungen, die Kosten dramatisch zu senken. Die finanziellen Spielräume werden immer enger. Das zeigen auch die jüngsten Querelen im Vorstand des nach Boss zweitgrößten deutschen Modeherstellers Escada.

MÜNCHEN. Am vergangenen Mittwoch gab Vorstand Richard Simonin, zuständig für Accessoires und Lizenzen, dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt bekannt. Ein Escada-Sprecher bestätigte dies jetzt dem Handelsblatt. Eine offizielle Mitteilung im Zuge der Ad-hoc-Publizität blieb aber bislang aus. Der Sprecher begründete dies damit, dass der Aufsichtsrat das Rücktrittsgesuch des Franzosen nicht angenommen habe und noch nichts entschieden sei. Der Aufsichtsrat poche darauf, dass Simonin seinen Vertrag erfülle.

Hintergrund: Escada will oder kann in der derzeitigen schwierigen Branchensituation Simonin nicht einfach ohne Gegenleistung auszahlen. Nach Informationen des Handelsblatts wollte der Aufsichtsrat den im Herbst 2004 auslaufenden Vertrag des Franzosen ohnehin nicht verlängern und die Führungsriege auf drei Personen verkleinern. Ein eigener Vorstand für Accessoires und Lizenzen sei nicht mehr notwendig. Vorstandschef, Hauptgesellschafter und Firmengründer Wolfgang Ley will sein Lebenswerk durch die Konzentration auf die Marke Escada erhalten und stößt Randbereiche und Beteiligungen ab. Schon zum Jahreswechsel war der für Beteiligungen zuständige Vorstand Jürgen Richter ausgeschieden. Mit dem Verkauf der Parfüm-Sparte Beauté an Wella hat sich auch der Aufgabenbereich von Simonin verkleinert. Aus seinem Umfeld verlautet, der Franzose sehe nun keine große Perspektive mehr bei Escada. In Branchenkreisen heißt es, dass er schon seit längerem einen neuen Job gesucht habe. Intern kreide man ihm an, dass er dauernd unterwegs, schwer erreichbar und häufig schlecht vorbereitet sei.

Ob Simonin bereits einen neuen Job hat, ist offen. Normalerweise einigen sich Unternehmen und Manager finanziell, um mit einer Trennung wenig Staub aufzuwirbeln. Bei Escada gab es in den 90er-Jahren häufige Wechsel im Vorstand, die man in der Branche auch auf Leys eigenwilligen Führungsstil zurückführt. Auch Simonin war erst seit 1999 im Vorstand.

Escada hat mächtig mit der Branchenflaute zu kämpfen. Vor kurzem verschärfte das Unternehmen den Sparkurs und will die Kosten um zusätzlich 10 Mill. Euro senken. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 (31. Oktober) war der Umsatz von 211 auf 157 Mill. Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 11,9 auf 0,5 Mill. Euro eingebrochen. Das Unternehmen begründete dies vor allem damit, dass man wegen Irak-Krieg und Konsumflaute bewusst weniger Ware in die Geschäfte geliefert habe. Für das Gesamtjahr hatte Escada einen Umsatz in Vorjahreshöhe (772 Mill. Euro) und eine Steigerung des Ebit auf 30 (25) Mill. Euro angekündigt. Zu der Frage, ob sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens weiter verschlechtert habe, wollte der Sprecher mit Blick auf den anstehenden Quartalsbericht nichts sagen. Es gebe aber keinen Zusammenhang zu den Vorstandsquerelen. Die wesentlichen Entscheidungen treffen ohnehin Ley, der seit dem Jahr 2000 amtierende Finanzchef Georg Kellinghusen sowie Personalchefin Beate Rapp. Der Escada-Kurs stagnierte am Freitag bei 7 Euro, hatte zuvor aber bereits 12 % eingebüßt.

Die gesamte Luxusgüterbranche wird von den Folgen des IrakKrieges, der Lungenseuche SARS und dem starken Euro gebremst. Die betuchte Kundschaft hält sich zurück. Boss musste im ersten Quartal 2003 ein Umsatzminus von 5 % hinnehmen, ebenso der weltweit größte Anbieter von Nobelartikeln, die französische Gruppe LVMH Moët Hennessy-Louis Vuitton. Jil Sander braucht vom italienischen Mutterkonzern Prada dringend eine Kapitalspritze. Und auch die italienischen Konkurrenten Bulgari und Gucci setzten den Rotstift an.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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