Sind deutsche Manager überbezahlt?
Viele Vorstandsmitglieder verdienen nicht, was sie verdienen

Im vergangenen Jahr gingen sie trotz drastisch gesunkener Gewinne nur minimal zurück. Experten prophezeien, dass es munter weiter bergauf geht - bis hin zum Level der Vergütung in amerikanischen Unternehmen.

HB. Damit kein Missverständnis aufkommt: Leistung soll sich lohnen. Dass Top-Manager oder Top-Fußballer Top-Summen verdienen, ist okay. Dass diese Summen zum Teil exorbitante Höhen erreichen - warum nicht? Nur kein Neid. Allerdings sind Manager-Gehälter nicht immer angemessen, Leistung und Gegenleistung stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander. Es liegt also einiges im Argen.

Manager verdienen zu viel, weil sie kaum ein persönliches Risiko tragen. Denn in Deutschland unterschreiben sie meist Verträge, die ihnen den Posten für mindestens fünf Jahre garantieren. In der Praxis sieht das dann so aus: Die Finanzchefin eines großen Internet-Dienstleisters baut ein Jahr lang Mist und bekommt dann als Abfindung vier Jahresgehälter ausgezahlt.

Manager verdienen zu viel, denn auch die angestrebten Top-Gehälter in den USA sind dort nicht mehr unumstritten. Zu viele erfolglose Manager wie Joe Nacchio, Chef des Telekomanbieters Qwest, haben sich dumm und dämlich verdient, während der Gewinn sank und der Aktienkurs um 90 Prozent fiel. Abgesehen davon ist die Behauptung, "Gute Leute kosten viel", eine Legende. Trotz bescheidener Gehälter konnten sich die deutschen Chemiekonzerne BASF, Bayer und Henkel gegen die Konkurrenz behaupten.

Manager verdienen zu viel, weil es ihnen leicht gemacht wird. Die Möglichkeiten abzusahnen sind vielfältig. Es gibt Boni, Tantiemen, Grundgehalt, Pensionszahlungen, Phantomaktien, Wertzuwachsrechte und, besonders beliebt, Aktienoptionen. Ein variabler Anteil von bis zu 80 Prozent, in den USA üblich, muss sich hier erst noch durchsetzen.

Abzocker sollten sich ein Beispiel an Lufthansa-Chef Jürgen Weber nehmen. Er und weitere 1 000 Führungskräfte verzichten freiwillig ein halbes Jahr lang auf 10 % des Gehalts, um dem lahmen Flieger wieder Auftrieb zu geben. Selbstbeschränkungen wie diese schaffen Vertrauen in deutsche Manager. Das fehlt derzeit. Denn deutsche Top-Manager weigern sich, anders als in den viel gelobten USA, ihre individuellen Gehälter offen zu legen. Hier zu Lande werden nur die Gesamtbezüge des Führungsgremiums ausgewiesen. Warum eigentlich? Glauben die Vorstände selber nicht, dass sie verdienen, was sie verdienen?

Die Kleinaktionäre der Deutschen Telekom jedenfalls sind dieser Meinung. 2001 waren die Gehälter des achtköpfigen Vorstands im Vergleich zum Vorjahr um rund 90 Prozent auf 17,4 Mill. Euro gestiegen. Der Wert der Aktie fiel jedoch im selben Zeitraum um 42 % - stärker als der Dax (- 18 %) und stärker als die Telekommunikations-Indizes (- 30 %). Ein heftiges Gerangel um die Gehälter erwartet deshalb Telekom-Chef Ron Sommer, wenn er Ende des Monats während der Hauptversammlung in den Ring steigt: Kleinaktionärsvertreter wollen dem Vorstand die Entlastung verweigern.

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