Sind die Sondervereinbarungen Aufklärung oder Verbraucher-Nepp?
Streit um Sonderregeln beim Invaliditätsschutz

Eine gute Absicherung gegen Invalidität ist wichtig, aber auch kompliziert. Bei der Vermittlung von Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) arbeiten immer mehr Versicherungsmakler im Kleingedruckten mit Sondervereinbarungen.

DÜSSELDORF. Ein Versicherungsberater kritisiert das Verfahren als "legalen Betrug". Transparenz ist bei BU-Bedingungen immer noch ein Fremdwort. Vehement kritisiert Hans-Hermann Lüschen den Vertrieb von BU-Versicherungen mit so genannten "Individualvereinbarungen", von denen bereits über 10 000 Policen bundesweit verkauft wurden. Der gerichtlich zugelassene Versicherungsberater, hat sich mit seiner Klage vom Saulus zum Paulus entwickelt. Er hat selbst jahrelang an den von der Trixi Informationssysteme GmbH in Germerswang herausgegebenen Sondervereinbarungen mitgearbeitet. Trixi erstellt seit 1995 einen fast 300 Fragen umfassenden Katalog zu den BU-Bedingungen, der von den "mitarbeitenden" Versicherungsunternehmen beantwortet werden muss.

Lüschen fühlt sich von Trixi Geschäftsführer Helmut Strixner nun regelrecht getäuscht. Nach einer Recherche bei allen 27 BU-Versicherern, die sich an der Trixi-Frageaktion beteiligen, erklärten sieben Unternehmen, dass sie die Aktion überhaupt nicht kennen. "Ein echter Skandal." Trixi-Chef Strixner bleibt gelassen: "Scheinbar wurden irgend welche Versicherungsmitarbeiter angeschrieben". Doch Lüschens Kritik geht viel weiter: "Mit der Einbeziehung des Fragenkatalogs in die Bedingungen wird den Kunden ein Vorteil suggeriert, der faktisch überhaupt nicht besteht. Denn die Versicherer beantworten doch nur das, was ohnehin schon in den Bedingungen steht. 16 Unternehmen haben schriftlich erklärt, dass es im Leistungsfall keinerlei Unterschied macht, ob in der Police die Individualvereinbarungen vereinbart ist oder nicht. Eine Sonderbehandlung einzelner Kunden würde nämlich gegen das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) § 11 Abs. 2 verstoßen.

Dieser strengen Auslegung des Gesetzes kann Prof. Hans-Peter Schwintowski von der Humboldt-Universität Berlin nicht folgen: "Das Gesetz fordert nur eine Gleichbehandlung innerhalb gleicher Tarifgruppen. Die Bedingungen sind seit 1994 weitgehend frei." Der Wissenschaftler befürwortet die Aktivitäten von Trixi: "Eine zusätzliche Selbstverpflichtung der Versicherer ist richtig und vernünftig." Leistungsaussagen würden so transparenter. Dies könnte Kunden später vor Streit schützen. Denn noch immer wären die Prozessquoten irrsinnig hoch. Fast jeder zweite privat Versicherte müsse vor Gericht um seine BU-Rente kämpfen.

Wenn die Individualvereinbarungen helfen "Definitionen und Bestimmungen klar zu regeln" und "mögliche Zweifelsfragen zu beseitigen", bleibt die Frage, warum Versicherer ihre Bedingungen nicht gleich verständlich gestalten. Schwintowski rät Kunden: "Versicherer mit einem guten Platz in Rankings, die gleichzeitig bereit sind, erläuternde Sondervereinbarung mit in den Vertrag aufzunehmen, sind in meinen Augen die Ideallösung."

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