Sinkende Aktienkurse bedeuten weniger Überschussbeteiligung
Überalterung gefährdet auch private Altersvorsorge

Private Altersvorsorge hin oder her - die Deutschen müssen sich wohl auf niedrigere Renten und eine längere Lebensarbeitszeit einstellen.

Reuters FRANKFURT. Schuld ist die Alterung vieler Industriegesellschaften, die nach Einschätzung von Experten das Wirtschaftswachstum langfristig bremsen und die Aktienkurse drücken wird. "Die Versprechungen der Versicherungen von Renditen zwischen 6,5 und 7,5 Prozent bei der Riester-Rente sind spätestens ab 2010 nicht mehr zu halten", sagt Stefan Schneider, Abteilungsleiter bei Deutsche Bank Research.

Die Generation der Baby-Boomer werde bei ihrer Pensionierung ab Ende dieses Jahrzehnts ihre Aktien-Investitionen zurückfahren. Hierdurch werden Kursgewinne an den Börsen langfristig aber unwahrscheinlicher. Außerdem dürfte die Wirtschaft langsamer wachsen, weil immer weniger Menschen arbeiten - dadurch sinken die Chance auf steigende Unternehmensgewinne und satte Renditen weiter.

Sinkende Aktienkurse bedeuten weniger Überschussbeteiligung

Die Umstellung von der umlagefinanzierten - Arbeitnehmer zahlen für Rentner - auf die kapitalgedeckte Alterssicherung wie die Riester-Rente, bei der jeder für sich selbst vorsorgt, ist zwar nach Ansicht vieler Volkswirte unbedingt nötig. Doch auch die Hoffnung auf eine großzügige Rente dank Aktieninvestitionen könnte trügen.

"Die ersten Probleme am Aktienmarkt beginnen ab 2008", prognostiziert Andreas Heigl, Demograph von der HypoVereinsbank. Denn dann gehe die amerikanische Baby-Boom-Generation - die erste der Industriestaaten - in Rente. Im Jahr 2000 stellten die geburtenstarken Jahrgänge der Deutsche Bank Research zufolge immerhin rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung in Deutschland, Westeuropa und den USA. Heigl erwartet, dass die Baby-Boomer ihre Anlagen verkaufen, um ihre Renten zu finanzieren. Damit werde das Angebot an Aktien steigen.

Schneider rechnet dagegen nicht mit deutlich mehr Aktienverkäufen, sieht aber einen Rückgang der Nachfrage. Denn Rentner würden auf jeden Fall weniger auf die hohe Kante legen als Berufstätige. Gleich, welche Annahme zutrifft - die Aktienkurse gerieten in jedem Fall unter Druck.

Zeiten hoher Wachstumsraten bald vorbei

Darüber hinaus werde es auch die Wirtschaft treffen, wenn weniger Menschen arbeiteten: "Selbst wenn das Produktivitätswachstum pro Kopf steigt, kann das BIP absolut und insgesamt auf Grund sinkender Bevölkerung stagnieren oder sogar sinken", sagt Dirk Popielas, Leiter der Abteilung Pensionsdienstleistungen bei Goldman Sachs. Schneider zufolge könnte außerdem Fachkräftemangel die Löhne nach oben treiben und damit den Gewinnanteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) senken. Damit würden die Unternehmensgewinne, Renditen und Dividenden langsamer steigen als bisher. Hohe Ausgaben für Gesundheits- und Alterssicherungssysteme könnten weitere Probleme mit sich bringen, sagt Schneider. Würden sie durch höhere Steuern und Abgaben finanziert, drossle dies das Wirtschaftswachstum weiter.

Alle Anlagemöglichkeiten betroffen

Nicht nur die Rendite von Aktien, sondern die aller Finanzanlagen wird Schneider zufolge auf Grund der demographischen Entwicklung sinken. "Wir müssen uns also darauf einstellen, länger für die Rente zu arbeiten und mehr zu sparen als jemand, der heute in den Ruhestand geht," sagt Schneider.

Auch Meinhard Miegel, Chef des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG) in Bonn, hält die in Aussicht gestellten Renditen bei der Riester-Rente für unrealistisch: "Für einen heute 30-jährigen Mann ist es sehr unwahrscheinlich, das noch zu erreichen." Wahrscheinlich werde lediglich die Garantiesumme von 3,25 Prozent erreicht. In den kommenden Jahren seien Überschussbeteiligungen noch möglich, nach 2020 aber fragwürdig. Ganz hilflos sind die Anleger dieser Entwicklung nach Ansicht Popielas nicht ausgeliefert. Investitionen in Wachstumsländer in Asien oder Lateinamerika sowie in internationale Unternehmen könnten auch in Zukunft gute Erträge abwerfen. Dasselbe gelte für Branchen, die von der Alterung profitieren wie etwa Pharma- und Biotechnologie, Touristik oder auch Dienstleistungen rund um die Betreuung älterer Menschen.

Auf Dauer werden den Experten zufolge aber auch Anlagen in Entwicklungsländer kaum die Renten in den Industriestaaten sichern, denn auch in den ärmeren Ländern wird die Gesellschaft altern. Allerdings bekämen diese Staaten die Probleme, die die Industrienationen heute hätten, erst ab 2030, schätzt Heigl. Das eröffne ein Zeitfenster für rentable Anlagen. "Aber dort gibt es auch höhere Risiken, die ökonomischen und politischen Systeme dieser Staaten sind weniger stabil."

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