Sinkende Auflagen und Werbeeinnahmen: WAZ erwartet Konsolidierung im Zeitungsmarkt

Sinkende Auflagen und Werbeeinnahmen
WAZ erwartet Konsolidierung im Zeitungsmarkt

Hohe Preise und ein zu strenges Kartellrecht verhindern nach den Worten von WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach eine dringend notwendige Konsolidierung auf dem krisengeschüttelten Medienmarkt. Die Verlage müssten daher mit neuen Ideen gegen sinkende Auflagen und Werbeeinnahmen kämpfen oder im Ausland Wachstumschancen suchen.

Reuters BERLIN. "Wenn es einfach so weiter geht, werden selbst die ganz starken Verlage in eineinhalb Jahren keine Luft mehr haben", sagte Hombach, seit Ende 2001 einer von vier Geschäftsführern des größten deutschen Regionalzeitungsverlags WAZ-Gruppe, am Donnerstag in einem Reuters-Interview. Von den kleineren Zeitungsverlagen, oft in Familienbesitz, würden einige die schlimmste Krise auf dem deutschen Medienmarkt seit dem Zweiten Weltkrieg nicht überleben. Mit Kooperationen beim Druck, der Anzeigenvermarktung und dem Vertrieb könnten sie ihre Fixkosten zu senken und dem Einbruch der Anzeigeneinnahmen entgegenwirken, erläuterte Hombach. "Doch ein unsinniges Kartellrecht verhindert das und gefährdet damit die Pressevielfalt."

Das Bundeskartellamt hat der Essener WAZ-Gruppe, die durch eine aggressive Akquisitionspolitik zum Marktführer bei Regionalzeitungen aufstieg ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Westfalenpost", "Thüringer Allgemeine"), schon oft einen Strich durch ihre Expansionspläne in Deutschland gemacht. Zurzeit verhinderten aber auch die Preisvorstellungen mancher Eigentümer eine Konsolidierung des Zeitungsmarktes, sagte der frühere Chef des Kanzleramtes von Gerhard Schröder (SPD) in seinem ersten Interview als WAZ-Geschäftsführer. "Es ist ein Käufermarkt. Aber wir haben schlechte Zeiten und Preise aus guten Zeiten."

Daher sei die WAZ-Gruppe, die sich immer an der Wirtschaftlichkeit von Projekten orientiere, bei Zukäufen in Deutschland derzeit vorsichtig. "Wir haben eine Vielzahl von Angeboten geprüft. Wenn Sie zu teuer einkaufen wollen, sage ich Ihnen 15 Titel, die Sie haben können", erläutert Hombach. "Wer kann, sollte sich in einem solchen Markt aber auch umschauen."

Der Essener Konzern, der einen Jahresumsatz von 1,9 Mrd. ? erzielt, ist einer der wenigen finanzkräftigen Verlage und trat bei allen großen Kaufgelegenheiten in der deutschen Medienbranche als Interessent auf. Doch einen Einstieg beim Axel Springer Verlag, eine Übernahme des größten deutschen TV-Konzerns Pro Sieben Sat1 oder eine Beteiligung am Süddeutschen Verlag scheiterten meist an der Uneinigkeit der WAZ-Eigentümerfamilien, die sich auch den Preis genau anschauten. "Wir entscheiden wenigstens schnell", sagte Hombach, "uns reicht in der Regel ein Wochenende mit den Büchern."

Die WAZ-Gruppe sucht aber nicht nur in Deutschland immer wieder nach Kaufgelegenheiten, sondern auch im Ausland. "Die EU-Beitrittsländer sind sehr interessant. Wir schauen uns die Märkte an, in denen wir noch nicht sind", sagte Hombach. Die WAZ-Gruppe erzielt mehr als 40 % ihres Umsatzes im Ausland, vor allem in Österreich ("Kronen-Zeitung"), Ungarn, Bulgarien und Kroatien. Andere deutsche Verlage wie Springer wollen ebenfalls in den großen osteuropäischen Medienmärkten wie Tschechien, Polen oder Russland Fuß fassen. Hombach schließt Kooperationen deutscher Verlage auch im Ausland nicht aus. "Gerade da kann das von Vorteil sein."

So spannend Osteuropa für eine Expansion auch ist, für Hombach steht die Stärkung der deutschen Regionalzeitungsmarken im Vordergrund. "Da haben wir das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft." Die WAZ-Gruppe dürfe die auch bei ihr stetig sinkenden Auflagenzahlen und Werbeeinnahmen nicht hinnehmen, sondern müsse neue Wege bei der Leserwerbung und der Zusammenarbeit mit den Werbekunden gehen. "Couponing, Kundenkarten, Rabatte, Vorteile für Familien und vieles mehr sind im Gespräch." Gerade die Regionalzeitungen könnten auch viel mehr als Träger lokaler und regionaler Veranstaltungen auftreten und damit ihre Marke stärken. "Japanische Zeitungen erzielen damit mehr als die Hälfte ihrer Erträge.

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