Sinkende Gewinne
Debitels Kundenzuwachs hat seinen Preis

Der Telekom-Dienstleister debitel hat im dritten Quartal zwar wieder Kunden im Mobilfunk hinzugewonnen, dafür allerdings einen sinkenden Gewinn in Kauf genommen.

Reuters STUTTGART. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei in den ersten neun Monaten auf 41 (Vorjahr: 65) Millionen Euro geschrumpft, teilte die zur Swisscom gehörende Telefongesellschaft am Donnerstag in Stuttgart mit. Von Sonderbelastungen in Höhe von 17 Millionen Euro abgesehen sei der Rückgang auch auf Maßnahmen zur Kundenbindung zurückzuführen, erläuterte Vorstandschef Peter Wagner. Die Zahl der Debitel-Kunden stieg in den Monaten von Juli bis September europaweit um 118 000 und erreichte mit 9,75 Millionen wieder das Niveau vom Frühjahr.

Nach der Ausbuchung von mehr als einer Million inaktiver Kunden mit Guthabenkarten war die Zahl der Teilnehmer Anfang 2002 unter die Schwelle von zehn Millionen gesunken. Von den 96 000 neuen Kunden in Deutschland hätten 77 000 feste Verträge, was in der Branche als lukrativer gilt. Debitel machte erneut keine Angaben zum Umsatz pro Kunden und zum Verhältnis von Vertragskunden zu Kunden mit Guthabenkarten. Unternehmensnahe Kreise gehen davon aus, dass rund zwei Drittel der Kunden mit Guthabenkarten telefonieren. Branchendurchschnitt sind 50 bis 55 Prozent Guthaben-Kunden.

Der Konzernumsatz stieg im dritten Quartal um 16 Prozent auf 728 Millionen Euro. In den ersten drei Quartalen lag der Umsatz bei 2,033 Milliarden Euro, zehn Prozent über dem Vorjahr. Mit einem Zuwachs von 22 Prozent wuchs Debitel im Ausland weiter stärker als in Deutschland, wo der Umsatz um sieben Prozent zunahm. Für das Gesamtjahr 2002 rechnet Wagner mit einem prozentual einstelligen Umsatzzuwachs. "Im Ergebnis wollen wir an das Jahr 2001 anschließen", sagte der Vorstandschef.

Den Kampf um den Zugang zu Ortsnetzen hat Debitel nach eigenen Angaben aufgegeben. Die Verhandlungen mit der Deutschen Telekom seien gescheitert, sagte Wagner. Die Preisvorstellungen hätten "Welten auseinander gelegen." Auf die Fortsetzung eines langwierigen Verfahrens gegen den Marktführer verzichte Debitel "wegen ungewissen Ausgangs". Das Unternehmen verabschiedete sich damit von der geplanten Erweiterung seiner Geschäftsbasis um Dienstleistungen aus Mobilfunk und Festnetz.

Mit der Beteiligung von Vertriebspartnern reduzierte Debitel unterdessen den Anteil seines Großaktionärs Swisscom und will sich zugleich seine exklusiven Vertriebswege sichern. So habe die Handelskette Electronic Partner gegen einen Fünfjahres-Vertrag zwei Prozent an Debitel übernommen. Der Swisscom-Anteil sei so auf rund 92 Prozent gesunken. Über vergleichbare Transaktionen verhandele man auch mit anderen Partnern, darunter Media-Markt/Saturn.

Swisscom-Chef Jens Alder bekräftigte unterdessen die Bereitschaft, sich bei einem guten Angebot von der Beteiligung an Debitel zu trennen. In naher Zukunft sei damit aber nicht zu rechnen. "Wir sind sehr zufrieden mit Debitel, sie sind profitabel in einem schrumpfenden deutschen Markt," sagte Alder, fügte jedoch hinzu: "Aus heutiger Sicht hätten wir Debitel nicht gekauft." Alders Vorgänger hatte Debitel 1999 für rund 2,8 Milliarden Euro übernommen. Inzwischen ist etwa ein Drittel des Preises abgeschrieben. An der Börse ist Debitel auf Grundlage des am Donnerstag gegen den Trend um 2,8 Prozent auf 8,62 Euro gesunkenen Aktienkurses nur noch 767 Millionen Euro wert.

Swisscom hat in den ersten neun Monaten bei einem um zwei Prozent höheren Umsatz von 10,79 Milliarden Schweizer Franken einen Gewinn von 1,21 Milliarden Franken erzielt. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen blieb mit 3,41 (2001: 3,44) Milliarden Franken konstant.

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