Sinkende Pegelstände in Dresden
Bitterfeld verliert Kampf gegen die Fluten

Im Kampf gegen eine der größten Naturkatastrophen in Deutschland stand am Samstag dem ersten Hoffnungsschimmer für die Hochwassergeschädigten in Dresden eine schwere Niederlage für die Helfer in Bitterfeld gegenüber. In der sächsischen Landeshauptstadt ging der Pegel der Elbe langsam vom Höchststand von 9,40 Meter am Morgen auf 9,34 Meter am Nachmittag zurück. In Bitterfeld verloren die Einwohner ihren verzweifelten Kampf gegen die katastrophalen Fluten - das Wasser stand in Teilen der Stadt in Sachsen-Anhalt bis zu zwei Meter hoch.

dpa LEIPZIG/MAGDEBURG. Bundespräsident Johannes Rau forderte nach einem Besuch in den Krisenregionen eine "Anstrengung der ganzen Nation", um den Schäden Herr zu werden. "Es muss die Sache aller Deutschen sein, mit den Folgen dieser Flut fertig zu werden." Am diesem Sonntag werden Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Außenminister Fischer mit ihren Amtskollegen aus betroffenen Staaten und EU- Kommissionspräsident Prodi über Unterstützung für die Opfer der Flutkatastrophe in Mitteleuropa beraten. Prodi sagte nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" Finanzhilfe in Milliardenhöhe zu.

Noch immer sind allein in Deutschland Zehntausende auf der Flucht. Hier starben mindestens 12 Menschen, in Tschechien 13. Tausende in Sicherheit gebrachte Menschen konnten noch nicht in ihre Häuser zurück. Schwere Schäden auch für die Infrastruktur: Bei Riesa in Sachsen brach eine Eisenbahnbrücke zusammen. Die Strecke Berlin- Leipzig-Dresden ist wie einige andere Strecken nicht mehr befahrbar. Angesichts der dramatischen Lage wurde die Zahl der Bundeswehr - Soldaten im Kampf gegen das Hochwasser deutlich erhöht. In den Katastrophengebieten an der Elbe seien derzeit fast 10 000 Soldaten im Einsatz, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Weitere 3 000 seien in Bereitschaft.

Nach dem Wassereinbruch in Bitterfeld sind auch mehrere andere Gemeinden in Sachsen-Anhalt nördlich der Chemie-Stadt betroffen. Der Krisenstab rief die Bewohner mehrerer Ortschaften zum Verlassen der Häuser auf. Der Chemiepark Bitterfeld blieb bislang von den Fluten verschont. Im sächsischen Torgau musste am Samstag sogar der Katastrophenstab dem Hochwasser weichen, nachdem das gesamte Stadtgebiet evakuiert worden war. Auf der Elbe bei Dresden mussten Spezialisten der Polizei eine führerlose Fähre sprengen, die auf die historische Brücke "Blaues Wunder" zu trieb.

In anderen Städten wie Magdeburg und Wittenberg in Sachsen-Anhalt oder Wittenberge in Brandenburg bereiteten sich die Helfer im Dauereinsatz auf die heranrollende Flut vor. Im brandenburgischen Mühlberg schwappte das Wasser über die zehn Meter hohe Deichkrone, die Befestigung solle weiter verstärkt werden. Auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg laufen die Vorbereitungen für den Kampf gegen das Hochwasser.

Angesichts der Milliardenschäden entbrannte ein Streit über die Finanzierung des Wiederaufbaus und der Hilfen in den betroffenen Gebieten. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) kündigte eine nationale Krisenkonferenz an und verwies auf mögliche Umschichtungen im Bundeshaushalt. Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) forderte von der Bundesregierung einen mit zwei Milliarden Euro ausgestatteten Sonderfonds "Flutkatastrophe 2002", nachdem er sich in Leipzig zu Beratungen mit seinen CDU-Kollegen Bernhard Vogel (Thüringen), Georg Milbradt (Sachsen) und Wolfgang Böhmer (Sachsen-Anhalt) getroffen hatte. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) kritisierte, dass der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nicht dazu geladen worden sei.

Noch vor dem für Sonntag geplanten internationalen Gipfeltreffen boten zahlreiche europäische Länder Hilfe für die Hochwasserregionen an. Luxemburg und die Schweiz spendeten Hunderttausende Sandsäcke und andere Hilfsgüter, Frankreich und Spanien versicherten ihre Unterstützung. Der NATO-Generalsekretär George Robertson bot Katastrophenhilfe an. Außerdem laufen Millionen-Spenden für die Opfer und die Hilfsmaßnahmen ein.

Im nordböhmischen Grenzgebiet zu Sachsen entspannte sich die Lage an der Elbe leicht. Der Wasserstand sank um 20 Zentimeter. In Bayern normalisierte sich die Situation weiter. Am Samstag wurde der letzte noch bestehende Katastrophenalarm in Passau aufgehoben. Die Aufräumarbeiten kamen voll in Gang. Auch in Österreich gingen die Aufräumarbeiten weiter. Große Probleme bereitete der Schlamm, der teilweise steinhart geworden ist. Am Samstagmittag passierte das Donauhochwasser die Slowakei ohne größere Probleme und erreichte Ungarn. Großflächige Überschwemmungen wurden dort nicht erwartet.

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