Sinkende Preise schmälern Bar-Zuflüsse
IT-Branche ist knapp bei Kasse

Die Krise der Technologiemärkte schmälert die finanzielle Ertragskraft (Cash-Flow) europäischer IT-Unternehmen. So werden in diesem Jahr nicht mehr nur Internetunternehmen als "Cash-Burner" im Kerngeschäft draufzahlen. Experten erwarten, dass auch große Technologieanbieter, wie etwa der Hersteller elektronischer Bauteile, Epcos, und der Chipproduzent Infineon, einen negativen Cash-Flow erwirtschaften werden.

FRANKFURT/M. Die sinkende Ertragskraft wird auf mittlere Sicht die Finanzierung mit Fremdkapital verteuern. Denn für die Bewertung der Kreditqualität eines Unternehmens ist die Kennzahl Cash-Flow einer der wichtigsten Faktoren. "Letztlich werden Anleihen und Kredite aus dem verfügbaren Cash-Flow zurückgezahlt", sagt Maria Bissinger, bei der Ratingagentur Standard&Poor?s (S&P) in Frankfurt für die Bewertung der Schuldnerqualität von Unternehmen zuständig.

Seit der Weg zu billigem Eigenkapital über die Börse verstopft ist, beobachtet die Expertin, dass "das Thema Cash-Flow stärker in den Fokus der Unternehmen gerückt ist". So hat die Siemens AG die Verbesserung des Cash-Flows eigens in die Liste der expliziten Unternehmensziele für das Geschäftsjahr 2003 aufgenommen.

Offensichtlich steigt in der Technologiebranche die Nervosität, nachdem S&P erst vor kurzem Unternehmensanleihen der Telekom-Ausrüster Ericsson und Alcatel in die Klasse der Ramsch-Anleihen (Junk Bonds) zurückgestuft hat. Auch der IT-Dienstleister Cap Gemini musste wegen "schwächerer Profitabilität und anhaltender Restrukturierungskosten im IT-Consultinggeschäft" eine Rückstufung hinnehmen.

Nach Einschätzung von S&P kann die französische Alcatel durch das Eintreiben offener Forderungen und den Abbau von Lagerbeständen in diesem Jahr noch einmal knapp dem Status als "Cash-Burner" entgehen. Doch weist S&P das Unternehmen ausdrücklich darauf hin, dass auch diese "Quelle positiver Finanzströme endlich ist".

Einen operativ negativen Cash-Flow erwartet die Investmentbank Credit Suisse First Boston 2002 für den deutschen Chiphersteller Infineon. Bereits im vergangenen Jahr schrumpfte der Barmittel-Zufluss auf 211 Mill. Euro, während das Boomjahr 2000 im operativen Geschäft noch mehr als zwei Mrd. Euro Cash in die Kassen spülte. Das liegt daran, dass die Herstellungskosten für viele Standardchips zur Zeit höher liegen als der Preis, zu dem Infineon seine Produkte verkaufen kann.

Mit einem negativen Cash-Flow rechnet S&P im laufenden Geschäftsjahr auch bei Epcos. Niedrige Umsätze, anhaltender Preisverfall und unerwartet hohe Kosten der Umstrukturierung drücken nach Ansicht der Analysten die Profitabilität.

Negative Auswirkungen auf den Unternehmenswert halten sich dabei kurzfristig in Grenzen. Zwar ermitteln Berater und Banken den Wert eines Unternehmens auf Grundlage frei verfügbaren zukünftigen Cash-Flows. Für den Unternehmenswert sind kurzfristige Schwankungen allerdings weniger entscheidend "als die Summe der diskontierten Zu- und Abflüsse über mehrere Jahre", sagt Hartmut Paulus, Manager im Bereich Corporate Finance bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Auch die Gesamtverschuldung der meisten Technologiefirmen gibt nach Einschätzung von Experten noch keinen Anlass zur Sorge, dass kurzfristig eine Verschuldungskrise wie etwa in der Telekom-Branche droht.

Zudem sind nicht alle Technologieunternehmen gleichermaßen betroffen. So gilt der Softwarehersteller Microsoft noch immer als Cash-Maschine. Und auch das Softwarehaus SAP verzeichnet stetige Mittelzuflüsse. Denn im Gegensatz zur Hardwarebranche benötigen die Softwareanbieter für ihre Produkte keine kapitalintensiven Maschinen oder Chipfabriken. Zudem fließen den Softwarehäusern durch Wartung und Schulungen kontinuierlich Einnahmen zu.

Die Internetprovider hingegen müssen auch weiterhin von der Substanz leben. Knapp 200 Mill. Euro Cash flossen im vergangenen 2001 bei Europas führendem Internetprovider T-Online im operativen Geschäft aus der Kasse.

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