Sinkende Risikoaufschläge lassen auch konservative Investoren wie Pensionsfonds zugreifen
Knappes Angebot macht südamerikanische Anleihen attraktiv

Anleihen aus Schwellenländern sind weiter gefragt. Gemessen am JP-Morgan-EMBI+-Index bieten die Anleihen von Schwellenländern derzeit noch gut sechs Prozentpunkte mehr Rendite als US-Staatsanleihen.

SAO PAULO/BUENOS AIRES. Anfang des Jahres lagen die Riskoaufschläge noch bei 7,6 Prozentpunkten. In den vergangenen zwei Wochen entwickelten sich neben türkischen Anleihen die Hochzins-Bonds der drei südamerikanischen Länder Brasilien, Ecuador und Venezuela gut. Anleger greifen zu den Emerging-Markets-Bonds, weil sie auf der Suche nach höheren Renditen sind.

Analysten sind aber nicht sicher, wie lange die Hochstimmung anhält. Für die Stabilität Südamerikas sprechen weiter steigende Rohstoffpreise sowie in einer Reihe wichtiger Länder eine marktfreundliche Wirtschaftspolitik mit beachtlichen Resultaten.

In Brasilien zum Beispiel, nach wie vor Top-Favorit der Emerging- Markets-Anleger, legt die Regierung ein schnelles Tempo bei wichtigen Reformen vor. Gleichzeitig ließen hohe Ausfuhren das Defizit in der Leistungsbilanz auf 1 % der Wirtschaftsleistung schrumpfen. Und der Real steigt seit zehn Wochen gegenüber dem Dollar.

Abgesehen davon profitiert Brasilien am stärksten von dem Effekt steigender Nachfrage in einem kleinen Markt: Seit rund einem Jahr gehen Mexiko, Brasilien, Venezuela und Russland, die 70 % der Anleihen aller Emerging-Markets-Bonds emittiert haben, kaum noch auf den Markt. "Die Kurse brasilianischer Anleihen werden weiter steigen, weil es keine Alternativen für renditehungrige Investoren gibt", meint Arturo Porzecanski von ABN Amro. "Bulgarien oder Kolumbien sind kaum sicherer, aber bringen weit weniger Renditen." UBS-Warburg-Fachmann Michael Gavin schätzt, dass Brasilien-Anleihen dieses Jahr noch 10,7 % an Renditezuwachs bringen werden, und erhöht seine Jahresrenditeprognose von 19,8 % auf 36 %.

In Ecuador sorgen hohe Ölpreise und die marktfreundliche Politik des neuen Präsidenten Lucio Gutierrez derzeit für gute Stimmung.

Einhellig gewarnt wird vor Venezuela-Anleihen: Gavin hat die Renditeerwartung für dieses Jahr von plus 7 % auf minus 14 % reduziert. Trotz hoher Ölpreise, ausreichender Devisenreserven und risikobereiten Investoren rechnet kaum jemand damit, dass die Regierung unter Hugo Chávez an einer Lösung der tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise interessiert ist.

Nach wie vor schlecht sieht auch die Lage in Argentinien aus. Das Ergebnis des ersten Wahlgang entspricht nicht dem Wunschdenken der Märkte. In die Stichwahl zieht neben Ex-Präsident Carlos Menem, der eine schnelle Umschuldung mit geringen Verlusten anstrebt, auch der Kandidat des regierenden Präsidenten Eduardo Duhalde, Nestor Kirchner, der die Schuldenverhandlungen weiter hinauszögern und den Gläubigern außerdem größere Verluste abverlangen dürfte.

Walter Molano von BCP Securities sieht eine "schwierige Übergangsperiode". Sinkende Risikoaufschläge brächten andere Anleger auf den Markt: "Die Hochrisiko-Investoren aus den Banken, welche den Markt die letzten fünf Jahre bewegt haben, steigen aus, und risikoscheue Investoren wie Pensionsfonds und Versicherer steigen ein." Weil diese Investoren jedoch die lokalen Märkte nicht so gut kennen würden, könnten sie bei einem erneuten Schock panisch reagieren und einen abrupten Kursverfall auslösen. "Emerging-MarketsVeteranen wissen: Die nächste Krise lauert um die Ecke", warnt Molano.

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