Sinkende Verkaufszahlen in Amerika könnten den weltgrößten Diamantenkonzern deutlich belasten
De Beers dürfte im Jahr 2001 weniger glänzen

Nach dem Rekordjahr 2000 sieht die Zukunft für de Beers nicht ganz so strahlend aus. Die Unsicherheit über die Entwicklung der US-Konjunktur macht die Amerikaner weniger spendabel. Das belastet den südafrikanischen Konzern, da mehr als 50 % aller verarbeiteten Diamanten in den USA abgesetzt werden.

KAPSTADT. Die Weigerung des weltgrößten Diamantenkonzerns De Beers, die für dieses Jahr erwarteten Verkaufszahlen an Rohdiamanten vorherzusagen, hat offenbar einen guten Grund: Laut einer vom International Council of Shopping Centres vorgelegten Studie sind die Absatzzahlen in amerikanischen Einkaufszentren im letzten Jahr um 8 % gegenüber 1999 gefallen. Der Verkauf von Schmuck fiel sogar um mehr als 22 %.

Für De Beers ist dies vor allem deshalb von großer Bedeutung, weil gegenwärtig fast die Hälfte aller verarbeiteten Diamanten in den USA abgesetzt werden. Japan folgt abgeschlagen auf Platz zwei. Sollten die Verkäufe in den USA auch Anfang dieses Jahres hinter den Erwartungen zurückbleiben, dürfte das Jahr 2001 für De Beers eher enttäuschend beginnen. De Beers-Chef Gary Ralfe hatte erst Mitte Dezember erklärt, dass er nicht bereit sei, die Verkaufszahlen bis zum Ende der Weihnachtszeit vorauszusagen.

Analysten hatten dies auf die große Unsicherheit zurückgeführt, die derzeit auf den US-Börsen und der amerikanischen Wirtschaft lastet. Beobachter sind sich darüber einig, dass die Verbraucher in den USA nach dem Absturz der Technologiebörse Nasdaq zuletzt stark das Vertrauen verloren haben und weniger Geld ausgeben.

Dabei sind gerade die Vorweihnachtszeit und der Jahreswechsel für die Diamantenbranche von immenser Bedeutung: Etwa 40 % aller Geschäfte werden zwischen Ende November und Neujahr abgewickelt. Nachdem sich De Beers noch Ende November angesichts hoher Verkäufe optimistisch gezeigt hatte, ist das Weihnachtsgeschäft offenbar weit weniger gut verlaufen.

Besonders deprimierend war wohl vor allem das letzte Wochenende vor Weihnachten, als extrem schlechtes Wetter in den USA die Menschen von einem Besuch der Einkaufszentren abhielt.

Umsatzrekord im vergangenen Jahr

Ralfe hatte Ende 1999 erklärt, dass De Beers für das Jahr 2000 dieselben Zahlen wie im Vorjahr anstrebt. Die Ankündigung hatte Beobachter vor allem deshalb verblüfft, weil das Unternehmen nie zuvor solche Vorhersagen gemacht hatte. Ralfes Weigerung, in diesem Jahr erneut eine Prognose zu wagen, werteten Beobachter als Indiz dafür, dass die Weihnachtsverkäufe wegen der allgemeinen Unsicherheit diesmal viel schwerer vorherzusagen sind.

Ralfes Prognose aus dem Vorjahr hat sich übrigens bewahrheitet. 112 Jahre nach seiner Gründung auf den Diamantenfeldern um Kimberley ist De Beers heute größer und reicher als zuvor: Nachdem der Umsatz bereits 1999 um 57 % auf die neue Rekordmarke von 5,24 Mrd. Dollar geschnellt war, steigerte ihn de Beers 2000 auf 5,67 Mrd. Dollar.

Profitiert hat die Firma dabei von ihrem Quasi-Monopol im Diamantenmarkt: Obwohl der Einfluss in den letzten Jahren zurückgegangen ist, produziert De Beers auf seinen überwiegend in Südafrika gelegenen Minen noch immer rund 50 % aller weltweit geschürften Rohdiamanten. Russland folgt mit 25 % an zweiter Stelle. Daneben hat die von De Beers kontrollierte Diamond Trading Company (DTC) einen Gutteil der unabhängigen Explorateure und einige staatlicher Bergbaugesellschaften vertraglich an sich gebunden. Heute vermarktet die DTC rund zwei Drittel aller weltweit produzierten Rohdiamanten.

Daneben ist es De Beers wegen der hohen Nachfrage im letzten Jahr gelungen, den eigenen Vorrat an Rohdiamanten, der 1998 auf die Rekordhöhe von 4,8 Mrd. $ gestiegen war, stark zu reduzieren. Nachdem die Lager noch Ende 1999 mit Steinen im Wert von rund 4 Mrd. $ gefüllt waren, sind die Vorräte inzwischen auf 2,7 Mrd. $ gefallen und liegen damit nur noch geringfügig über dem von der Firma angestreben Niveau von 2,5 Mrd. $.

Sollte die Nachfrage weiter anhalten, prophezeit die Firma für die nächsten Jahren einen rascheren Preisanstieg als im vergangenen Jahrzehnt. Bislang wurden die von De Beers überall auf der Welt aufgekauften Edelsteine in den Vorratslagern der DTC gehortet und bei einem Anziehen der Nachfrage vorsichtig in den Markt geschleust. Diese künstliche Verknappung, die seit mehr als sechs Jahrzehnten einen Absturz des Diamantenpreises verhindert, will De Beers im Rahmen der strategischen Neuausrichtung beenden.

Schmuckverarbeitung als neuer Schwerpunkt

Um neue Absatzquellen zu erschließen, will das Unternehmen verstärkt in der Schmuckverarbeitung aktiv werden. De Beers will bis Ende Februar Einzelheiten über den geplanten Verkauf von Diamanten und Schmuck unter dem eigenen Markennamen bekannt geben. Das Sortiment zielt offenbar auf das obere Marktsegment und soll in prestigeträchtigsten Shops in bester Lage offeriert werden. Bisher hat sich De Beers auf den Vertrieb von ungeschliffenen Diamanten beschränkt.

Der Verkaufsrekord im Vorjahr dürfte erklären, weshalb De Beers an der Johannesburger Börse 2000 nur vom boomenden Platinsektor geschlagen wurde. Die Aktie ging mit 175 Rand in das Jahr, fiel auf 130 Rand und wird seit Anfang Oktober bei über 200 Rand gehandelt.

Kurssteigernd wirkten auch Hoffnungen, dass De Beers die Verbindung mit dem Beteiligung Bergbauhaus Anglo American lösen könnte. Anglo besitzt 32 % an De Beers, der 35 % an Anglo hält. Einige Analysten erwarten deutlichen Mehrwert bei einer Entflechtung. Momentan benutzt De Beers das Aktienpaket an Anglo aber als Sicherheit für Bankredite bei Absatzsproblemen im Diamantengeschäft. Eine Auflösung der Kreuzverbindung wird daher nur auf längere Sicht erwartet.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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