Sinkende Werbeeinnahmen: Pro Sieben Sat1 erleidet Gewinneinbruch

Sinkende Werbeeinnahmen
Pro Sieben Sat1 erleidet Gewinneinbruch

Deutschlands größter TV-Konzern Pro Sieben Sat1 hat vor allem wegen sinkender Werbeeinnahmen im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch von fast 80 Prozent verzeichnet. Eine Erholung des Werbemarktes erwartet der Konzern frühestens für die zweite Hälfte des Jahres 2003.

Reuters MÜNCHEN. Die Sendergruppe könne mit dem Geschäftsverlauf 2002 nicht zufrieden sein, habe aber mit Einsparungen frühzeitig auf den schwachen Werbemarkt reagiert, erklärte Konzernchef Urs Rohner am Mittwoch. Der Gewinn nach Steuern brach auf 15 Millionen Euro von 68 Millionen Euro im Vorjahr ein. Der Umsatz fiel um sechs Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro und entwickelte sich damit besser als der Markt, der Schätzungen der Senderfamilie zufolge um acht bis zehn Prozent schrumpfte. Eine konkrete Prognose für 2003 wollte Rohner nicht wagen. Der Konzern strebe deutliche Verbesserungen der "Performance" in 2003 und den Folgejahren an.

Die im MDax gelisteten Aktien notierten im frühen Handel unverändert bei 6,06 Euro. Insgesamt lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen der Analysten, die im Durchschnitt mit einem Gewinn von sieben Millionen Euro und einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro gerechnet hatten.

Sat1 und N24 weiter in den roten Zahlen

"Die Pro Sieben Sat1-Gruppe hat ihre Profitabilität im Jahr 2002 unter schwierigsten Bedingungen unter Beweis gestellt", sagte Rohner. Von den vier Sendern schreiben Sat1 und der Nachrichtensender N24 aber immer noch Verlust. Der Konzern hatte seine Prognose für 2002 mehrmals nach unten korrigiert und zuletzt ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 140 und 160 Millionen Euro prognostiziert. Das tatsächliche Ebitda lag mit 134 (Vorjahr: 225) Millionen Euro noch darunter. Rohner hatte aber bereits im Dezember gewarnt, Pro Sieben Sat1 könnte seine Gewinnprognosen verfehlen.

Der Münchner Konzern, der wegen der Insolvenz seiner Muttergesellschaft KirchMedia bald einen neuen Mehrheitsgesellschafter bekommen wird, teilt sich den deutschen Privatfernsehmarkt mit der RTL Gruppe. Die Bertelsmann-Tochter verbuchte in ihrem Kernmarkt Deutschland ebenfalls einen Umsatzrückgang im vergangenen Jahr, nahm dem Konkurrenten mit der Erfolgssendung "Deutschland sucht den Superstar" aber Marktanteile ab. Die Quote der Sender Pro Sieben, Sat1, Kabel 1 und N24 bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern sank 2002 auf 28,1 Prozent von 30,1 Prozent.

Wegen des weiter schwachen Werbemarktes kann Pro Sieben Sat1 eine Verbesserung des Ergebnisses nur durch Sparmaßnahmen erreichen. Trotz der Kosten für die Fußball-Weltmeisterschaft sank der Programm- und Materialaufwand im vergangenen Jahr schon um zwei Prozent auf 1,378 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will Pro Sieben Sat1 vor allem die Preise der teuren Sportrechte drücken, wie zum Beispiel für die Fußball-Bundesliga. "Das ist die entscheidende Frage - inwieweit kann ProSieben noch seine Programmkosten senken ohne weiter Zuschaueranteile zu verlieren", sagte Jan Herbst, Analyst bei Sal. Oppenheim.

Eine Erholung der Werbeeinnahmen, die mehr als 90 Prozent der Umsätze von Pro Sieben Sat1 ausmachen, erwartet Rohner frühestens für die zweite Jahreshälfte 2003. Das erste Quartal werde im Werbemarkt noch schwächer als im Vorjahr ausfallen. "Während beispielsweise in Großbritannien und in den USA die Werbeinvestitionen allmählich wieder steigen, hat Deutschland die Talsohle noch nicht erreicht", hieß es in der Mitteilung. Die Aussicht für das Gesamtjahr bleibe unsicher. Unklar sei vor allem, welche Folgen ein Irak-Krieg für das Konsumklima hätte.

Einstieg bei Kirch-Media-Filmrechtehandel wird geprüft

Die Senderfamilie prüft nach den Worten von Vorstandschef Urs Rohner eine Minderheitsbeteiligung an dem zum Verkauf stehenden Filmrechtehandel ihrer insolventen Muttergesellschaft KirchMedia. "Es gibt Gespräche darüber, Entscheidungen sind aber noch nicht gefallen", sagte Rohner am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Ziel sei, die Programmversorgung langfristig zu sichern. Bei einem Einstieg müsse Pro Sieben Sat1 aber keine zusätzlichen Finanzierungsmaßnahmen ergreifen, betonte er.

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