Sinkende Zeitungsauflagen schlagen durch
Papierbranche bleibt unter Druck

Nordeuropas Papierkonzerne leiden unter der Konjunkturflaute. Anleger müssen derzeit vor allem eines besitzen: Geduld. Das ist der Rat der meisten Branchenfachleute.

STOCKHOLM. Jedes Blatt Papier hat zwei Seiten. Davon können die großen Forst- und Papierkonzerne nicht nur in Nordeuropa ein Lied singen. Unter der Konjunkturflaute leiden vor allem die Konzerne, die sich stark auf die Produktion von Zeitungspapieren spezialisiert haben. Weil die meisten großen Verlage einen dramatischen Rückgang im Anzeigenaufkommen und eine Stagnation der Auflagen verzeichnen, haben sie die Umfänge ihrer Zeitungen und Zeitschriften verringert. Damit ist die Nachfrage nach Zeitungspapier gesunken, was sich auf die Rentabilität der Papierhersteller negativ niederschlägt.

Für Anleger keine aufmunternde Lektüre: Der Kurs der finnischen Stora Enso-Aktie hat seit Jahresbeginn um 7 % nachgegeben, bei den Konkurrenten UPM Kymmene und M-Real sieht es nicht besser aus. Die Unternehmen aber, die einen breiteren Produktmix anbieten, werden die Krise mit deutlich geringeren Blessuren überstehen, wie Catarina Ihre, Forstanalystin bei Nordea in Stockholm glaubt. Zu ihnen zählt sie die schwedische SCA.

"Von der niedrigen Papiernachfrage sind vor allem der norwegische Konzern Norske Skog sowie der schwedische Konkurrent Holmen und die finnische Stora Enso betroffen", sagt Ihre. Bei der Vorlage der Jahresergebnisse Anfang des Jahres wurde die Krise besonders deutlich: "Wir unternehmen alles in unserer Macht, um weiteren Preisverfall bei Zeitungs- und Magazinpapieren zu stoppen. Die Nervosität auf beiden Seiten des Verhandlungstisches ist aber sehr groß", gab der Chef von UPM Kymmene, Juha Niemelä, zu und musste, wie seine Kollegen bei anderen Papierriesen, Gewinnrückgänge präsentieren.

Im laufenden Jahr kostet eine Tonne Zeitungspapier rund 465 Euro. Das sind etwa 10 % weniger als im vergangenen Jahr. Trotz Kapazitätsdrosselungen sinkt der Zeitungspapierpreis seit drei Jahren.

Für die Papierindustrie in Nordeuropa war 2002 nach Meinung vieler Analysten ein verlorenes Jahr. Dieser nach der Telekom-Industrie zweitwichtigste Wirtschaftsfaktor im hohen Norden wird auch 2003 "mit einigen Problemen zu kämpfen haben", wie sich Analystin Ihre ausdrückt. "Außerdem wird die Branche durch den Irak-Krieg gestört", so ein anderer Stockholmer Analyst. Mehrere der großen Papierkonzerne werden seiner Auffassung nach schwächere Ergebnisse als im vergangenen Jahr erzielen.

Eine konkrete Aktienempfehlung will derzeit kein Analyst abgeben. Ein Lichtblick ist möglicherweise SCA aus Schweden. Der Konzern hat sich auf Hygienepapiere wie Windeln und Binden spezialisiert. Das ist ein Markt, der weniger stark von konjunkturellen Schwankungen abhängig ist. Tatsächlich konnte SCA als einziger der großen nordeuropäischen Papierkonzerne mit einem Vorsteuerergebnis für 2002 von 8,1 Mrd. Kronen ((880 Mill. Euro) das Niveau des Vorjahres halten. "SCA ist unser Favorit", erklärt Analystin Ihre und prognostiziert auch für das laufende Jahr einen Gewinn auf dem Niveau der beiden Vorjahre. Die Börse hat es nicht belohnt: Auch die SCA-Aktie gab seit Jahresbeginn um 7 % nach.

Vor einigen Jahren kauften sich die nordeuropäischen Papierriesen bei amerikanischen Konkurrenten ein. Jetzt ist die Zeit nach Meinung von Experten reif für eine weitere Konsolidierung. Der stellvertretende Chef des amerikanischen Forstwirtschaftsverbandes, James Melican, hält Paarungen wie etwa SCA und Georgia Pacific sowie Stora Enso und International Papers für denkbar. Für Ihre ist das eine logische Entwicklung: "Der US-Markt hat sich erholt, die Konzerne führten Sparmaßnahmen durch und stehen heute sehr viel besser da als noch vor ein paar Jahren", sagt sie.

Papier ist geduldig. Das werden auch die Anleger sein müssen, denn ein Aufschwung der Branche ist nach Meinung nahezu aller Experten allerfrühestens "gegen Ende des Jahres" zu erwarten.

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