Sinkendes Gewicht im Dax belastet Eon-Aktie
Dax findet Weg zurück in die Gewinnzone

Die deutschen Standardwerte sind am Donnerstag freundlich aus dem Handel gegangen. Der Dax gewann 0,6 % auf 5 276,87 Stellen. Der Index zeigte sich im Verlauf sehr volatil. Händler erklärten dies mit dem bevorstehenden großen Verfallstermin am Freitag. "Da wird hektisch gehandelt, um richtig positioniert zu sein", so ein Beobachter.

vwd/tmo FRANKFURT. Schon am Vortag habe man große Stimmungsschwankungen beobachten können. Im Anschluss an einen freundlichen Morgen drehte der Index am Nachmittag nach Veröffentlichung von US-Daten zeitweise ins Minus.

Die Zahlen seien im Großen und Ganzen "in line" ausgefallen, so ein Händler. Allerdings seien die Lagerbestände etwas enttäuschend. Doch nach dem kurzen Einbruch erreichte der Dax wieder sein vorheriges Niveau. Das Plus sei in erster Linie eine technische Reaktion gewesen, hieß es. Ein Marktteilnehmer sieht für den Dax einen Widerstand bei 5 300 Stellen. Eine wichtige Unterstützung liege im Bereich 5 240/50 Zähler, der Trendgeraden. Dieser Bereich sei getestet worden und habe gehalten, so dass die gültige Tradingrange von 5 250 bis 5 300 Stellen weiter intakt sei.

Mit einem "Kampf um die 16- und 17-Euro-Marke in Telekom" rechnen Händler für den Verfallstermin am Freitag. Die Interessengruppen, die die Deutsche Telekom über 17 Euro oder unter 16 Euro sehen wollten, seien relativ gleich groß. "Das wird spannend", so der Händler weiter. Auffallend sei derzeit eine hohe Nachfrage nach 16-Euro-Puts, die nur noch am Freitag laufen. "Die Daten sollten aber nicht überinterpretiert werden", sagte der Händler: "Portfolio-Anpassungen vor Verfall verzerren alles". Die T-Aktie ging unverändert bei 16,89 Euro aus der Sitzung.

Die Ankündigung der Zusammenarbeit von Vodafone und Deutscher Telekom bei Zahlungssystemen für Mobiltelefone wurde von einem Beobachter für beide Seiten als "leicht positiv" beurteilt. Diese Form der Zusammenarbeit von Netzbetreibern, Ausrüstern und anderen Mitgliedern der Branche sei unvermeidlich, sagte ein Analyst. Offen sei nur gewesen, wer sich zuerst dazu entschließe.

Ein möglicherweise kräftiger Rückgang des Gewichts im Deutschen Aktienindex (Dax) setzte gestern die Eon-Aktie unter Druck. Die Titel des Energieriesen waren mit einem Minus von 1, 2% Tagesverlierer im Dax. Nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Börse verringert sich das Gewicht Eons im wichtigsten deutschen Kursbarometer von 5,96 % auf nur noch 5,36 % (Tabelle unten). Ein Sprecher der Deutschen Börse sagte, die niedrigere Gewichtung sei darauf zurückzuführen, dass die Anzahl der ausgegebenen Aktien von Eon abgenommen habe. Im November hatte Eon nach eigenen Angaben rund 76,3 Mill. eigene Aktien zurückgekauft. Die endgültige Dax-Gewichtung, die auf Basis der heutigen Schlusskurse berechnet wird, soll am Samstag bekannt geben werden. In Kraft treten die Änderungen am Montag.

Zu den Aktien im Blickpunkt zählten auch BASF. Der Konzern hatte am Morgen Zahlen vorgelegt, die die Erwartungen der Analysten leicht übertrafen. Der Ausblick sehe jedoch auf den zweiten Blick etwas verhalten aus, sagte ein Beobachter. Die Aktie notierte 0,9 % fester bei 46,22 Euro. Degussa legten ebenfalls um 0,9 % auf 34,95 Euro zu. Ein Analyst sah dafür drei mögliche Gründe: Zum einen profitiere der Wert von positiven Analystenkommentaren vom Vortag. Zudem sei der Chemiesektor nach den Zahlen von Bayer und BASF etwas im Aufwind. Und drittens seien die Spekulationen, MAN oder Degussa könnten im Dax durch Altana ersetzt werden, mittlerweile nicht mehr im Markt.

Hinter dem Anstieg der Versicherer Allianz und Münchener Rück sahen Händler zwei Gründe. Zum einen hätten die Zahlen von AXA die reduzierten Erwartungen erfüllt. "Dabei ist es positiv, dass die Belastungen seit der Gewinnwarnung vom Dezember nicht mehr gestiegen sind", sagte ein Beobachter. Zum anderen hat ein Sprecher der US-Tochter von Swiss Re die Erwartung geäußert, dass ein US-Gericht die Anschläge auf das World Trade Center (WTC) zu einem Versicherungsfall statt zweien erklären wird. Das senke die Belastung. "Nachdem die Technologiewerte wieder enttäuschen, gibt es zudem eine Sentimentverbesserung für den gesamten Finanzsektor", hieß es.

Mit dem Kursanstieg am Vortag ist der fast dreijährige Abwärtstrend bei Daimler-Chrysler beendet worden. Wenngleich die fundamentalen Unwägbarkeiten bei Chrysler oder Mitsubishi noch keineswegs aus der Welt seien, technisch scheine die Wende geschafft, ist der technische Analyst Wieland Staud überzeugt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser "bestechenden Entwicklung" weitere nachhaltige Impulse anschlössen, sei ziemlich groß. Das schließe zwar nach dem jüngsten Aufschwung des Kurse mögliche Verschnaufpausen nicht aus, berühre die positive Hauptrichtung jedoch kaum. Das Nahziel beim Kurs liegt laut Staud nun bei 58 Euro. Daimler-Chrysler verbesserten sich um 1,6 % auf 50,95 Euro. Zu den Tagesgewinnern zählten auch MLP. Die Aktien des Finanzdienstleisters profitierten davon, dass die Beteiligungsstruktur weiter vereinfacht werden soll.

Die Verluste bei Metro und bei Karstadt-Quelle werteten Händler als Nachwirkungen der Daten zum US-Einzelhandelsumsatz vom Vortag. "Das hat bereits am Mittwoch den Sektor gedrückt", hieß es. Die Daten zum Lagerbestand vom Donnerstag unterfütterten das negative Bild. Metro sanken um 0,2 % auf 39,22 Euro, und Karstadt fielen um 3,2 % auf glatt 39 Euro. Escada legten bei hohen Umsätzen kräftig zu und verteuerten sich um 8,6 % auf 24,00 Euro. Ein Händler nannte als Grund für den Kursanstieg den positiven Kommentar der Deutschen Bank vom Vortag. Die Analysten hatten die Aktie zum Kauf empfohlen und ein Kursziel von 32 Euro genannt.

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