"Sippenhaft für Technologiewerte"
Analystenstimmen zu Microsoft

DÜSSELDORF. "Microsoft haben wir schon seit April nicht mehr auf der Kaufliste". Die aktuelle Einschätzung des Software-Unternehmens durch Emil Heppel, US-Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, fällt eindeutig aus. "Privatanleger, die ein mittelfristig interessantes Investment suchen, sollten bei dieser Aktie nicht aktiv werden", sagte Heppel im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Das Ertragswachstum ist zu schwach, in Relation zu den Unternehmensaussichten ist die Aktie zu teuer". Der Microsoft-Kurs habe in den letzten Wochen einen Anstieg von 50 auf 70 Euro "sehr schnell" bewältigt, so Heppel, nach dem Einbruch aufgrund der Gewinnwarnung stehe er bei derzeit bei rund 58 Euro, was aber nicht als Kaufkurs bzw. Einstiegssignal zu werten sei. "Die Wachstumsaussichten sind begrenzt, außerdem fehlt die Fantasie", sagte Heppel. Betrachte man sich die derzeitigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Aktien der US-Software- und Hardware-Hersteller, so seien diese "zwar relativ niedrig bewertet".

Doch die Technologiewerte seien erstens stark zyklisch ausgerichtet, zweitens ergäben sich angesichts der fundamental schlechten Aussichten beim PC-Absatz keine größeren Kurschancen in der nahen Zukunft, sagte der Analyst. Sehr spekulativ orientierten Anlegern, die in Microsoft investieren möchten, empfiehlt Heppel, sich möglicherweise nur bis Februar/März zu engagieren. Für die ersten drei Monate rechnet die BG Bank zwar durchaus mit einer Aktienrally an den US-Börsen, sieht den Microsoft-Kurs "aber nur begrenzt steigen".

Auch die Analysten von J.P. Morgan und Goldmann Sachs blieben in ihren letzten Microsoft-Bewertungen eher pessimistisch gestimmt. Das US-Investmenthaus J.P. Morgan hielt zwar am in seiner Einschätzung vom 11. Dezember an der Einstufung "Kaufempfehlung" und einem Kursziel von 86 $ fest, wies jedoch bereits auf den schwächelnden Markt für PC-Zubehör hin. Für die Erlöse aus dem Verkauf von Windows ME wie auch Windows 98 im Geschäftsjahr 2001 hatten die Analysten daraufhin ihre Schätzungen deutlich gesenkt. Goldmann Sachs hatten am gleichen Tag ihre Ergebniserwartungen für Microsoft nur leicht gesenkt. Die Einstufung als "Market Outperformer" wurde aufrecht erhalten, obwohl es deutliche Anzeichen gab, dass sich die PC-Nachfrage beim Einzelhandel abschwächen würde. Begründung: Der Konzern erwirtschafte nur 10 % des Gesamtgewinns durch durch den Verkauf von Personalcomputern.

Ausgelöst von der Microsoft-Gewinnwarnung führten deutsche Technologiewerte heute bis zum frühen Nachmittag die Liste der Verlierer im Aktienindex Dax an. Spitzenreiter waren SAP mit einem Verlust von rund 6 %, Siemens und Infineon verloren über 2,5 %. Marktteilnehmer sprachen von Anzeichen einer "Sippenhaft für den Technologiesektor". Auch an den asiatischen und europäischen Börsen gaben die Aktien von Microsoft heute deutlich nach.

Die Gewinnwarnung von Microsoft sei die erste des Konzerns seit zehn Jahren, sagte Lex Werkheim, Fonds-Manager bei Eureffect. "Das ist nicht gut für die Stimmung." Dennoch sei die Senkung der Umsatz- und Gewinnerwartung bei Microsoft nach den Gewinnwarnungen der Computerhersteller Dell, Compaq und Hewlett-Packard keine Überraschung. Nun müsse man sehen, ob die Microsoft-Aktien im US-Aktienmarkt isoliert seien oder ob alle US-Technologiewerte davon belastet würden. Die am Donnerstag veröffentlichten Ergebnisse von Oracle, die besser als erwartet ausgefallen waren, könnten positiv dagegen wirken, so Werkheim.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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