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Sir Geoffrey Mulcahy: Der besessene Heimwerker

Was Mick Jagger im Rock-Business ist, ist Sir Geoff im britischen Einzelhandel. Beide haben ihre Branche über Jahrzehnte geprägt, beide denken nichts ans Aufhören.

LONDON. Sir Geoffrey Mulcahy gehört noch nicht zum alten Eisen. Mit dem Einstieg bei der deutschen Baumarktkette Hornbach ist dem 59-Jährigen ein echter Coup gelungen.

Jetzt hat der Chef des britischen Handelskonzerns Kingfisher nicht nur einen Fuß auf dem deutschen Markt. Was Sir Geoff besonders freut: Er hat im Bietergefecht um Hornbach den Weltmarktführer für Heimwerkerbedarf, den US-Riesen Home Depot, aus dem Feld geschlagen. Kingfisher ist jetzt in Europa Nummer eins.

Es wurde aus höchste Zeit: Angesichts der schwachen Performance der Kingfisher-Aktie stand Mulcahy seit Monaten in der Kritik. Institutionelle Investoren fragten bereits öffentlich, ob der grauhaarige Manager, der seit 19 Jahren an der Spitze von Kingfisher steht, noch der richtige Mann am richtigen Ort ist.

Kummer ist Sir Geoff gewöhnt. Als im vorigen der Gewinn von Kingfisher einbrach, hielt man ihm vor, zu lange an der unübersichtlichen Führungsstruktur festgehalten zu haben. Damals war Kingfisher noch ein Sammelsurium von Einzelhandelsaktivitäten, mit Warenhäusern (Woolworth), einer Drogeriemarktkette (Superdrug), Elektronikfachmärkten (darunter die deutsche ProMarkt) und Baumärkten. Mulcahy, der als unglaublich geduldig gilt, gab dem Druck der Märkte schließlich nach langem Zögern nach.

Sir Geoff ist kein begnadeter Redner

Konzentration aufs Kerngeschäft lautet die neue Strategie: Das Drogeriegeschäft verkaufte er in diesem Jahr an die holländische Kruidvat, Woolworth gliederte er aus und brachte die Warenhäuser an die Börse. Die Erlöse aus dem Verkauf von Immobilien eingerechnet hatte Kingfisher danach rund 1,1 Mrd Pfund (umgerechnet 1,8 Mrd Euro) in der Kasse. Mit einem Teil des Geld wird nun der Einstieg bei Hornbach finanziert. Gleichwohl haben sich die Gemüter in der Londoner City noch nicht beruhigt. Dass Sir Geoff kein begnadeter Redner ist und Sätze häufig nicht zu Ende spricht, damit haben sich Analysten abgefunden. Dass er keinen Wert auf Statussymbole legt und seine Anzüge selbst von wohl meinenden Stimmen als "lousy tailored" (miserabel geschnitten) verrissen werden, macht ihn in der geschniegelten Londoner Geschäftswelt beinahe sympathisch.

Doch regelrecht übel nimmt man ihm, dass er offenbar unfähig ist, zu delegieren. Sein autokratischer Führungsstil und sein ausgeprägtes Misstrauen haben bei Kingfisher zu einem beängstigend hohen Verschleiß an Managern geführt. Mit dem Ergebnis: Ein Nachfolger für ihn ist weit und breit nicht in Sicht. Ein vorzeitiger Rücktritt aber kommt für Sir Geoff nicht in Frage. "Er verwaltet Kingfisher wie seinen Privatbesitz", lästert ein Investor.

Der Chef hat einen 13-Stunden-Tag

Bei Kingfisher verordnet sich der Chef einen 13-Stunden-Tag, samstags werden die Märkte besucht. Er ist verheiratet, lebt aber von seiner Frau getrennt. "Selbst auf dem Sterbebett werde ich es nicht bereuen, so viel gearbeitet zu haben", sagt Mulcahy in tiefster Überzeugung. Eine Lanze für den besessenen Boss bricht sein Chairman John Banham. Mulcahy habe in zwei Jahrzehnten enormen Mehrwert für die Aktionäre geschaffen. Gerade jetzt, wo sich die Baumarkt-Branche europaweit konsolidiere, seien seine zahllosen Kontakte Gold wert.

Ist Arbeit für Mulcahy Sucht, steht das Segeln für Passion. Am liebsten segelt er Regatten. Sir Geoff gilt zudem als Fan der jungen Einhand-Weltumseglerin Ellen MacArthur, die von Kingfisher gesponsort wird.

Eine seiner zwei Yachten hat Mulcahy "No comment" getauft. Sinn für Humor ist dem kauzigen Briten wahrlich nicht abzusprechen.

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