”Sir Huckleberry” belohnt Verlierer
Vorfreude aufs Unglück

Egal ob Diesel im Benziner, Scheidung innerhalb der ersten beiden Ehejahre oder Emissionspleite - Knut Eicke kennt alle dieser Widrigkeiten. Seine Firma "Sir Huckleberry" hat ein Herz für Verlierer - und versichert gegen jegliche Unbill.

Wer sich auf der Homepage www.sirhuckleberry.com für 28 Euro eine Police gegen Pech im Lotto kauft, kann nach einem Jahr 10 000 Euro kassieren. Vorausgesetzt, er hat mit einer gleich bleibenden Zahlenreihe 52 Wochen nie mehr als eine richtige Zahl. Die Chance, die Verliererprämie zu kassieren, ist nach Berechnungen von "Sir Huckleberry" rund 2 000 mal höher als die Aussicht auf einen Sechser beim Spiel "Sechs aus 49".

Auch für Börsianer, die mit dem Schlimmsten rechnen, hält Eicke ein kleines Trostpflaster bereit: Im Falle eines Börsencrashs bekommen die enttäuschten Anleger von ihm bis zu 625 Euro. Allerdings nur, wenn der Index innerhalb eines Jahres um mehr als 75 Prozent abstürzt.

Die bizarr klingenden Versicherungen kosten zwischen 12 und 28 Euro. Dauerbrenner sind die Versicherungen gegen die Entführung durch Aliens oder gegen exorbitante Benzinpreis-Erhöhungen. Alle Policen sind so konstruiert, dass hohe Leistungen nur bei nicht manipulierbaren Sachverhalten ausgezahlt werden. Wäre am 1. Januar 2000 die Welt untergegangen, hätte Eicke dem dagegen Versicherten 300 000 DM zahlen müssen.

Was sich so lustig anhört, will die in Amsterdam ansässige Versicherung durchaus als ernsthaftes Geschäft verstanden wissen. Und mit dem wollen Eicker und seine vier festen Mitarbeiter nicht nur Spaß haben, sondern auch Geld verdienen. Deshalb müssen sie so manche originelle Anfrage ablehnen, z. B. nach einer Versicherung gegen "ungewolltes Singledasein" oder gegen "Nichteinlösung oder Verjährung von privaten selbsgebastelten Gutscheinen". "Das Geschäft ist durchaus profitabel, auch wenn große Versicherungen nur lachen bei den Summen, die wir bewegen", sagt Antje Mühle, Direktorin bei Sir Huckleberry.

Geschäftsmann Eicke ist übrigens keineswegs ein hölzerner Versicherungstyp. Der Schulschwänzer, Sitzenbleiber und Studienabbrecher Eicke kam zum Versicherungsgeschäft wie die Jungfrau zum Kinde. Eigentlich wollte er das Herz einer Frau erobern. Auf einem Londoner Golfplatz traf er seine Traumfrau: Um sie zu erobern, versprach er der Dame eine Million Dollar für einen Schlag in ein 200 Meter entferntes Loch. Die Chance auf einen Treffer lag bei 1:4 000, das Restrisiko wollte er bei der Versicherungsagentur "Lloyd?s" preisgünstig versichern lassen. Doch die Briten lehnten ab. Der Millionenschlag ging daneben, die Affäre leider auch. Doch Eicke hatte seine Marktlücke gefunden.

Eine Versicherung gegen Entführung durch Aliens mag in die Kategorie originelles Geburtstagsgeschenk fallen. Eine Versicherung gegen die Auflösung der Lieblingsband in Zeiten der One-Hit-Wonder-Bands ist hingegen gar nicht so abwegig. "Als die Mädchenband All Saints auseinanderbrach, mussten wir je nach Art der Versicherung 250, 400 oder 700 Mark Prämie zahlen", erklärt Antje Mühle.

Erst kürzlich konnten sich wieder einige deutsche Fußballfans ihre Prämie bei "sirhuckleberry.com" abholen. Denn gerade Anhänger notorischer Verlierermannschaften kommen bei "Sir Huckleberry" auf ihre Kosten - wenn ihr Verein auf Dauer sein schlechtes Niveau hält. "Schenken Sie sich oder Ihren Freunden eine Police dagegen, dass Ihr Lieblingsfußballclub in die 2. Bundesliga absteigt", fordert Eicke auf seiner Website www.sirhuckleberry.com auf. Bleibt zu hoffen, dass die 115 Euro-Prämie so manchem Freiburg-, FC Köln - oder St.Pauli-Fan ein Trost war.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%