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Sir Peter und die bösen Wölfe

Er sieht aus, wie ein Lord auszusehen hat: gepfleger Bart, gezierte Gesten, penibel gebundene Krawatte, Oxford-Akzent - englisch bis in die Seele eben. Doch kann so einer überleben in der Welt der Telekommunikation, in der jeder jeden frisst?

Bisher zumindest hält sich Sir Peter Bonfield noch im Sattel als Vorstandschef von British Telecom, wenn auch mühsam. Der Kurs von BT ist seit Monaten auf Talfahrt, der edle Lord wird gehetzt von der Meute der Analysten, der Presse, von Groß- und Kleininvestoren. Bisher kann sich Bonfield das Rudel vom Hals halten. Zwar ist er als ernannter Lord im Gegensatz zum alten Adel kein Reitersmann, zählt aber dafür Jogging zu seinen Hobbies.

Dabei kann man ihm nicht mal vorwerfen, er hätte keine Vision für BT gehabt: Statt Mehrheitsübernahmen strebte er Minderheitenbeteiligungen auf der ganzen Welt an. Vor allem in Asien ist der Konzern damit in vielen Märkten vertreten. Nur ist diese Strategie völlig aus der Mode: Wer nur ein paar Anteile hat, der hat nun mal wenig zu sagen.

Folge: In der Telekom-Branche sind Großfusionen gefragt. Die neuen Riesen haben dann genug Kapital, um sich kleinere Rivalen zu schnappen. Als Alternative bleibt dann nur noch der Börsengang von Tochterunternehmen, um so frisches Kapital zu holen. BT reagierte spät darauf, erst verhandelte man mit der spanischen Telefonica, dann mit AT&T - ohne Ergebnis.

Die Briten stehen nun allein da, durch den Fall des Aktienkurses mutiert zum Übernahmekandidaten. Sir Peter tritt trotzdem nicht ab: Ein Lord gibt eben nicht auf und steht die Krise mit steifer Oberlippe durch.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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