Situation im Land bleibt unübersichtlich: USA setzen in Bagdad auf Psychokrieg

Situation im Land bleibt unübersichtlich
USA setzen in Bagdad auf Psychokrieg

Für eine Eroberung Bagdads sind die US-Bodentruppen noch zu schwach, daher setzen die Alliierten auf psychologische Kriegsführung. Als die Amerikaner am Montag erstmals ins innerste Machtzentrum Bagdads vorstießen, ging es ihnen nicht um Geländegewinne, sondern um eine Demonstration ihrer Macht: Sie besetzten den Hauptpalast von Saddam Hussein am Westufer des Tigris und zerstörten eine Saddam-Statue. "Symbole des irakischen Machtsystems" seien angegriffen worden, sagte US-Militärsprecher Frank Thorp. Die Alliierten könnten sich nach Belieben in der Stadt bewegen und setzten so dem Regime und dem Volk ein "Signal" der amerikanischen Übermacht.

law/HB DÜSSELDORF. Die Iraker halten dagegen. Nachdem die Kämpfe im Tagesverlauf abgeflaut waren, kam es am Nachmittag zu schweren Kämpfen in Bagdad. Demonstrativ stellte sich Informationsminister Mohammed Said el Sahaf in Sichtweite von US-Panzern auf der anderen Seite des Tigris den Kameras und wies Erfolgsmeldungen der Alliierten zurück. Man habe die Amerikaner in den Palastanlagen eingekreist. "Die amerikanischen Söldner haben damit begonnen, zu Hunderten Selbstmord zu verüben", sagte Sahaf. Das irakische Fernsehen zeigte Bilder eines Treffens von Saddam mit seinem Kriegskabinett. Zu sehen ist darauf auch Saddams jüngerer Sohn Kusai. Ob es sich um aktuelle Aufnahmen handelt, ist ungewiss.

Mit etwas mehr Distanz beurteilte der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon den Kriegsverlauf. Außerhalb der Städte Basra und Bagdad biete sich ein "gemischtes Bild". Teilweise verlaufe der Krieg nicht so gut, wie britische und US-Truppen es vielleicht gewünscht hätten, räumte Hoon ein. Aber "wir wissen immer noch nicht sicher, wo sich Saddam Hussein oder seine Söhne aufhalten."

Tatsächlich ist die Lage unübersichtlich. Im Norden rücken kurdische Einheiten mit US-Spezialkräften auf Kirkuk vor. Im Süden übernahm das US-Militär nach eigenen Angaben die Kontrolle über Karbala. Doch sei es dort zu heftigen Gefechten mit paramilitärischen Einheiten gekommen. In Basra kontrollieren britische Truppen nach eigenen Angaben den größten Teil der Stadt. Nach britischen Angaben kam dort der Cousin Saddams, Ali Hassan el Madschid, um. Der Mann mit dem Spitznamen "Chemical Ali" war Militärkommandeur für den Südirak und soll 1988 den Giftgaseinsatz gegen Kurden im Nordirak verantwortet haben. Zudem behaupten die Alliierten, bereits 900 der 940 Ölquellen in den Feldern südlich von Bagdad zu kontrollieren.

Krieg wird in Bagdad entschieden

Der Krieg wird nach Meinung von Militärexperten aber in Bagdad entschieden. "Ich glaube, das war?s. Basra wird fallen, Bagdad wird fallen," sagt bereits Andrew Brookes vom Londoner Institut für Strategische Studien (IISS). Die USA setzten jetzt auf eine geduldige Strategie zeitlich begrenzter Operationen, heißt es in Washington. Die Vorstöße zielten auch auf die Psyche der Bürger ab, denen Schritt für Schritt die Übermacht der US-Streitkräfte vor Augen geführt werden solle. Gerade von den Schiiten unter den fünf Millionen Einwohnern erhoffe man sich Hinweise auf Widerstandszentren und Waffenverstecke. In den nächsten Tagen sei geplant, den Menschen via TV anhand von Land- und Stadtkarten das Ausmaß der alliierten Kontrolle vor Augen zu führen.

Vor allem das Pentagon bemüht sich, das Bild einer geordneten Übernahme zu zeichnen. Die Kommandeure vor Ort seien dabei, die Stadt "wie einen Kuchen" in Bezirke aufzuteilen, verlautet aus dem US-Verteidigungsministerium. Gepanzerte Einheiten und Spezialtruppen könnten dann in eine Sektion nach der anderen eindringen und den Widerstand brechen. Sobald ein Bezirk gesichert sei, solle die Versorgung mit Wasser und Elektrizität wieder hergestellt werden - umso die Einwohner auf die US-Seite zu ziehen. Die Realität sieht indes anders aus. Immer wieder geraten Zivilisten zwischen die Fronten, berichten Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes in Amman. "Bis zu hundert und mehr Verwundete" pro Stunde seien in Bagdad auf dem Höhepunkt der Kämpfe in die Krankenhäuser gebracht worden.

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