Sitz der neuen Firma ist Stockholm
Ericsson und Microsoft gründen Joint Venture für mobile E-Mails

Bill Gates will nach der Bauchlandung mit Windows CE in der drahtlosen Datenübertragung Erfolge landen.

afp STOCKHOLM. Es hat lang gedauert, doch nun muss sich die Konkurrenz nach Worten von schwedischen Telekommunikationsanalysten "warm anziehen". Gestern wurde das bereits im Dezember vergangenen Jahres angekündigte Gemeinschaftsunternehmen von Ericsson und Microsoft vorgestellt, das in den kommenden Monaten mobile Internetlösungen für eine ständig wachsende Zahl von Nutzern auf den Markt bringen will.

Der Weltmarktführer im Bereich Mobilfunk-Infrastruktur und der größte Software-Hersteller der Welt wollen mit dem neuen Unternehmen Ericsson Microsoft Mobile Venture AB Anwendungen entwickeln, die auf dem Produktsortiment der beiden Anteilseigner aufbauen. Die Firma mit Sitz in Stockholm gehört zu 70 % dem schwedischen Konzern, zu 30 % den Amerikanern und wird rund 100 Mitarbeiter beschäftigen. Die Konzerne nannten keine finanziellen Details. Die zeitliche Verzögerung wurde von Unternehmensvertretern mit der bis vor kurzem noch ausstehenden Genehmigung durch die EU-Wettbewerbshüter sowie 'steuerrechtlichen Einzelheiten" begründet.

Die Produkte des neuen Gemeinschaftsunternehmens werden PIN (Personal Information Management) genannt. Sie umfassen neben einem mobilen E-Mail-Programm auch Kalenderfunktionen und Positionierungsdienste, mit denen der Standort des Benuzters ausgemacht werden kann. Diese Dienste werden in Rettungsfahrzeugen, Taxis und von Speditionen eingesetzt. "Es gibt keinen Konkurrenten, der diese Breite an Lösungen anbieten kann", erklärte der Chef des neuen Unternehmens Ulf Avrin. Er rechnet bis Ende kommenden Jahres mit rund 200 Millionen mobilen Internet-Nutzern. Sein Unternehmen hat bereits Verhandlungen mit großen Mobilfunkbetreibern in Nordeuropa, Deutschland, Großbritannien, Holland und den USA eingeleitet. Schon Ende dieses Jahres sollen die ersten Produkte im Handel sein. An der Börse wurde die Vorstellung des neuen Unternehmens nicht honoriert. Der Ericsson-Kurs sank in Stockholm leicht.

Daneben wird Ericsson außerhalb des Joint Ventures dem US- Konzern seine WAP-Technik (wireless application protocol) zur Verfügung stellen. Der US-Riese liefert im Gegenzug eine Browser- Software, den Mobile Explorer, der den Internet-Zugang nahezu unabhängig vom verwendeten Protokoll mit dem Handy möglich macht. Diese Surf-Software wird im sogenannten Dual-Mode laufen, das heisst, sie kann sowohl WAP- wie auch HTML-Internet-Seiten lesen. Nach Einschätzung von Branchenkennern könnte diese Software die in den vergangenen Monaten fast hysterisch gefeierte WAP-Technik noch vor deren endgültigen Durchbruch gefährden.

Microsoft hatte in den vergangenen Jahren nach Meinung der meisten Fachleute auf dem Gebiet der drahtlosen Datenübertragung kräftig an Boden verloren. Das eigene, extra für die kleinen Hand- Computer entwickelte Betriebssystem Windows CE erwies sich als zu instabil. Mit Nokia, Motorola und Ericsson und Psion schlossen sich deshalb die größten Handy- und Palmtop-Hersteller der Welt zusammen und bildeten gemeinsam das Symbian-Konsortium, dass das Betriebssystem Epoc für die Integration in Handys weiterentwickelt. Ericsson will an der Symbian-Allianz weiter festhalten.

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