Skandal drücken Stimmung an der Wall Street
Erfolgsstorys werden Mangelware

Für Aktienanleger brechen schwere Zeiten an, denn auch vermeintlich sichere Branchen wie beispielsweise Unternehmen der Tabakindustrie haben mit Problemen zu kämpfen. Dennoch gibt es auch in der derzeitigen Krise auch Kaufgelegenheiten. Banken raten zu Gesundheits-Dienstleistern und Rüstungsgüterproduzenten.

NEW YORK. Vielleicht hätten die Aktienanleger am US-Markt einfach früher jemanden fragen sollen, der davon Ahnung hat. Denn nach Meinung vieler Anlageexperten könnten dem kränkelnden US-Aktienmarkt vor allem Unternehmen auf die Beine helfen, die mit professioneller Hilfe ihr Geld verdienen. Auf den Empfehlungslisten der großen US-Banken und Investmenthäuser stehen jedenfalls Aktien von medizinischen Versorgungsunternehmen und Gesundheits-Dienstleistern ganz oben. Und immerhin gehört der Sektor zu den wenigen Branchen, die im abgelaufenen dritten Quartal an der Wall Street besser als die breite Masse abgeschnitten haben.

"Wir empfehlen Gesundheitsaktien sowohl kurz- als auch langfristig orientierten Anlegern zum Kauf", sagt Thomas Galvin vom Bankhaus Credit Suisse First Boston (CSFB). Zu seinen Tipps gehören zurzeit Papiere des Pharmaproduzenten Cardinal Health und des weltgrößten Drogerieartikel-Herstellers Johnson & Johnson. "Der Sektor wirft relativ hohe Dividendenerträge ab."

Erfolgsgeschichten wie diese sind derzeit rar an der Wall Street. Mehr als neun von zehn Aktien des marktumfassenden Index S&P 500 verzeichneten im zurückliegende Quartal per saldo einen Kursverlust. Ein Viertel der Unternehmen verlor sogar mehr als 25 Prozent an Wert. Kaum ein Sektor bleibt dabei verschont - selbst Branchen, die bei schwacher Konjunktur als sichere Häfen gelten. Denn auch die vermeintlich defensive Sparten kämpfen mit Problemen.

Beispiel Tabakbranche. Die klassische Anlagealternative in Rezessionsphasen leidet unter sinkender Nachfrage, saftigen Steuererhöhungen und einer starken Zunahme billiger Importe. Hinzu kommen Schadensersatzprozesse. Erst am vergangenen Freitag verurteilte ein kalifornisches Gericht den Tabak- und Nahrungsmittelgiganten Philip Morris zu einer Entschädigungszahlung von 28 Mrd. Dollar - nach Konzernangaben die höchste Strafe, die je gegen Philip Morris verhängt wurde. Im gleichen Atemzug senkte das Unternehmen seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Danny Seitz von Instinet Research erwartet daher, dass sich die gesamte Tabakindustrie unterhalb des Gesamtmarkts entwickeln wird.

Kein wesentlich besseres Bild bietet der Telekom-Markt. Nach den Skandalen und Pleiten rund um Worldcom & Co. haben sich die Anleger zurückgezogen. "Am Niedergang der Technologie- und Telekombranche ist eine Vielzahl von Faktoren Schuld", sagt CSFB-Analyst Thomas Galvin. "Der Sommer 2002 wird uns wohl wegen der Enthüllungen rechtswidriger Machenschaften lange im Gedächtnis bleiben."

Profitieren von der trüben Lage können Aktien, die trotz aller Schwierigkeiten noch Gewinne einfahren. "In einem solchen Marktumfeld sind schwarze Zahlen fast schon eine Seltenheit und Branchen, die relativ beständig bleiben, werden zu gefragten Kandidaten", sagt Jeff Applegate, Chef-Investmentstratege bei Lehman Brothers. Neben der Gesundheitsbranche empfiehlt er Unternehmen, die Produkte des täglichen Bedarfs herstellen - etwa Nahrungsmittelproduzenten und Kosmetikfirmen.

Zu den aussichtsreichen Sektoren dazugekommen sind seit kurzem auch die Produzenten von Rüstungsgütern. Sie profitieren von der angespannten außenpolitischen Lage und dem von der USA forcierten "Krieg gegen den Terror". Die Branchenführer Northrop Grumman und Lockheed Martin zählen zu den wenigen Papieren an der Wall Street, deren Kurse seit den September-Anschlägen beständig gestiegen sind. Während der Gesamtmarkt mehr als 20 Prozent abgab, stieg der S&P-Branchenindex für Raumfahrt- und Rüstungsaktien nach Reuters-Angaben um mehr als zehn Prozent. Lockheed Martin verdoppelte im abgelaufenen Quartal die Gewinne und erhöhte die Prognosen für die nächsten beiden Jahre kräftig. Raumfahrt- und Rüstungsexperten der US-Banken rechnen denn auch damit, dass der momentane Aufwärtstrend noch mindestens drei bis fünf Jahre anhält, da die Branche erst am Anfang des Aufschwungs steht.

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