Skandal um vergammeltes Fleisch
„Der Schuss ging voll nach hinten los“

Im Gammelfleischskandal hat sich Verbraucherminister Seehofer gegen seinen bayerischen Amtskollegen Werner Schnappauf durchgesetzt - auf Kosten seines Ansehens in der CSU.

BERLIN. Wenn es um öffentlichkeitswirksames Agieren geht, läuft Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) regelmäßig zur Hochform auf. Das war so beim letzten Gammelfleischskandal vor einem Jahr und bei der Vogelgrippe. Auch die neuen Funde verdorbenen Fleisches in Bayern nutzte der CSU-Vize publikumswirksam zur eigenen Profilierung.

Dass er dabei jedes Mal vor allem die Länder ins Visier nahm, allen voran seinen bayerischen Amtskollegen und "Parteifreund" Werner Schnappauf, hat nach Meinung von Beobachtern nicht nur mit dessen stetigem Beharren auf der Zuständigkeit der Länder für Katastrophenschutz und Lebensmittelkontrolle zu tun. Da kämpfen zwei "Politgockel" gegeneinander, von denen der eine, Schnappauf, es wohl nur der schützenden Hand des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zu verdanken hat, dass er immer noch im Amt ist.

In der Sache hat sich Seehofer dieses Mal wohl durchgesetzt. Schon Ende März hatte Seehofer Schnappauf aufgefordert, einheitliche bundesweite Standards für die Lebensmittelkontrolle einzuführen und sie vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überwachen zu lassen und war damit bei Schnappauf auf harten Widerstand gestoßen. Gestern lenkte der Landesminister ein. Weil auch die Kanzlerin Seehofers Kurs stützt, dürften sich heute wohl die Landesverbraucherminister auf ihrer Krisensitzung in Berlin in Seehofers Sinn verständigen.

Seinen Rückhalt in der CSU dürfte Seehofer mit dem von ihm regelrecht inszenierten Schlagabtausch allerdings nicht befördert haben. "Der Schuss ging voll nach hinten los", sagt ein Präsidiumsmitglied. Seehofer habe geglaubt, gegen den in der Landtagsfraktion und in der Regierung mäßig angesehenen Schnappauf leicht Handlungsfähigkeit beweisen zu können. Dabei habe er aber den Föderalismus attackiert, und das komme in der erzföderalistischen Partei CSU ganz schlecht an. In der Kabinettssitzung der bayerischen Landesregierung am Dienstag hagelte es Kritik. Seehofer solle nicht glauben, sich mit derlei Auftritten für andere Ämter zu qualifizieren, soll Landeswirtschaftsminister Erwin Huber in der Runde gesagt haben.

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