Skandalträchtiger Viktor Emanuel
Königssohn hinter Gittern

So hat sich der Königssohn die Rückkehr in die Heimat nicht vorgestellt. Prinz Viktor Emanuel von Savoyen, Sohn des letzten italienischen Königs Umberto II, sitzt nach 56 Jahren Exil in einem italienischen Gefängnis - unschuldig wie er behauptet.

MAILAND. So hat sich der Königssohn die Rückkehr in die Heimat nicht vorgestellt. Gerade vier Jahre ist es her, dass Prinz Viktor Emanuel von Savoyen, Sohn des letzten italienischen Königs Umberto II, nach 56 Jahren Exil mit Ehefrau und Sohn wieder italienischen Boden betraten. Die Regierung Silvio Berlusconi hatte zuvor den Verfassungszusatz gestrichen, nachdem es den Savoyen verboten war, nach Italien zu kommen.

Nun sitzt Viktor Emanuel in einem Gefängnis im süditalienischen Potenza. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft klingen abenteuerlich: Glücksspiel, Korruption und Ausbeutung der Prostitution. Mit Hilfe seiner guten Kontakte zu Behörden und Politikern soll der 69jährige einer Ansammlung von zweifelhaften Unternehmern und Kriminellen geholfen haben, Spielbanken zu kaufen und gezinkte Spielautomaten nach Russland und Libyen zu exportieren.

Anscheinend befindet sich Viktor Emanuel in guter Gesellschaft: Auch der Pressesprecher des früheren Außenministers Gianfranco Fini und der ehemalige bulgarische Zar Simeon II sollen laut Medienberich-ten in die halbseidenen Geschäfte verwickelt sein. Der Adlige aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha, von 2001 bis 2005 in Sofia Ministerpräsident, ist ein Vetter Viktor Emanuels. Bulgariens Staatsanwaltschaft hat Informationen angefordert. Insgesamt sitzen ein Dutzend Verdächtige in Haft oder Hausarrest, gegen ein weiteres Dutzend wird ermittelt. "Ich bin absolut unschuldig", beteuert Viktor Emanuel. Zunächst sah es auch so aus, als könnte der Adlige ein Opfer der Justiz sein. Denn Staatsanwalt Henry John Woodcock hat in der Vergangenheit mehrfach gegen Prominente ermittelt - und die Vorwürfe stellten später als haltlos heraus. Doch die kompromittierenden Mitschriften der Telefonate, die in mehreren Zeitungen veröffentlicht wurden, klingen nicht gerade unschuldig. Auch das zuständige Gericht in Potenza lässt wissen, dass "viele Beweise" vorlägen. Und die Italiener fragen sich, ob sie einen Banditen ins Land zurückkehren ließen.

Für Viktor Emanuel ist es nicht das erste Mal, dass er Ärger mit der Justiz hat. In der Vergangenheit wurde er des Waffenschmuggels nach Persien und der Mitgliedschaft der militanten Freimaurerloge P2 bezichtigt. 1991 musste er sich in Paris vor Gericht wegen des Todes eines Deutschen verantworten, der 1978 durch einen Schuss aus seinem Gewehr starb. Er kam mit einem halben Jahr auf Bewährung davon.

Italiens Bevölkerung liebt die Familie ohnehin nicht sonderlich. Abgesehen von den jüngsten Skandalen haben es viele Italiener dem Großvater des festgenommenen Prinzen, Viktor Emanuel III, nie verziehen, dass er das Volk nach dem Waffenstillstand 1943 alleine ließ und sich per Schiff absetzte. Umso patriotischer gibt sich der Königssohn heute - aus der Zelle beschwert er sich: "Nicht mal einen Fernseher für das WM-Italien-Spiel habe ich bekommen."

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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