Skandinavier bleiben lieber unter sich
OMX hat kein Interesse mehr an der Börse London

Dieses Mal will OMX, die Betreibergesellschaft der Börsen in Stockholm, Helsinki, Tallinn, Riga und Vilnius, die neuen Annäherungsversuche der Börsen in Frankfurt und London ganz gelassen aus der Ferne beobachten. Die jetzige Größe von OMX sei nahezu optimal, sagte Jukka Ruuska, ab 1. Januar 2005 neuer Chef der nordischen Börsengesellschaft, vor kurzem und wies damit Spekulationen zurück, sein Unternehmen könnte sich erneut um London bemühen.

HB STOCKHOLM. Vor vier Jahren hatte der Börsenbetreiber international für Schlagzeilen gesorgt, als er die altehrwürdige London Stock Exchange (LSE) übernehmen wollte. Der Versuch scheiterte. Doch seit dem feindlichen Übernahmeversuch ist die aus der schwedischen OM-Gruppen hervorgegangene OMX zu einem Begriff für modernes Börsenmanagement und forsches Auftreten geworden. Die Schweden gehörten zu den ersten Börsenbetreibern weltweit, die selbst an der Börse notiert waren und verstehen sich bis heute als Vorreiter bei der Konsolidierung.

Vor anderthalb Jahren übernahm OM die Helsinki Stock Exchange (HEX) für umgerechnet rund 171 Mill. Euro. Zuvor

hatte OM über die Börsenallianz Norex bereits erste Bande zu den Handelsplätzen in Kopenhagen, Oslo und Reykjavik geknüpft. Nach der geglückten HEX-Übernahme holte die jetzt unter dem Namen OMX firmierende schwedisch-finnische Betreibergesellschaft im Oktober 2004 zum nächsten Schlag aus: Verhandlungen über ein Zusammengehen mit der Börse in Kopenhagen wurden bestätigt, ein endgültiger Beschluss über die Defacto-Übernahme der dänischen Börse für rund 100 Mill. Euro soll bis Ende Februar 2005 gefasst werden. Gleichzeitig erneuerte OMX das Angebot an die Börsen in Oslo und Reykjavik, sich der Gesellschaft anzuschließen.

Die Verschmelzung der einzelnen Handelsplätze macht nach Meinung der meisten Experten Sinn. Die Region rund um die Ostsee zählt nicht zuletzt nach der Osterweiterung der Europäischen Union zu den Wachstumsmotoren in Europa. Die Börsen in Stockholm, Helsinki, Tallinn und Riga arbeiten bereits mit dem gemeinsamen Handelssystem Saxess und haben sich auf gemeinsame Handelsregeln und Öffnungszeiten verständigt.

Das ungestüme Vorgehen von OMX hat sich ausgezahlt: Mittlerweile exportiert die Gesellschaft ihr technisches Handelssystem und hat sich im europäischen Börsen-Mittelfeld platziert. Fortsetzung folgt: OMX hat Interesse an der Warschauer Börse signalisiert, die 2005 privatisiert werden soll.

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Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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