Skandinavische Telekomkonzerne Telia und Sonera planen flächendeckendes Netz
Russlands Handymarkt im Visier

Telia und Sonera wollen zusammen mit der russischen Telecominvest den Handy-Markt des Riesenreiches erschließen. Das Potenzial ist groß. Lediglich drei Prozent der russischen Bevölkerung haben ein Handy.

HB STOCKHOLM. Schwedens einstiger Telekom-Monopolist, Telia, will zusammen mit dem finnischen Konkurrenten Sonera und weiteren Partnern Russlands ersten landesweiten Mobilfunkbetreiber aufbauen. An dem neuen Unternehmen, dessen Namen erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden soll, sind die russische Telecominvest mit 31,3 %, Sonera (26 %), die russische Central Telegraph Mobile (25,1 %), Telia (16,2 %) sowie einige kleinere russische Netzbetreiber beteiligt.

Die Bildung des neuen Konzerns wird durch das Verschmelzen von Soneras und Telias Beteiligungen an verschiedenen kleineren russischen Mobilfunkbetreibern möglich. Die zusammengeführten Unternehmensteile kommen nach Telia-Angaben derzeit auf etwa 400 000 Mobilfunk-Kunden. Da der neue Konzern jedoch als erster in Russland ein flächendeckendes Handy-Netz aufbauen wird, rechnen Sonera und Telia mit großen Zuwachsraten. Der Markt umfasse 122 Mill. potenzielle Kunden, doch bisher haben davon nur etwa 3 % ein Handy-Abonnement. Telia und Sonera gehen von einem rasanten Anstieg der Handy-Penetration in den kommenden fünf bis sechs Jahren aus. Bis 2 009 soll das neue russische Unternehmen nach Angaben aus Helsinki und Stockholm einen Marktanteil von etwa 30 % haben.

Das Herzstück des erweiterten Russland-Engagements von Telia und Sonera werden die Mobilfunkgesellschaft in St. Petersburg und Moskau und bilden. An dem führenden Mobilfunkbetreiber in St. Petersburg, ZAO North-West GSM, sind Sonera und Telia schon seit längerem gemeinsam beteiligt. An dem Moskauer Telekom-Konzern Sonic Duo hält Sonera allein 35 %.

Finanzielle Details wurden bisher nicht genannt. Der Zusammenschluss der Sonera - und Telia-Mobilfunkaktivitäten in Russland wurde erst möglich, nachdem die norwegische Telenor ihren 12,74-prozentigen Anteil an ZAO North-West GSM gestern an die beiden nordeuropäischen Konkurrenten verkaufte. Telenor begründete den Ausstieg damit, dass man bei Auslandsbeteiligungen die Kontrolle über das Unternehmen anstrebe. Dieses sei bei North-West GSM nicht möglich gewesen.

Das aktuelle Engagement von Sonera und Telia in Russland hat Spekulationen über eine weiter gehende Allianz dieser beiden nordeuropäischen Telekom-Konzerne erneut angeheizt. Schon im Frühsommer waren Telia, Sonera und auch die dänische TDC (ehemals Tele Danmark) als vermeintliches Fusionstrio genannt worden. Nach unbestätigten Angaben laufen die Diskussionen weiter. Analysten in Stockholm schätzten die Erfolgsaussichten aber gering ein.

Telia wird am Donnerstag seinen Halbjahresbericht vorlegen. Seit dem enttäuschenden Quartalsergebnis im Mai ist der Kurs der Telia-Aktie in Stockholm um 18 % gesunken. Doch trotz dieser Enttäuschung für viele Anleger steht Telia im internationalen Vergleich dank einer geringen Verschuldung noch gut da. Es sind vor allem die Gewinnspannen im Mobilfunkbereich, auf die die Analysten besonders genau schauen werden. Nachdem Telias schwedische Konkurrenten Europolitan Vodafone und Tele2 überraschend starke Zahlen für das zweite Quartal liefern konnten, hoffen Experten auch bei Telia auf gute Nachrichten.

Analysten haben ihre Prognose über die Margen im Telia-Mobilfunkbereich auf 31 % erhöht. Nach einer Umfrage rechnen die Analysten für das zweite Quartal mit einem durchschnittlichen Ebitda-Ergebnis von 3,4 Mrd. Kronen (369 Mill. Euro) gegenüber 2,8 Mrd. Kronen im Vorjahreszeitraum und einem gegenüber dem zweiten Quartal 2 000 um 5 % gestiegenen Umsatz von 13,9 Mrd. Kronen. Sorgen bereitet dagegen Telias Beteiligung in Polen an dem Telekom-Unternehmen Netia, dass in akute Zahlungsschwierigkeiten geraten ist. Die Schweden halten an Netia 48 % und werden vermutlich eine weitere Kapitalspritze geben müssen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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